„Werden in 10 Jahren 300.000 EU Incs sehen“

EU Inc.: Neue EU-Unternehmensform soll Start-ups beflügeln

Mit der neuen Unternehmensform EU Inc. will Brüssel Start-ups beflügeln.

Brüssel. Ein Unternehmen in nur 48 Stunden gründen und in der ganzen EU Geschäfte machen: Die EU-Kommission hat am Mittwoch die neue Unternehmensform EU Inc. vorgestellt. Die Idee: Wenn Firmengründer diese EU-Rechtsform wählen, müssen sie sich nicht mehr mit 27 verschiedenen Regelwerken herumschlagen, sondern können sich auf ein EU-Unternehmensrecht verlassen. Das soll vor allem Start-ups helfen, schnell in Europa zu wachsen und in viele Mitgliedstaaten zu expandieren. Ein Mindestkapital für die Gründung einer EU Inc. gibt es nicht.

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Die Firmengründung soll mit wenigen Klicks vollkommen digital möglich werden. Persönliche Formalitäten gehören der Vergangenheit an. „Viel zu lange mussten europäische Unternehmen, wenn sie die Expansion in neue Märkte in Europa durchführen wollten, sich mit der Komplexität von 27 verschiedenen Rechtsordnungen und Verwaltungen auseinandersetzen“, so EU-Industriekommissar Stéphane Séjourné. „Viel zu lange haben sie Zeit und Geld für Anwälte, Notare oder Übersetzungen verschwendet.“

Mitgliedstaat frei wählbar – das könnte auch Probleme bewirken

EU-Inc.-Unternehmen können frei wählen, in welchem Mitgliedstaat sie sich niederlassen. Sie müssen dann die nationalen Vorschriften des ausgewählten Landes einhalten, etwa das Arbeits-, Sozial- und Steuerrecht. Der europäische Gewerkschaftsverband UNI Europa befürchtet daher, dass durch die freie Wahl des Firmensitzes die in einigen Ländern hohen nationalen Standards umgangen werden könnten. „Unternehmen würden so die Möglichkeit haben, sich Länder mit niedrigeren Standards auszusuchen“, sagt Gewerkschaftssekretär Oliver Roethig.

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Wir schätzen, dass es innerhalb von 10 Jahren bis zu 300.000 EU-Inc.-Unternehmen geben wird, die etwa 1,6 Millionen Menschen beschäftigen.

ein EU-Beamter

„Wir schätzen, dass es innerhalb von 10 Jahren bis zu 300.000 EU-Inc.-Unternehmen geben wird, die etwa 1,6 Millionen Menschen beschäftigen“, so ein EU-Beamter. 90 Prozent der Unternehmen würden Neugründungen sein. Er rechnet mit einem Wettbewerb unter den Mitgliedstaaten, Gründer und Unternehmer zur Ansiedlung bei sich zu gewinnen.

Für mehr Flexibilität könnten auch die Pläne für Homeoffice in der ganzen EU sorgen. Derzeit können Unternehmen ihren Mitarbeitern nach EU-Recht erlauben, bis zu 25 Prozent ihrer Arbeitszeit in einem anderen EU-Land zu verbringen. In bestimmten Fällen sind auch 50 Prozent schon heute möglich. Noch in diesem Jahr will die EU-Kommission allerdings einen Vorschlag für Start-ups vorlegen, wonach deren Mitarbeiter auch 100 Prozent Homeoffice in der ganzen EU machen dürfen – also von überall in Europa arbeiten können.

Laut Stephan Wernicke von der Deutschen Industrie- und Handelskammer stößt die neue Rechtsform auf großes Interesse in der deutschen Wirtschaft. Es handle sich um „spürbare Vereinfachungen“ und werde Unternehmensgründungen Rückenwind geben.

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EU-Parlament und Mitgliedstaaten müssen nun über die Vorschläge beraten.