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Lokales Gymnasium Dresden-Pieschen verbindet Computer, Sport und gesundes Essen
Dresden Lokales Gymnasium Dresden-Pieschen verbindet Computer, Sport und gesundes Essen
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08:23 27.12.2017
Kerstin Ines Müller, Schulleiterin Gymnasium Pieschen. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Im neugegründeten Gymnasium Pieschen legen Schulleiterin Kerstin Ines Müller und ihr Team die Schwerpunkte unter anderem auf Medienkompetenz und Informatik. Im DNN-Interview erklärt sie, warum diese Bereiche für die Kinder so wichtig sind und was sie vom neuen Kultusminister erwartet.

Sachsen hat innerhalb von acht Wochen den zweiten neuen Kultusminister – nach dem Lehrer Frank Haubitz nun den Rechtsanwalt Christian Piwarz. Was halten Sie von den Wechseln?

Kerstin Ines Müller: In nur acht Wochen hatte Herr Haubitz keine Chance zu beweisen, dass er die schon lange bekannten Probleme an sächsischen Schulen lösen kann. Er hat sich in den großen Verantwortungsbereich eines Kultusministers eingearbeitet, in dieser Zeit hat er in der Schulleitung seines Gymnasiums gefehlt, und nun steht Herr Piwarz vor der gleichen Aufgabe. Ich frage mich nach den Gründen für diese sprunghafte Personalpolitik…

Der unfreiwillige Kurzzeit-Minister hatte sich für die Verbeamtung von Lehrern ausgesprochen. Sind Sie verbeamtet und glauben Sie, dass dieser Status junge Menschen für das Lehreramt in Sachsen gewinnt? Was erwarten Sie vom neuen Minister?

Für junge Leute sind berufliche Sicherheit und die Höhe der Vergütung beim Einstieg in den Beruf sehr wichtig. So lange in anderen Bundesländern Lehrer verbeamtet werden, sollte Sachsen auch nachziehen, um diesen Standortnachteil im Wettbewerb um Lehrkräfte zu beseitigen. Grundsätzlich empfinde ich das Konkurrieren der Bundesländer um Lehrer als nicht zeitgemäß. Selbst habe ich aus persönlichen Gründen keine Verbeamtung angestrebt. Vom neuen Kultusminister erwarte ich, dass er die von Herrn Haubitz begonnenen Prozesse zügig fortsetzt. Es muss schnell eindeutige und gerechte Entscheidungen zur Lösung der Probleme in der sächsischen Bildungspolitik geben.

Was haben Sie bisher gemacht?

Ich war 13 Jahre Lehrerin für Englisch und Russisch am Gymnasium in Neustadt/Sachsen. Nach dessen Schließung habe ich zunächst als Referentin für moderne Fremdsprachen am Sächsischen Bildungsinstitut in Radebeul gearbeitet. Nach einer Ausbildung zum Schulentwicklungsberater habe ich fünf Jahre Schulen aller sächsischen Schularten in deren Schulprogrammarbeit unterstützt. Aber da ich die tägliche Zusammenarbeit mit Kollegen und das Unterrichten schnell vermisst habe, bewarb ich mich um eine Stelle in der Schulleitung. Ich war dann sechs Jahre stellvertretende Schulleiterin am Gotthold-Ephraim-Lessing-Gymnasium in Kamenz.

Wie sind Sie jetzt in Pieschen gelandet?

Die Stelle des Schulleiters war ausgeschrieben. Der Aufbau einer neuen Schule ist eine ganz besondere berufliche Herausforderung, dafür wollte ich mich unbedingt bewerben.

Was ist das Faszinierende daran?

Es muss fast alles neu erdacht werden, es gibt keine eingefahrenen Prozesse und Strukturen, keine inhaltlichen Schwerpunkte, noch keine Partner. Es ist ein riesiger Gestaltungsspielraum, der mir manchmal auch Angst macht, weil es eine große Verantwortung ist. Aber da ich klare Vorstellungen vom Schulprogramm und ein sehr engagiertes Lehrerteam habe, komme ich jeden Tag gern in „meine“ Schule.

Wohin soll es bei der Entwicklung der Schule gehen?

Wir haben zwei Schwerpunkte. Einmal wollen wir ein M-IT-Gymnasium entwickeln, das steht für Medienbildung und Informatik, für die Vermittlung von Digitalkompetenzen im weitesten Sinne.

