Ausschreitungen in dieser Saison

Fußball-Krawalle in Deutschland und Europa: Die Chaos-Chronologie

Nicht nur am vergangenen Wochenende wurde der Sport in einigen Fußballstadien zur Nebensache.

Rohe Gewalt auf St. Pauli, Pfefferspray in Bochum, Festnahmen in Stuttgart, Böller-Eklat in Augsburg: Am Wochenende ist es in Deutschland erneut zu Zusammenstößen zwischen Fans und der Polizei gekommen. Am Hamburger Millerntor wurden mindestens 15 Anhänger von Hannover 96 und 17 Polizisten verletzt, neben der körperlichen Gewalt kam dabei auch Pfefferspray zum Einsatz. In Bochum griffen die Sicherheitskräfte in Auseinandersetzungen mit Kölner Fans ebenfalls auf dieses Mittel zurück. Laut Polizeiangaben hätten die Beamten die Ordner beim Einlass der Zuschauer ins Stadion unterstützen müssen, weil Anhänger der Kölner „Problemfanszene“ großen Druck ausgeübt hätten.

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Darüber hinaus wurden in Stuttgart im Rahmen der Partie gegen den BVB elf Fans des VfB in Gewahrsam genommen, weil sie Platzverweise nicht akzeptiert haben sollen. In Augsburg musste das Spiel gegen die TSG Hoffenheim aufgrund eines Böller-Wurfs vorübergehend unterbrochen werden. Der Feuerwerkskörper flog aus dem Gästeblock in Richtung Spielfeldrand, wo sich die Ersatzspieler der Heimmannschaft warmmachten.

Der Deutsche Fußball-Bund hat die Ermittlungen nach den jüngsten Vorfällen bereits eingeleitet. Fest steht aber: Es sind nicht die ersten Vorkommnisse in dieser Saison. Schon bei mehreren Partien im deutschen Profifußball ist es seit August zu teils schweren Ausschreitungen gekommen. Und Deutschland ist mit diesem Problem nicht allein. Auch im Rest von Europa kommt es immer wieder zu Vorfällen – teilweise sogar mit tragischen Folgen. Der Sportbuzzer, das Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), hat eine Auswahl der Fan-Krawalle dieser Spielzeit in Europa zusammengetragen.

7. August: AEK Athen - Dinamo Zagreb

In Athen kam ein Zuschauer bei schweren Ausschreitungen kroatischer Fans ums Leben. Der junge Mann aus Griechenland sei durch mehrere Messerstiche schwer verletzt worden und gestorben, berichtete der griechische Staatssender ERTnews unter Berufung auf die Polizei. Es habe 96 Festnahmen gegeben. Die kroatischen Fans waren demnach zum Spiel AEK Athen gegen Dinamo Zagreb der dritten Runde der Champions-League-Qualifikation am Dienstagabend angereist. Die Partie wurde anschließend verlegt.

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13. August: Lok Leipzig - Eintracht Frankfurt

Beim Erstrunden-Spiel des DFB-Pokals zwischen Lok Leipzig und Eintracht Frankfurt (0:7) kam es ebenfalls zu Krawallen. Nachdem aus dem Fanblock der Gastgeber wiederholt Böller in Richtung des Spielfeldes geworfen worden waren und der Stadionsprecher die Anhänger mehrfach erfolglos dazu aufgefordert hatte, das Abbrennen von Pyrotechnik zu unterlassen, wurde die Partie in der 73. Minute unterbrochen. Nach dem Spiel setzten sich die Unruhen fort. So lieferten sich Lok-Anhänger Auseinandersetzungen mit der Polizei. Es habe Versuche gegeben, Polizeiabsperrungen zu durchbrechen und zu den abreisenden Gäste-Fans zu gelangen, teilte die Polizei mit.

23. September: FC St. Pauli - FC Schalke 04

Der Frust über die Schalker 1:3-Niederlage bei St. Pauli saß bei einigen Fans des Revierklubs tief. S04-Anhänger stürmten nach dem Schlusspfiff in den benachbarten Zuschauerblock und lieferten sich eine Prügelei mit Anhängern der Hamburger, bei der auch Gegenstände flogen. Vier der schlichtend eingreifenden Ordner trugen Verletzungen davon. Auch außerhalb des Stadions ging es hoch her, unter anderem wurden Polizisten bei der Abreise der S04-Fans mit Flaschen beworfen.

