Hälfte der Deutschen will sich laut Umfrage den Weihnachtsbaum sparen
Dass immer mehr Haushalte ihr Geld zusammenhalten müssen, wird auch an Weihnachten spürbar. Laut einer neuen Erhebung will knapp die Hälfte der Deutschen auf einen Weihnachtsbaum verzichten, um Geld zu sparen. Das ergab eine Befragung der Konsumforschungsinstitute GfK und NIM, die kürzlich vorgestellt wurde.
Das GfK hat zwei Ideen, woran das liegen könnte. Einerseits steige seit Jahren die Zahl der Ein-Personen-Haushalte. „Für sich alleine brauchen die Leute nicht unbedingt einen Baum. Für diese Menschen bietet sich dann natürlich der Verzicht auf einen Weihnachtsbaum besonders an, wenn sie sich überlegen, wo sie zu Weihnachten Geld sparen können“, erklärt Anna Trautmann vom GfK.
Spaltung zwischen Arm und Reich wächst
Andererseits seien es Geringverdiener, die das Einsparen des Christbaums in Erwägung zögen, meint Trautmann. Dass diese Gruppe mehr sparen muss, beobachtet auch der Sozialverband Deutschland (SoVD). „Die lange Phase von Preisexplosionen und Rekordinflation hat tiefe Spuren hinterlassen. Wer vor Corona vielleicht gerade noch mit seiner kleinen Rente ausgekommen ist, muss nun zum Amt gehen oder bei der Tafel aufstocken“, berichtet SoVD-Chefin Michaela Engelmeier.
Sie warnt vor eine zunehmenden Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich. Auch in der Weihnachtszeit werde das sichtbar. „Wir bekommen aus unserer Sozialrechtsberatung die Rückmeldung, dass die Menschen zunehmend massiv sparen müssen – und das macht auch vor liebgewonnenen Traditionen nicht Halt. Millionen fallen zunehmend hinten runter. Hier darf die Politik nicht zuschauen“, mahnt Engelmeier.
Ich sehe bei meiner Kundschaft, dass der Baum immer noch Tradition ist
Lars Zimmermann,
Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger
Verkaufszahlen seit Jahren stabil
Die Weihnachtsbaumverkäuferinnen und -verkäufer hingegen wollen von Krisenstimmung nichts wissen. „Ich sehe bei meiner Kundschaft, dass der Baum immer noch Tradition ist“, sagt Lars Zimmermann, Vorstand vom Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger (BVWE). 23 bis 25 Millionen Weihnachtsbäume werden nach Angaben des BVWE jedes Jahr gekauft. „Seit einem Jahrzehnt sind diese Zahlen stabil“, sagt Zimmermanns Vorstandskollege im BVWE, Eberhard Hennecke. Ausreißer habe es lediglich in der Corona-Zeit gegeben – und zwar nach oben. „Da hatten wir sogar 3 bis 4 Prozent mehr Verkauf“, sagt Hennecke. Der Verkaufsstart zum 1. Advent sei gut gewesen, betont er. „Besser als erwartet, auch im Vergleich zum Start im letzten Jahr.“
Die schiere Zahl der verkauften Bäume macht den Erzeugern keine Sorgen, allerdings bemerkt deren Verband sehr wohl, dass viele Menschen versuchen, am Preis zu sparen, und dafür auch Qualitätseinbußen in Kauf nehmen. „Der Verkauf von Discounterbäumen boomt“, sagt Zimmermann. Gerade die Discounter und Supermärkte würden oft Importware aus dem Ausland anbieten, die wegen der längeren Transportwege weniger frisch ist. Der Run auf die Discount-Bäume könne ein Indiz sein, dass Menschen versuchen, weniger auszugeben, räumt Zimmermann ein. „Es gibt eine Kundenklientel, die bei den steigenden Preisen sparen muss.“.
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Zur vollständigen AnsichtDer Großteil der in Deutschland verkauften Bäume, etwa 19 Millionen, stammt allerdings aus heimischem Anbau. Mit Abstand beliebtester Weihnachtsbaum hierzulande wird auch in diesem Jahr wieder die Nordmanntanne sein. Fast 80 Prozent der Weihnachtsbaumkäufer entscheiden sich für den Baum mit den weichen und langlebigen Nadeln. Auf Platz zwei kommt die Blaufichte mit einem Marktanteil von 15 Prozent.
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Zur vollständigen AnsichtWeihnachtsbaum – Ein Zeichen der Besinnlichkeit
Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich auch in diesem Jahr auf eine Preissteigerung einstellen. Die Nordmanntanne wird laut Schätzungen des BVWE zwischen 22 und 30 Euro je laufendem Meter kosten. Damit wird etwa ein Euro mehr als im vergangenen Jahr fällig – trotz guter Wachstumsbedingungen im Sommer. Begründet wird der steigende Preis mit den höheren Betriebskosten. Auch hier macht sich die Inflation bemerkbar, durch steigende Löhne und Transportkosten. Bereits im Jahr zuvor hatten sich die Preise der Bäume um einen Euro erhöht.
Erzeuger-Vertreter Hennecke ist um die Zukunft des Christbaums nicht bange. „Der Weihnachtsbaum ist ein sehr positiv besetztes Produkt“, sagt er. „Der Baum steht für den Rückzug in die Familie, für Besinnlichkeit und für Ruhe von den schrecklichen Dingen, die zurzeit in der Welt passieren.“
Auch die GfK-Forscher rechnen nicht mit einem Ende des Brauchs. Trotz abnehmenden Interesses bleibt das Fest mit Baum ihnen zufolge die Regel.