Was bedeutet das?

Wir thematisieren zum Beispiel, wie man sich in sozialen Netzwerken verhält, wie man seine Daten im Internet schützt, was Urheberrecht bedeutet, wie ich Informationen aus dem Netz bewerte und meinen Medienkonsum kritisch reflektiere. Außerdem erproben wir Möglichkeiten des digitalen Lernens, um beispielsweise Lernprozesse zu individualisieren und besser auf die Bedürfnisse des einzelnen Schülers einzugehen.

Warum gerade dieser Schwerpunkt?

Die Kultusministerkonferenz und nun auch das sächsische Kultusministerium haben mit der Konzeption zur Medienbildung gerade die Notwendigkeit der digitalen Kompetenzentwicklung untermauert. Ich sehe zum Beispiel die Problematik des Cyber-Mobbings, dem Schule mit der Vermittlung von Werten entgegenwirken muss. Auch bei Fünftklässlern geht es schon um die Frage, ob sie sich in sozialen Netzwerken adäquat verhalten, beispielsweise wenn es um Foto- oder Videoaufnahmen von Mitschülern geht, die das nicht wollen. Außerdem haben mir zahlreiche Vertreter der Wirtschaft signalisiert, dass digitale Kompetenzen künftig zu den wichtigsten Kompetenzen im Berufsleben zählen. Im internationalen Vergleich hat Deutschland im Bereich der schulischen Medienbildung und des digitalen Lernens Aufholbedarf. Ein weiterer Aspekt ist die Tatsache, dass die Informatik noch immer männlich dominiert ist. Wir wollen auch für Mädchen Berufschancen befördern.

Welche Rolle spielt die Informatik?

Die Schüler sollten eine vertiefte Vorstellung davon haben, wie Software oder Apps programmiert werden, wie Webseiten gestaltet werden, wie man mit Datenbanken und Tabellenkalkulation umgeht. Wir haben in Dresden schnell Partner gefunden, die unser Konzept unterstützen. Wissenschaftlich werden wir von der TU Dresden begleitet, der Einsatz von Dozenten zu Projekttagen und Schülerpraktika an der Uni sind geplant. Im Programm erlebe-IT by bitkom haben wir gerade Workshops zum Thema „Sicher unterwegs im Netz“ für Schüler und Eltern vereinbart.

Wie kommen Ihre Schwerpunkte bei den Eltern an?

Unser Konzept wird sehr begrüßt. Viele Eltern haben selbst beruflich Einblick in die Anforderungen an Arbeitnehmer und viele sehen bei ihren Kindern zu Hause die Notwendigkeit, den Medienkonsum zu regeln. Kinder dürfen ein Handy haben, aber wie sie damit umgehen, muss besprochen werden.

Sie sind mit drei 5. Klassen gestartet, gab es zu wenig Anmeldungen?

Wir hatten als Neugründung einen ganz normalen Start mit 71 Kindern. Ich war etwas traurig darüber, dass wir nur elf direkte Anmeldungen hatten. Andere Familien hatten unsere Schule als Zweit- oder Drittwunsch angegeben. Leider mussten auch Schüler aus vollen Gymnasien zu uns umgelenkt werden. Wir konnten aber die Eltern recht schnell von uns überzeugen.

Wie hat sich ausgewirkt, dass ihrer Schule noch zwei Umzüge auf die Leisniger und dann auf die Gehestraße bevorstehen?

Das hat bei den Anmeldungen auch eine Rolle gespielt. Eltern wollten ihren Kindern die Umzüge nicht zumuten. Da wir ein „Mini-Gymnasium“ sind und es sehr familiär zugeht, werden wir gemeinsam den Umzug meistern.

Welchen Schwerpunkt hat Ihre Schule noch, sind es die Sprachen?

Nein. (Lacht) Ich werde hier leider auch kein Russisch mehr unterrichten. Neben Englisch sind unsere Fremdsprachen Französisch und Italienisch. Unser zweiter Schwerpunkt sind Sport und nachhaltige, gesunde Lebensweise.

Was verbirgt sich dahinter?

