“Lang lebe die Königin”-Regisseur Richard Huber: “Hannelore Elsner war eine starke und fordernde Frau”

Der Regisseur Richard Huber (l.) mit den Hauptdarstellern von “Lang lebe die Königin”: Marlene Morreis (Rolle: Nina Just), Hannelore Elsner (Rolle: Rose Just) und Günther Maria Halmer (Rolle: Werner Wittich).

Während der Dreharbeiten für den ARD-Film “Lang lebe die Königin” ist die Schauspielerin Hannelore Elsner gestorben. Der Film konnte trotzdem noch fertiggestellt werden, indem fünf Schauspielerinnen – Iris Berben, Hannelore Hoger, Eva Mattes, Gisela Schneeberger und Judy Winter – für die fehlenden Szenen einsprangen. Am 29. April wird der Film nun ab 20.15 Uhr in der ARD gezeigt, ab dem 22. April ist er bereits in der ARD-Mediathek zu sehen. Im Interview spricht Richard Huber, der Regisseur des Films, darüber, wie er die letzten Drehtage mit Hannelore Elsner erlebt hat, wie die Idee für die Fertigstellung entstanden ist und wie der Nachdreh unter diesen traurigen Umständen lief.

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Zwischen dem Film “Lang lebe die Königin” und Hannelore Elsners Lebensende gibt es Parallelen: Wie ihre Figur Rose war auch Elsner an Krebs erkrankt. Hat man Elsner beim Dreh nicht angemerkt, dass es ihr schlecht ging?

Wir wussten nicht, dass Hannelore Elsner krank war und dass es ihr schlecht ging. Vor den Dreharbeiten gab es wie immer einen Termin beim Versicherungsarzt, der sich davon überzeugt hat, dass die Schauspieler gesund sind. Bei der Lesung des Drehbuchs wirkte sie äußerst zart, aber trotzdem sehr lebhaft – und so war sie auch beim Dreh. Dass die Realität in die Fiktion einbricht, hat uns total überrascht und erschüttert.

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Elsner sieht in einigen Szenen sehr geschwächt aus. Man weiß als Zuschauer nicht, was da jetzt echt und was gespielt ist.

Im Rückblick erscheint nicht immer eindeutig, was wirklich und was gespielt ist. Aber ich glaube, das macht die Wahrhaftigkeit des Spiels noch intensiver für den Zuschauer. Einerseits ist Elsner sehr wach und schelmisch durch diesen Film gegangen, andererseits war sie auch jemand, die mit ihren 76 Jahren eine gewisse Müdigkeit in sich trug. Sie hatte erst kurz zuvor einen Film abgedreht, einen “Tatort”.

Wie haben Sie Elsner in ihren letzten Tagen am Set erlebt?

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Die letzten Szenen, die wir mit Elsner gedreht haben, spielen im Krankenhaus. Ihre Figur Rose nimmt Abschied von ihrer Tochter Nina, die von Marlene Morreis gespielt wird. Im Nachhinein wirkt das schicksalhaft: Ist das wirklich die letzte Szene, die Hannelore Elsner in ihrem Leben drehen würde – ihren eigenen Tod? Die Antwort ist: ja.

“Sie ist eine starke Frau”, sagt Roses Partner im Film. Kann man das auch auf Elsner beziehen?

Hannelore Elsner war eine sehr starke und sehr fordernde Frau. Eine Frau, die eine Herausforderung war, weil sie – zu recht – von ihrem Umfeld viele Dinge eingefordert hat. Aber sie war auch bereit, viel zu geben.

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Wie ist die Idee entstanden, dass fünf Schauspielerinnen – Iris Berben, Hannelore Hoger, Eva Mattes, Gisela Schneeberger und Judy Winter – für Elsner in den restlichen Szenen einspringen?

