Adi Hütter in Frankfurt: Gekommen, um seine Geschichte zu Ende zu schreiben
Hannover/Frankfurt. Es war ein zwangsläufiges Ende, aber keines ohne Schrecken. Albert Riera, der spanische Exzentriker, hinterließ bei Eintracht Frankfurt nicht allein während seiner knapp viermonatigen Amtszeit, sondern auch danach einen schlechten Eindruck. Als Nachfolger von Dino Toppmöller sollte er den hessischen Fußball-Bundesligisten noch in einen internationalen Wettbewerb führen.
Riera verpasste das Ziel, wurde mit der SGE nur Achter – doch mehr noch verwunderte die Art und Weise von zahlreichen öffentlichen Auftritten, bei denen er wahlweise Spielern, dem Umfeld und den Medienvertretern gegenüber respektlos aufgetreten ist.
RND-Serie „Die Neuen an der Linie“
In der Sommerpause blickt das RND in einer vierteiligen Serie auf die Trainer, die zur kommenden Saison 2026/27 einen neuen Job in der Bundesliga antreten: Martín Demichelis in Leipzig, Adi Hütter (Eintracht Frankfurt), Carles Martínez (Bayer Leverkusen) und Mauro Lustrinelli (Union Berlin).
Teil 1: Martín Demichelis in LeipzigDie Trennung war aus Sicht der Vereinsführung unvermeidlich. Doch in der Sommerpause legte Riera mit öffentlichen Anschuldigungen in Richtung Axel Hellmann („Du bist ein Niemand“) nach – als Reaktion darauf, dass der Klubchef zuvor in einem Interview kundgetan hatte, dass die Eintracht durch die Auftritte seines Kurzzeit-Angestellten einigen Schaden genommen hatte.
Mit einem derartigen Umgang soll Schluss sein, Ruhe soll einkehren beim Europa-League-Sieger von 2022, dessen Fans kommende Saison erstmals seit sechs Jahren ohne europäische Nächte auskommen müssen. Genug hatte man von der zeitweisen Rückkehr zum Image der „Diva vom Main“.
Von der „Diva zum Main“ wieder zu mehr Ruhe
Die Eintracht baut daher nun auf einen Neuen an der Linie, dessen Ende seiner ersten Ära in der Bankenmetropole damals zwar keinesfalls geräuschlos verlaufen war, dem man aber zutraut, im zweiten Anlauf seine Geschichte erfolgreich weiterzuschreiben: Adi Hütter.
Laufbahn: Als der Österreicher im Jahr 2021 – nach der bisher letztmaligen Spielzeit ohne Frankfurter Europapokal-Teilnahme – seinen Abschied bekanntgab, habe er „mit Sicherheit das ein oder andere Störgefühl“ hinterlassen. So formulierte es gerade Vereinspräsident Mathias Beck im Interview mit der „FAZ“. Aber, so Beck weiter: „Adi hat es selbst gut beschrieben: Er war in Frankfurt noch nicht fertig.“
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Zur vollständigen AnsichtEin Störgefühl blieb einst nicht wegen des Abgangs an sich. Sondern deshalb, weil er nur wenige Tage zuvor zwei Worte sagte, die ihm das Frankfurter Publikum übelnahm: „Ich bleibe.“ Hütter aber blieb bekanntlich nicht, sondern zog weiter zu Ligakonkurrent Borussia Mönchengladbach.
Europa-League-Finale mit Eintracht Frankfurt
Da lagen hinter dem Vorarlberger drei gute Jahre an der Seitenlinie der SGE. Als Hütter im Sommer 2018 von den Young Boys Bern aus der Schweiz zur Eintracht gekommen war, galt er in Deutschland als unbeschriebenes Blatt. Er musste den Pokalsieger-Trainer Niko Kovač beerben. Doch direkt in der ersten Saison kam Frankfurt mit ihrer offensiven „Büffelherde“ ins Finale der Europa League. Nur: In der Corona-Zeit blieben weitere Erfolge aus. Hütter wollte sich dann in Gladbach weiterentwickeln, musste aber nach einem Jahr gehen.
2023 heuerte er nach einem Jahr Pause bei der AS Monaco an. Dem Klub aus dem Fürstentum gelang es unter dem 56-Jährigen in der französischen Liga, selbst Scheichklub Paris Saint-Germain die Stirn zu bieten; Monaco zog zweimal in Folge in die Champions League ein. Trotzdem war der Coach im Oktober 2025 seinen Job los.
Spielstil: Hütter ließ seine Mannschaft früher in Frankfurt genau wie zuletzt mit dem Team von der Côte d’Azur spielen. Er selbst beschreibt das als „offensiven Ansatz, mit hohem Pressing und intensivem Gegenpressing“. Selbstbewusst hatte er einmal gemeint: „Es gibt nicht viele Trainer in Europa, die so spielen lassen wie ich.“ SGE-Stürmer Jonathan Burkardt nannte es eine „komplett andere Fußball-Idee“ als zuvor.
„Adi hat es selbst gut beschrieben: Er war in Frankfurt noch nicht fertig.“
Mathias Beck
Präsident Eintracht Frankfurt
Hinzu kommt die klare Prämisse, die im emotionalen Umfeld der Eintracht sicher gern gesehen wird: Es darf wieder wehtun. „Wenn man mal einen Schlag kriegt, tut’s halt kurz weh. Aber ich will, dass uns das nicht gleich umhaut. Ich glaube, es ist sehr, sehr wichtig, dass wir eine Widerstandsfähigkeit auf dem Platz haben“, sagte Hütter gerade im Trainingslager.
Über den Kampf zu Erfolgen
Ziele: Eintracht-Präsident Beck gab jüngst ebenfalls vor: „Wir wollen sehen, dass sich eine Mannschaft aufopfert, kämpft und über den Kampf ins Spiel kommt. Dann sind wir miteinander verwachsen: Fans und Mannschaft. Dahin wollen wir wieder kommen.“ Der Kader hat an Qualität verloren. DFB-Linksverteidiger Nathaniel Brown verließ die SGE nach seinem starken WM-Debüt und wechselte zum FC Bayern, Rechtsverteidiger Rasmus Kristensen ging in die Heimat nach Dänemark.
Ungewissheiten, etwa bei Mittelfeld-Star Can Uzun, erschweren die Planungen der Verantwortlichen um Manager Markus Krösche, der durch das Turnier im Sommer für gewöhnlich etwas langsamer in Fahrt kommende Transfermarkt ebenfalls. Dennoch hoffen Krösche und Co. mit einem immer noch gut besetzten Aufgebot, wieder um die internationalen Plätze zu spielen.
Es soll jedenfalls definitiv nicht enden wie beim letzten Mal nach damals dreijähriger Zusammenarbeit mit Adi Hütter. Wenn es nach ihm und der Eintracht geht, darf die Liaison diesmal erfolgreicher und zugleich ruhiger laufen, als es beim ersten Mal geendet ist.