Jugendliche verbringen viel Zeit an Handy oder Computer, sitzen lange im Unterricht. Das führt oft zu Bewegungsarmut. Um eine gesunde Entwicklung zu unterstützen, setzen wir auf zusätzliche Sportangebote sowie Erziehung zu einer nachhaltigen Lebensweise. Wie ernähre ich mich gesund und wie behalte ich dabei ökologische Aspekte wie Regionalität der Produkte im Blick. Wir starten dazu unter anderem eine Kooperation mit dem TSV Rotation.

Wie schlägt sich dieser Schwerpunkt im Schulalltag nieder?

Es gibt unter anderem Förderunterricht Sport und ein Ganztagsangebot „Gesundes Essen zubereiten“. Bei Wandertagen und Klassenfahrten steht Bewegung im Mittelpunkt und gerade freuen wir uns auf unser Weihnachtsturnier im Zweifelderball.

Wie gehen Sie mit den Umzügen um?

Wir wollen die Kinder da gut mitnehmen. Schon zum ersten Wandertag haben wir gemeinsam die Baustellen an der Leisniger und der Gehestraße besichtigt. Für die Grundsteinlegung auf unserem Campus haben alle Kinder ihre Gedanken über die Schule der Zukunft aufgeschrieben. Die stecken jetzt in der Zeitkapsel im Fundament.

Sind Sie eine strenge Schulleiterin?

Das müssten wohl zuerst meine Kollegen und die Schüler beurteilen… Ich versuche, den Kindern und Lehrern gut zuzuhören. Zuhören und miteinander reden ist mir sehr wichtig. Wir müssen gemeinsam auf die Belastung der Schüler achten, damit sie ihren Schulalltag gut bewältigen und auch Kind sein können. Aber ich erwarte natürlich auch, dass Regeln eingehalten werden und gehe davon aus, dass ein Gymnasiast Durchhaltevermögen und Leistungsbereitschaft mitbringt.

Es gibt in der letzten Zeit eine breite Diskussion darüber, ob den Schülern genügend Demokratieverständnis vermittelt wird. Ob genügend Zeit dafür an Schulen ist, sie mit dem nötigen Rüstzeug wie Dialogbereitschaft und Streitkultur auszustatten. Wie sehen Sie das?

Einer unserer Grundsätze ist: wir reden miteinander und nicht übereinander. In den Klassen legen die Klassenleiter großen Wert darauf, dass das Zusammenleben demokratisch geklärt wird. Jede Woche gibt es eine Stunde, in der der Klassenlehrer mit den Schülern die Prozesse in der Klasse reflektiert. Ich treffe mich regelmäßig mit den Schülersprechern. Da diskutieren wir beispielsweise darüber, wie wir es schaffen können, dass es in den Pausen ruhiger wird und sich jeder Schüler wohlfühlt.

Können Sie das auch aufrechterhalten, wenn die Schule voller wird?

Wir haben jetzt die Chance, unser Schulklima zu prägen und Normen zu etablieren. Das wird uns auch in den nächsten Jahren tragen.

Beim Besuch des Bundespräsident in Dresden hat Frank Richter in einem Demokratieforum seine These von der „Pisaisierung“ bekräftigt. Es sei nachteilig, dass durch allerlei Studien der Fokus vor allem auf messbaren Sachen liegt. Die humanistischen Aspekte der Bildung, Kulturelles, Ethisches, Kreatives zu kurz kämen. Auch der Bundespräsident bedauerte, dass der 250. Geburtstag des Bildungsreformers Wilhelm von Humboldt in diesem Jahr kaum eine Rolle spielte. Sehen sie in diesem Bereich ebenfalls Defizite?

Diese Defizite sehe ich nicht. Es findet an den Schulen kompetenzorientierter Unterricht statt, der Schüler dazu befähigt, mit der Einheit von Wissen und Können Strategien zu erwerben, die ihn zu einem selbstständig denkenden, kritischen und mündigen Bürger heranwachsen lassen. Dabei spielen insbesondere auch die geisteswissenschaftlichen Fächer eine Rolle, neben Projekten, fächerverbindendem Unterricht und außerschulischen Aktivitäten. Eine Schule verknüpft sinnvollerweise immer beides: Anspruch an das faktisch Inhaltliche sowie das Humanistische. Die Wertevermittlung und Demokratieerziehung finden täglich über Unterrichtsinhalte, aber auch im Miteinander in der Schule statt. Anders kann Schule gar nicht funktionieren.

Von Ingolf Pleil

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