Es hat eine Zeit lang gedauert, bis wir uns aus der Trauer wieder aufgerappelt haben. Wir haben dann geschaut, was wir eigentlich gedreht haben und ob das schon ein richtiger Film ist. Wir hatten einen Anfang, ein Ende und einen Bogen – und wollten den Film unbedingt vollenden. Aber wir hatten das Gefühl, wenn wir Hannelores Rolle nur mit einer Darstellerin umbesetzen, gerät der Film in eine seltsame Schieflage. Die Autorin Gerlinde Wolf hatte dann die Idee einer Hommage: Fünf Kolleginnen sollen die fünf Szenen drehen, die Hannelore nicht mehr spielen konnte. Die Darstellerinnen sollten eine Beziehung zu Elsner haben, sei es eine enge persönliche Beziehung – wie zwischen Hannelore und Iris Berben – oder eine eher berufliche Beziehung, wo ein großer gegenseitiger Respekt da war. Wir haben unsere fünf Wunsch-Schauspielerinnen angefragt, und glücklicherweise haben alle sofort zugesagt.

Wie wurde dann ausgewählt, welche Schauspielerin welche Szene spielt?

Diese fünf Momente im Film spiegeln verschiedene Zustände wieder. Da ist eine noch starke Frau, die aus dem Wagen steigt und ihrer Tochter eine Abfuhr erteilt – diese Szene spielt Gisela Schneeberger, die sehr dynamisch und autoritär auftritt. Die zweite Szene mit Judy Winter erzählt eine viel wärmere Situation. Dann gibt es die Geburtstagsfeier, eine relativ harte Szene, in der die Tochter ins Abseits gestellt wird und den letzten Impuls bekommt, sich von ihrer Mutter endgültig zu emanzipieren. Es ist eine kraftvolle Szene, die zu Iris Berben passt. Sie hatte sicher die intensivste Beziehung zu Hannelore Elsner. Dann gibt es den Moment der Verzweiflung, der mit Eva Mattes richtig besetzt ist. Und den Augenblick der Annäherung, als die Mutter sich in die Obhut der Tochter begibt. In diesem Moment, den Hannelore Hoger sehr gut trägt, wirkt Rose fragil und geschwächt, sie wehrt sich aber noch gegen das, was das Leben mit ihr vorhat.

Ist die Erschütterung der Kolleginnen über Elsners Tod beim Nachdreh zu spüren gewesen?

Sie haben ihre Traurigkeit zugelassen und sind zugleich mit großer Seriosität an die Sache herangegangen. Auch für die anderen Schauspieler, allen voran Marlene Morreis und Günther Maria Halmer, waren es schwere und intensive Drehtage. Sie mussten mit fünf verschiedenen “Rosen” spielen und trotzdem in ihrer Rolle bleiben.

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Stand der Titel des Films – “Lang lebe die Königin” – von Anfang an fest?

Ganz am Anfang gab es einen anderen Titel: “Die Liebe ist ein Fluss in Preußen”. Aber wir hatten den Eindruck, dass die Erwartungshaltung an den Film dann eine ganz andere gewesen wäre. Deswegen haben wir den Titel geändert, aber dies schon lange bevor wir in diese dramatische Situation gekommen sind. “Lang lebe die Königin” finde ich einen sehr guten Titel. Er hätte mir auch dann gut gefallen, wenn die Dreharbeiten ganz normal verlaufen wären.

Der Film bekommt jetzt mehr Aufmerksamkeit als er wahrscheinlich ohne den Tod von Elsner bekommen hätte. Können Sie sich darüber – trotz der traurigen Umstände, die das begünstigen – freuen?

Ich freue mich überhaupt nicht darüber, dass der Film DADURCH mehr Aufmerksamkeit bekommt. Ich würde mich aber freuen, wenn das Interesse daran groß ist, weil ich mir wünschen würde, dass Hannelore Elsners letzter Vorhang als guter Abschied wahrgenommen wird. Beim Schneiden habe ich wirklich nach oben geguckt und gefragt: “Hannelore, und, was sagst du?”... “Ja, kann man so machen.”