Berichte: Tausende weitere Migranten wollen durch Mexiko in Richtung USA ziehen
Tapachula. Im Süden Mexikos sind laut Berichten örtlicher Behörden und Medien erneut mehrere Tausend Migranten zu einem gemeinsamen Marsch aufgebrochen, der bis zur weit im Norden gelegenen Grenze mit den Vereinigten Staaten gehen soll. Wie die Zeitung „Milenio“ unter Berufung auf den Zivilschutz berichtete, machten sich an Heiligabend etwa 5000 Menschen nach einem Gebet in der Stadt Tapachula im Bundesstaat Chiapas auf den Weg. Sie sollen hauptsächlich aus Ländern wie Venezuela, Honduras, El Salvador, Guatemala, Nicaragua oder Haiti stammen. An der Spitze des Zuges trug demnach ein Teilnehmer ein weißes Kreuz.
Frust über schleppende Bearbeitung von Anträgen in Mexiko
Die Menschen warfen der mexikanischen Einwanderungsbehörde INM Untätigkeit bei der Bearbeitung ihrer Anträge in Tapachula vor. „Wir sagen dem mexikanischen Staat, dass er uns keine andere Möglichkeit lässt, als zu Fuß zu gehen, bis das INM die Einwanderungsgenehmigungen erteilt“, sagte der Aktivist Luis García Villagrán vom Zentrum für Menschenwürde, der die Karawane koordinierte. Ziel der Gruppe ist den Berichten zufolge zunächst Mexiko-Stadt, anschließend die Nordgrenze des Landes mit den USA.
Mexiko liegt auf der Migrationsroute vieler Menschen, die versuchen, die Vereinigten Staaten zu erreichen. Sie fliehen vor Armut, Gewalt oder politischen Krisen in ihren Heimatländern. Seit einigen Jahren schließen sich Migranten in der Region zum Schutz vor Gewalt und Abschiebung verstärkt zu Gruppen oder Karawanen zusammen, die sich oft nach einiger Zeit aber wieder auflösen.
„Chaos“ und Vorwurf des Versagens an Washington
Die häufig illegale Einwanderung über die amerikanisch-mexikanische Grenze ist in den USA eines der brisantesten innenpolitischen Themen. Viele lokale Politiker in den südlichen Bundesstaaten werfen der Regierung in Washington vor, den Zustrom nicht genügend zu kontrollieren und die Grenze generell nicht ausreichend zu sichern. In Staaten wie Arizona ist die Enttäuschung groß – vor der nächsten US-Präsidentschaftswahl 2024 wurde hier bereits viel Kritik an der Migrationspolitik von Präsident Joe Biden laut (+).
Der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, hatte Biden Anfang des Jahres beim Besuch eines Grenzübergangs in El Paso einen Brief übergeben, in dem das „Chaos“ an der mexikanischen Grenze als „direktes Ergebnis“ von Bidens Versagen bezeichnet wurde, Bundesgesetze durchzusetzen. Auch Menschenrechtler sind wegen der hohen Zahl illegaler Einreisen alarmiert, weil Migranten oft nur schlecht versorgt und Familienmitglieder von Behörden getrennt würden.
RND/dpa/janp