So umweltschädlich sind die großen Kreuzfahrt-Reedereien
Für viele Menschen ist eine Kreuzfahrt der Inbegriff eines besonderen Urlaubs: mehrere Reiseziele in kurzer Zeit, Komfort an Bord und das Gefühl, die Weltmeere zu entdecken. Doch die Branche steht wegen ihrer Umweltbilanz weiterhin in der Kritik.
Kreuzfahrtschiffe gehören zu den klimaschädlichsten Verkehrsmitteln, ihre Motoren stoßen enorme Mengen an Treibhausgasen, Feinstaub und Stickoxiden aus. Zudem verschärfen Abfälle und Abwasser die Belastung für die Meeresökosysteme. Gleichzeitig wächst der Markt unaufhaltsam.
Im Jahr 2025 reisten weltweit rund 37 Millionen Menschen mit Kreuzfahrtschiffen – im Jahr 2024 waren es noch rund 35 Millionen Reisende, ein Plus von etwa 5,7 Prozent.
Zum Vergleich: 2006 waren es weltweit erst rund 15,3 Millionen Kreuzfahrtgästinnen und ‑gäste. Damit hat sich die Zahl der Passagierinnen und Passagiere innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten mehr als verdoppelt – ein Anstieg von rund 142 Prozent beziehungsweise etwa 22 Millionen zusätzlichen Reisenden. Und Branchenverbände erwarten, dass die Zahl der Kreuzfahrtreisenden bis 2040 auf rund 41 Millionen Menschen jährlich steigen wird!
Angesichts dieses Wachstums stellt sich die Frage: Wie ernst nehmen die Reedereien Klima- und Umweltschutz? Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat deshalb auch 2026 wieder untersucht, welche Fortschritte die Kreuzfahrtunternehmen machen.
Das Ergebnis: Es gibt Verbesserungen bei Landstrom und Energieeffizienz – doch beim entscheidenden Thema, dem Abschied von fossilen Treibstoffen, bleibt die Branche weit zurück.
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Zur vollständigen AnsichtWelche Reedereien bereits handeln und wer sich weiter schwertut, zeigt das aktuelle Kreuzfahrt-Ranking.
Überblick
Diese Kriterien entscheiden über das Umwelt-Ranking des NABU
Das NABU-Kreuzfahrtranking 2026 bewertet 15 Reedereien anhand verschiedener Klima- und Umweltkriterien:
- Klimaziel
- Klima- und Effizienzmaßnahmen
- Klimaintensität
- EU-Klima-Emissionstrend
- alternative Kraftstoffe
- Landstrom
- Stopp von Schweröl
- Luftreinhaltung
Positiv bewertet der NABU, dass inzwischen alle untersuchten Reedereien weiterhin ein Netto-null-Ziel für 2050 verfolgen. Gleichzeitig kritisiert der Verband, dass kaum konkrete Schritte genannt werden, um dieses Ziel früher zu erreichen oder den Einsatz fossiler Energieträger deutlich zu reduzieren.
Fortschritte gibt es wie im Vorjahr vor allem beim Thema Landstrom. Immer mehr Schiffe können während der Hafenliegezeit mit Strom versorgt werden, sodass die Bordmotoren abgeschaltet werden können. Anbieter wie Havila, Hurtigruten, HX Expeditions oder Mein Schiff seien bereits vollständig ausgerüstet, heißt es.
Auch Effizienzmaßnahmen wie optimierte Routen, geringere Geschwindigkeit oder technische Verbesserungen am Rumpf senken den Energieverbrauch.
Die größte Baustelle bleibt jedoch der Antrieb auf See: Viele Reedereien setzen weiterhin auf Schweröl oder fossiles LNG. Klimaneutrale Alternativen wie E‑Fuels oder erneuerbares Methanol spielen bislang kaum eine Rolle.
„Auch im Jahr 2025 ist die nachhaltigste Kreuzfahrt die, die nicht stattfindet“, lautet daher auch diesmal das Fazit. Zwar würden die Umwelt- und Klimaauswirkungen pro Passagierin und Passagier tendenziell leicht sinken, doch die Branche setze weiterhin zu wenige Maßnahmen um, um das Wachstum der Passagierzahlen auszugleichen, so der NABU. Das verdeutlichen auch die neuesten Zahlen:
NABU-Ranking: Das sind die besten und die schlechtesten Kreuzfahrt-Reedereien 2026
Die Reedereien können im NABU-Kreuzfahrtranking 2026 maximal 17 Punkte erreichen. Doch selbst der Spitzenreiter bleibt deutlich unter diesem Wert: Die bestplatzierte Reederei kommt auf 7,5 Punkte.
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Den ersten Platz belegt die norwegische Reederei Havila Voyages, die vor allem für kleinere, emissionsärmere Schiffe und Reisen entlang der norwegischen Küste bekannt ist. Mit 7,5 Punkten erreicht Havila den höchsten Wert im aktuellen Ranking.
Auf Rang zwei folgt mit 7,25 Punkten die ebenfalls norwegische Reederei Hurtigruten. Das Unternehmen zählt zu den traditionsreichsten Anbietern in Norwegen und betreibt unter anderem die historische Postschiffroute entlang der norwegischen Küste. Diese Route wird auch von Havila Voyages befahren: Beide Reedereien bedienen dieselben 34 Häfen zwischen Bergen und Kirkenes.
