Wie das Fliegen klimafreundlicher werden könnte
Sommerzeit ist Reisezeit, das gilt auch an Flughäfen: Über den Wolken dem sonnigen Reiseziel entgegenfliegen macht Vorfreude – je nach eigenem Klimabewusstsein reisen gleichzeitig aber auch gemischte Gefühle im Gepäck mit. Zu Recht.
Beim Verbrennen von Kerosin werden CO₂ und andere Treibhausgase wie Stickoxide (NOx) freigesetzt, die in der Atmosphäre chemische Reaktionen eingehen und zur Entstehung von Treibhausgasen wie Ozon beitragen. Ein weiterer Effekt: Auf Flughöhe ist die Luft meist kalt und trocken, so kühlt sich Wasserdampf, der ebenfalls als Nebenprodukt der Verbrennung entsteht, schnell ab und kondensiert zu winzigen Wassertropfen oder Eiskristallen.
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Zur vollständigen AnsichtDie Emissionen im Luftverkehr müssen dringend reduziert werden
Cirrus homogenitus, oder auch einfach Kondensstreifen, sehen vielleicht zart und filigran aus. Ebenso wie natürliche Cirren spielen sie jedoch eine wichtige, noch nicht vollständig verstandene Rolle für den Energiehaushalt der Atmosphäre. Denn einerseits reflektieren die Kondensstreifen einfallende Sonnenstrahlung und haben so einen kühlenden Effekt, andererseits verhindern sie die Wärmeabstrahlung der Erde.
Alles in allem gehen Forscher und Forscherinnen aber davon aus, dass Wolken eher zur Erderwärmung als zur Abkühlung beitragen. Da kann einem der Tomatensaft schon im Hals stecken bleiben – zumal auch der sechste Sachstandsbericht des Weltklimarats es sehr deutlich macht: Die Emissionen im Luftverkehr müssen zwingend reduziert werden.
Flugverkehr bleibt unumgänglich
Mehr als 80 Prozent der globalen Bevölkerung haben noch nie ein Flugzeug betreten. Wer also das Privileg genießt, eine Flugreise antreten zu können, sollte sich daher besonders bei Langstreckenflügen fragen: Braucht es diese Reise wirklich? Kann ich vielleicht auch mit dem Zug reisen? Kann nicht auch ein näheres Urlaubsziel begeistern? Kann mein halbtägiger Geschäftstermin in Übersee vielleicht auch online stattfinden?
Manche Wege sind allerdings nur mit dem Flugzeug zu bewerkstelligen. Der Flugverkehr wird deshalb unumgänglich bleiben. Deshalb hat auch diese Branche die Aufgabe, Emissionen und sekundäre Effekte wie das Bilden von Kondensstreifen zu reduzieren. Das gelingt einerseits schon heute durch den Einsatz von verbesserter Technologie sowie mittel- und langfristig durch die Entwicklung von alternativen Antriebsarten.
Welche Vorteile hätte ein einheitlicher Luftraum?
Aber auch darüber hinaus gibt es Möglichkeiten: Flugrouten können zum Beispiel noch sehr viel effizienter geplant werden. Studien haben einerseits gezeigt, dass durch das Einbinden von Wetterdaten, insbesondere der Windrichtung und ‑geschwindigkeit, bis zu 15 Prozent der Emissionen eingespart werden können. Außerdem bringt der aktuelle Luftraum über Europa viele Umwege und damit unnötige Emissionen mit sich. Denn knapp 30 Behörden regulieren heute den Luftverkehr von Spitzbergen bis Zypern – würde man diese in einem Netzwerk zusammenfassen, also einen Single European Sky schaffen, hätte das einige Vorteile: kürzere Flugzeiten, weniger Treibstoffverbrauch und damit auch geringere Betriebskosten für Fluggesellschaften. Seit mehr als 30 Jahren bemüht sich die Europäischen Union um einen einheitlichen, effizienten und sichereren Luftraum – politisch umgesetzt wird es bisher nicht.
Klar ist: Bei der Reduzierung der Emissionen im Luftverkehr hilft Eigenverantwortung nur bedingt: Ob ich fliege, ist zwar größtenteils meine Entscheidung – wo der Pilot oder die Pilotin langfliegt, kann ich als Fluggast aber kaum beeinflussen. So ist die Luftfahrt für mich ein schönes Beispiel für das Zusammenspiel von individuellen Auswirkungen auf das System und gleichzeitig der Notwendigkeit, dieses System durch politische Entscheidungen zu transformieren. Nur so kann die Emissionslast im Reisegepäck kleiner werden werden.
Insa Thiele-Eich ist Meteorologin und forscht an der Universität Bonn an den Zusammenhängen zwischen Klimawandel und Gesundheit. Seit 2017 trainiert sie im Rahmen der Initiative „Die Astronautin“ als Wissenschaftsastronautin für eine zweiwöchige Mission auf der Internationalen Raumstation – und wäre damit die erste deutsche Frau im All. Sie ist Mitglied im Stadtrat von Königswinter für die Königswinterer Wählerinitiative. Hier schreibt sie über die Raumfahrt, den Klimawandel und die faszinierende Welt der Wissenschaft.