Jedem Vierten fehlt das Geld für Urlaub

Linken-Chef Schirdewan fordert Verdopplung des Urlaubsgelds

Der Urlaub reißt oft tiefe Löcher ins Budget von Familien.

Berlin. Es ist Ferienzeit in Deutschland und deshalb für viele Familien auch Urlaubszeit – und was den zeitlichen Umfang angeht, so ist der in der Bundesrepublik sogar gesetzlich geregelt: Laut Bundesurlaubsgesetz haben alle Arbeitnehmerinnen und Ar­beit­neh­mer mit einer Fünftagewoche das Recht auf mindestens 20 Tage Urlaub pro Jahr. Tarifvertraglich sind aber meist höhere Ur­laubs­an­sprü­che vereinbart, im Schnitt 28 Tage für Vollzeitkräfte.

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Doch die Zeit ist dabei nur ein Faktor, findet der Vorsitzende der Linkspartei, Martin Schirdewan: „Urlaub machen zu können, ist auch eine Geldfrage – und für immer mehr Menschen schlicht nicht mehr drin.“ Die Linke hat verschiedene Statistiken durchgearbeitet, und sie stellt fest: „Für viele Familien ist Urlaub nicht mehr leistbar.“

Besonders betroffen sind Familien

Das liege zum einen daran, dass die durch Inflation gestiegenen Preise in den vergangenen Jahren die Puffer aufgefressen haben, die die Normal- und Geringverdiener für Extraausgaben angelegt hatten, warnt Schirdewan. So fehle laut aktuellen Daten fast jedem vierten Menschen in Deutschland das Geld für Urlaub, Tendenz steigend. Besonders betroffen seien dabei Alleinerziehende und Familien mit Kindern.

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Laut Statistischem Bundesamt erhalten die Beschäftigten in Deutschland im Durchschnitt ein Urlaubsgeld von 1644 Euro brutto. Im Osten sind es demnach im Schnitt 448 Euro weniger, also 1196 Euro brutto, sagte Linken-Chef Schirdewan dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Wenn es hochkommt, bleiben da gerade einmal 600 Euro netto – davon kann man kaum eine Woche mit der Familie an die Ostsee fahren, wenn schon die Zugtickets mehr als 300 Euro kosten“, erklärte er. „Angesichts der gestiegenen Preise sollte das Ziel sein, das Urlaubsgeld für Normal- und Geringverdiener zu verdoppeln.“

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Für alle, die derzeit weder Urlaubsgeld bekommen, noch etwas sparen konnten, brauche es zudem schnelle und unbürokratische Hilfe: „Auch diese Menschen haben für sich und ihre Kinder Ferien vom Alltag verdient“, so Schirdewan. „Menschen mit niedrigem Einkommen, also Sozialleistungs- und Wohngeldberechtigte, sollten daher 500 Euro Urlaubsgeldpauschale bekommen.“

Viele Beschäftige bekommen gar kein Urlaubsgeld mehr

Schirdewan fügte hinzu: „Zugleich bekommen viele Beschäftigte inzwischen sogar kein Urlaubsgeld mehr, denn das kriegt man meistens nur mit Tarifbindung, die mittlerweile auf 50 Prozent gesunken ist.“ Damit also mehr Beschäftigte überhaupt Urlaubsgeld bekommen, müsse die Tarifbindung dringend erhöht werden, forderte er. Dafür könne die Bundespolitik trotz Tarifautonomie von Arbeitgebern und Gewerkschaften sorgen, so der Linken-Politiker: „Die Bundesregierung ist sogar per EU‑Richtlinie dazu verpflichtet, einen Aktionsplan vorzulegen, damit mindestens 80 Prozent der Beschäftigten durch Tarifverträge abgesichert sind.“ Nur mit mehr tariflich abgesicherter Beschäftigung „werden mehr Menschen Urlaubsgeld erhalten“, so Schirdewan.

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Zudem ruft die Linkspartei die Bundesregierung dazu auf, Geringverdiener zu entlasten. „Jeder sechste in Vollzeit Beschäftigte in Deutschland verdient weniger als 2400 Euro brutto. Im Osten sogar jeder vierte“, betonte der Co‑Vorsitzende. „Damit kann man sich keinen Urlaub leisten.“ Es brauche einen Aktionsplan, damit auch Menschen mit weniger Einkommen und Vermögen wenigstens einmal im Jahr in den Urlaub fahren können, forderte Schirdewan. Neben der Stärkung von Gewerkschaften und Tarifbindung müsse dazu eine deutliche Erhöhung des Mindestlohnes gehören – vor allem durch eine Umsetzung der EU‑Mindestlohn-Richtlinie.