Den dritten Platz teilen sich mit jeweils sechs Punkten drei Anbieter: die französische Luxusreederei Ponant, die deutsche Reederei Aida Cruises sowie TUI Cruises mit der Marke Mein Schiff. Während Aida vor allem für klassische Hochseekreuzfahrten mit deutschsprachigem Publikum steht, positioniert sich Mein Schiff als Premiumanbieter mit Fokus auf Komfort und längeren Reisen.
Auf Rang sechs folgt HX Expeditions mit 5,5 Punkten. Die zur Hurtigruten-Gruppe gehörende Expeditionsreederei ist auf kleinere Schiffe und Reisen in besonders abgelegene Regionen wie die Arktis und die Antarktis spezialisiert.
Den siebten Platz belegt MSC Cruises mit 5,25 Punkten. Die Schweizer Reederei gehört zu den größten Kreuzfahrtunternehmen der Welt und betreibt eine der umfangreichsten Flotten der Branche.
Am unteren Ende des Rankings befinden sich mehrere internationale Branchenschwergewichte. Carnival Cruise Line erreicht 4,25 Punkte, Royal Caribbean International kommt auf 4 Punkte. Die „Icon of the Seas“ von Royal Caribbean International gilt seit 2024 als das größte Kreuzfahrtschiff der Welt und setzt neue Maßstäbe auf See.
Schlusslichter sind die US-Kreuzfahrtmarke Norwegian Cruise Line und Marella Cruises mit jeweils 3,75 Punkten. Marella Cruises ist eine britische Kreuzfahrtmarke des Reisekonzerns Tui Group. Die Reederei richtet sich vor allem an den britischen Markt und bietet überwiegend Hochseekreuzfahrten im Mittelmeer, in der Karibik, Nordeuropa und auf Fernreisen an.
Einige Unternehmen erhalten im Ranking keine Bewertung, weil sie nicht an der Befragung teilgenommen haben. Dazu gehören wie bereits in den Vorjahren Phoenix Reisen, Viking Ocean Cruises und Nicko Cruises. Der NABU wertet die fehlende Teilnahme entsprechend als mangelnde Transparenz.
Überblick: NABU-Kreuzfahrtranking 2026
- Platz 1: Havila Voyages – 7,5 Punkte (norwegische Reederei)
- Platz 2: Hurtigruten – 7,25 Punkte (norwegische Traditionsreederei)
- Platz 3: Ponant – 6 Punkte (französische Luxus- und Expeditionsreederei)
- Platz 3: Aida Cruises – 6 Punkte (deutsche Kreuzfahrtmarke)
- Platz 3: Tui Cruises – Mein Schiff – 6 Punkte (deutsche Premium-Kreuzfahrtmarke)
- Platz 6: HX Expeditions – 5,5 Punkte (Expeditionsreederei der Hurtigruten-Gruppe)
- Platz 7: MSC Cruises – 5,25 Punkte (Schweizer Großreederei)
- Platz 8: Carnival Cruise Line – 4,25 Punkte (US-Kreuzfahrtmarke)
- Platz 9: Royal Caribbean International – 4 Punkte (internationale Großreederei)
- Platz 10: Norwegian Cruise Line – 3,75 Punkte (US-Kreuzfahrtmarke)
- Platz 10: Marella Cruises – 3,75 Punkte (britische Kreuzfahrtmarke der Tui Group)
- Keine Bewertung: Phoenix Reisen, Viking Ocean Cruises und Nicko Cruises (keine Teilnahme an der NABU-Befragung)
Effizienzmaßnahmen: Kleine Fortschritte bei Technik und Antrieben
Viele Reedereien verbessern die Energieeffizienz ihrer Schiffe durch Maßnahmen wie optimiertes Energiemanagement, angepasste Routen, reduzierte Geschwindigkeit sowie technische Verbesserungen an Rumpf und Propeller. Einzelne Anbieter setzen zudem auf Luftblasenteppiche, die den Reibungswiderstand im Wasser verringern und dadurch Treibstoff sparen.
Noch selten sind alternative Technologien wie Windunterstützung, Batterien oder Brennstoffzellen. Windenergie kommt bislang nur bei wenigen Schiffen zum Einsatz, etwa bei Ponant. Auch Havila und Hurtigruten planen Schiffe mit Windunterstützung.
Batterien finden sich dem NABU zufolge vereinzelt in den Flotten von Aida Cruises, Havila, Hurtigruten, HX Expeditions, Ponant und Royal Caribbean. Sie dienen bislang jedoch vor allem als Unterstützung der Hauptmotoren, etwa beim Manövrieren oder zum Ausgleichen von Leistungsspitzen. Brennstoffzellen spielen bislang kaum eine Rolle, kommen aber beispielsweise bei MSC Cruises zum Einsatz.
Der NABU sieht vor allem bei vollständig klimaneutralen Antrieben noch großen Nachholbedarf. Zwar gibt es erste Konzepte für große vollelektrische Kreuzfahrtschiffe, bislang wurde ein solches Schiff aber noch nicht von einer Reederei in Auftrag gegeben.
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