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24. September: Ajax Amsterdam - Feyenoord Rotterdam

Am 24. September musste der niederländische Klassiker zwischen Ajax Amsterdam und Feyenoord Rotterdam abgebrochen werden. Grund für die drastische Maßnahme war, dass von den Rängen wiederholt brennende Pyrotechnik auf das Feld geworfen wurde. Schiedsrichter Serdar Gözübüyük beendete die Partie gemäß den Regeln der Liga beim Stand von 3:0 für Meister Feyenoord, nachdem Fans bereits zum zweiten Mal Leuchtraketen in Richtung des Rasens geschossen hatten.

29. Oktober: Olympique Marseille - Olympique Lyon

In Frankreich erreichte die Fan-Randale beim brisanten Aufeinandertreffen von Marseille und Lyon eine neue Eskalationsstufe. Nachdem der Sport in der Ligue 1 auch in der jüngsten Vergangenheit mehrmals in den Hintergrund geriet, führte ein Angriff auf den Mannschaftsbus der Gäste zu einer Spielabsage. Mehrere Sicherheitsfenster wurden „durch schwere Projektile unbekannter Art zerstört“, teilte Lyon mit. Trainer Fabio Grosso und sein Assistent Raffaele Longo wurden bei diesem Angriff direkt getroffen und schwer im Gesicht verletzt. Innenminister Gérald Darmanin bestätigte im Anschluss neun Festnahmen, die Partie wird am 6. Dezember nachgeholt.

7. November: AC Mailand - Paris Saint-Germain

In der Nacht zum 7. November wurde ein Fan von Paris Saint-Germain in Mailand niedergestochen. Am Abend vor der Begegnung bei der AC Mailand in der Champions League sei der 34 Jahre alte Franzose von einer Gruppe von Milan-Anhängern angegriffen worden und habe mehrere Stichwunden erlitten, wie mehrere italienische Medien unter Berufung auf die Polizei berichteten. Der Mann wurde schwer verletzt und nach dem Vorfall ins Krankenhaus gebracht. Sein Zustand sei stabil, hieß es weiter. Zwei weitere Fans erlitten Verletzungen. Auch Polizisten wurden bei dem Gerangel verletzt.

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8. November: FC Bayern - Galatasaray Istanbul

Bereits im Vorfeld des Champions-League-Spiels des FC Bayern gegen Galatasaray (2:1) hatten die Fans der Türken sich am Münchner Marienplatz versammelt und Pyrotechnik abgebrannt. Einige Anhänger seien vorübergehend festgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher. Berichte über angebliche antisemitische Vorfälle bestätigte der Sprecher nicht. Es sei lediglich ein Plakat mit der Aufschrift „Free Palestine“ entrollt worden. Dies stelle aber keinen Straftatbestand dar, sagte er.

8. November: Real Sociedad San Sebastian - Benfica Lissabon

Auch während des Champions-League-Spiels von Benfica Lissabon bei Real Sociedad San Sebastian (1:3) ist es zu Ausschreitungen gekommen. Einige Fans des portugiesischen Meisters hatten bengalische Fackeln in Richtung der Gastgeber-Anhänger geworfen. Die Partie war daraufhin zu Beginn der zweiten Hälfte kurz unterbrochen worden. Die Benfica-Fans hatten sich in einem Block über jenem der basken der Basken befunden und die Fackeln nach unten geworfen.

8. November: SSC Neapel - Union Berlin

Am selben Tag kam es vor dem Champions-League-Spiel von Union Berlin bei der SSC Neapel (1:1) in der italienischen Stadt zu Ausschreitungen. Schon am Vorabend der Partie sollen Fans des deutschen Hauptstadtklubs randaliert haben. Übereinstimmenden italienischen Medienberichten zufolge ist es zwischen den Anhängern und der Polizei zu schweren Zusammenstößen gekommen. Elf deutsche Fans sind demnach festgenommen worden. Mehrere Polizisten sollen bei den Krawallen verletzt worden sein.