Teure Gemütlichkeit: Heizkosten legen Riesensprung hin
Meteorologisch wurde gerade die Wärmewende geschafft. Nach einem extrem heißen Sommer ist es pünktlich mit dem Beginn des Oktobers kühler geworden: Die Heizsaison beginnt. Und viele Verbraucher werden sich bang fragen: Wird Gemütlichkeit schon wieder teurer? 2025 bewegten sich die Preise in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Zugleich war es aber spürbar kälter, was den Energieverbrauch und damit die Kosten dann doch wieder in die Höhe getrieben hat.
Verteuerung um 45 Prozent
Unterm Strich mussten private Haushalte pro Quadratmeter stolze 45 Prozent mehr als noch 2021 zahlen – dem letzten Jahr vor der Energiekrise, die durch den Ukrainekrieg ausgelöst wurde. Dies geht aus der am Donnerstag vorgelegten neuesten Ausgabe des Techem-Atlas für Energie, Wärme und Wasser hervor. Der Energiedienstleister hat die Daten von mehr als 2 Millionen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern analysiert, die sich vor allem in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern befinden.
Erstaunlich sind die hiesigen regionalen Unterschiede: Im Saarland wurde am teuersten mit 14,50 Euro pro Quadratmeter geheizt. Besonders günstig ist es in den Stadtstaaten Berlin (10,34 Euro) und Bremen (10,72 Euro), aber auch in NRW (10,69 Euro).
Billige Wärmepumpen
Ursache für die Differenzen ist unter anderem die Zusammensetzung des Heizungsbestands und auch das Alter der Wärmeerzeuger. Die Techem-Daten zeigen denn auch, dass moderne Anlagentechnik einen wesentlichen Beitrag zum Drücken des Energieverbrauchs leistet. Das Nutzerverhalten kommt natürlich auch noch hinzu.
Eine ganz besondere Rolle spielen Wärmepumpen, obwohl sie vielfach noch immer nur mit Eigenheimen in Verbindung gebracht werden. Dass sie für klimafreundliches Heizen und die Dekarbonisierung des Gebäudebestandes von zentraler Bedeutung sind, ist offensichtlich.
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Zur vollständigen AnsichtAber die Techem-Daten zeigen auch: Wo Mehrfamilienhäuser mit Aggregaten beheizt werden, die Umgebungsenergie in Wärme umwandeln, fallen die niedrigsten Kosten pro Quadratmeter an. Bewohner können sich seit 2021 über weitgehend stabile Aufwendungen für wohlige Temperaturen freuen. Und da sei zudem bei fast jeder dritten Anlage noch mehr drin – durch eine „optimierte Betriebsführung“, so Techem.
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Zur vollständigen AnsichtHeizkörper können bleiben
Apropos Potenzial. Noch immer hält sich das Narrativ, dass Wärmepumpen nur für besonders gut gedämmte Neubauten geeignet sind. Die Analyse zeigt hingegen, dass ein Großteil der untersuchten Bestandsgebäude bereits heute für den Einsatz von effizienten „Niedertemperatursystemen“ geeignet ist – womit in erster Linie just Wärmepumpen gemeint sind.
In rund 40 Prozent der Wohnungen können sie sogar ohne den Austausch der Heizkörper eingesetzt werden. Werden diese durch modernere Wärmespender ersetzt, steigt der Anteil auf etwa 80 Prozent. Beim Einsatz spezieller Niedertemperaturheizkörper sind es laut Techem-Berechnungen dann um die 90 Prozent.
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Zur vollständigen AnsichtFür Ulrich Schiller, Co-Chef der Techem-Gruppe steht fest: „Entscheidend ist jetzt, die Modernisierung des Gebäudebestands weiter voranzutreiben und technische Möglichkeiten gezielt einzusetzen.“ Er meint damit intelligente Stromzähler, mehr Transparenz beim Verbrauch durch Digitalisierung und letztlich ein „datenbasierter Betrieb von Gebäuden“, was seinem Unternehmen zupass käme.
Gasheizungen auf dem zweiten Platz
Es bleiben die Anschaffungskosten: Die sind deutlich höher als für eine neue Gasheizung. Berechnungen unter anderem von Fraunhofer, der Deutschen-Energieagentur oder der Denkfabrik Agora Energiewende laufen darauf hinaus, dass die höheren Investitionen nach 8 bis 15 Jahren durch die Ersparnisse beim Betrieb ausgeglichen werden. Die Spanne ist deshalb so groß, weil der jeweilige energetische Zustand der Gebäude maßgeblich ist.
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Zur vollständigen AnsichtIndes hat sich im gesamten Wärmemarkt – also auch bei Eigenheimen – die Wärmepumpe durchgesetzt und zuletzt ihren Vorsprung noch ausgebaut. Laut Heizungsindustrie-Verband BDH wurden von Januar bis Juni 2026 bundesweit insgesamt 352.000 Geräte abgesetzt. Davon entfiel mit 194.500 deutlich mehr als die Hälfte auf Wärmepumpen, was zugleich einem Plus zum Vorjahr um 40 Prozent entspricht. Mit 134.000 Aggregaten liegen Gasheizungen mit deutlichem Abstand auf dem zweiten Platz. Branchenkenner gehen davon aus, dass sich dieser Trend im dritten Quartal verstetigt hat.
Viel mehr Dynamik ist nötig
Dennoch betont der BDH, dass es zusätzliche Dynamik brauche, um die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen. Die Erneuerungsquote wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch in diesem Jahr unter dem Soll bleiben. Nach den Schätzungen des Verbandes sind hierzulande ungefähr 4 Millionen Heizungen älter als 30 Jahre. Mehr als 40 Prozent der 21,5 Millionen Wärmeerzeuger entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik.
Und wie wird die Heizsaison? Das hängt natürlich stark davon ab, wie kalt der Winter wird. Die Vorzeichen beim Heizen mit Gas, was in mehr als 50 Prozent aller Haushalte geschieht, sind schon jetzt nicht rosig. Ein Blick auf die Großhandelspreise zeigt: Die Notierungen schwankten 2025 grob zwischen 25 und 40 Euro. In diesem Jahr liegt der Korridor bislang eher zwischen 40 und 80 Euro. Viele Versorger werden mit Zeitversatz die Tarife erhöhen.