Vorwürfe an Stadtführung

Los Angeles: Überlebende suchen in Trümmern ihrer Häuser nach Erinnerungsstücken

Kampf gegen die Flammen: Feuerwehrmänner bei ihrem Einsatz in Mandeville Canyon nahe Brentwood im Einzugsgebiet Los Angeles.

Greg Benton stochert in den Ruinen seines Hauses in Pacific Palisades herum. Er ist auf der Suche nach dem Ehering seiner Urgroßmutter. Dieser ging so wie fast alles in seinem Haus verloren, als der verheerende Brand durch das Viertel von Los Angeles fegte. 31 Jahre lang hatte er dort gelebt. „Wir haben gerade noch Weihnachten genau dort drüben gefeiert vor dem Kamin. Und das ist, was davon übrig blieb“, sagt Benton und zeigt auf die verkohlten Trümmer, die einmal sein Wohnzimmer waren. Am meisten schmerze ihn aber der Verlust so wichtiger Erinnerungsstücke wie der Ring seiner Urgroßmutter.

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Trost in der Gemeinsamkeit

Bridget Berg war gerade bei der Arbeit, als sie im Fernsehen sah, wie ihr eigenes Haus in Pasadena, in dem sie 16 Jahre lang gelebt hatte, in Flammen aufging. Als sie und ihre Familie zwei Tage später zum ersten Mal die Brandruine sehen, wird die Tragödie aber erst wirklich Realität. Die Kinder finden in Trümmern am Bürgersteig einen Tontopf und ein paar andere Dinge, die das Feuer überstanden haben. „Es ist ok, es ist ok“, murmelt Berg, als sie sich einen Überblick verschafft. Auch sie denkt daran, dass sie gerade noch vor wenigen Tagen mit ihrer Familie aus dem Garten mit Pool das Neujahrsfeuerwerk angeschaut hatte. Ein bisschen tröstet sie auch, dass sie nicht alleine dasteht. „Es ist nicht so, dass nur wir unser Haus verloren haben – alle haben ihre Häuser verloren.“

Brandursachen werden untersucht

Nachdem am Freitag der Wind nachgelassen hatte und die Feuerwehren einige Erfolge im Kampf gegen die Brände im Großraum von Los Angeles erzielen konnten, wird am Wochenende wieder mit heftigeren Windböen gerechnet, die die Feuer weiter anfachen könnten.

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Mindestens 12.000 Gebäude wurden bisher zerstört, mindestens 16 Menschen kamen ums Leben, fünf beim „Palisades-Feuer“ und sechs beim „Eaton-Feuer“ in Altadena im Nordosten von Los Angeles. Die Brandursachen werden noch untersucht. Die Feuerwehrchefin von Los Angeles, Kristin Crowley, wirft aber der Stadtführung vor, ihre Truppe nicht ausreichend finanziert und nicht für ausreichend Wasser gesorgt zu haben. „Wenn ein Feuerwehrmann zu einem Hydranten kommt, erwartet er, dass Wasser rauskommt“, sagt sie.

Verkohlte Grapefruits

Anna Yeager hat von Nachbarn erfahren, dass ihr Haus in Altadena nicht mehr steht. Mit ihrem Mann, ihrer sechsjährigen Tochter, dem dreijährigen Sohn und zwei Hunden entkam sie gerade noch den Flammen. Die Zeichnungen der Kinder, Fotos, Familienschmuck: All das habe sie zurückgelassen. Am Boden neben einem Obstbaum im Garten liegen verkohlte Grapefruits, ein paar hängen sogar noch an den Ästen.

Yeagers Viertel Tudor wollte eigentlich im Mai sein 100-jähriges Bestehen mit einem Stadtteilfest feiern. Jetzt stehen von vielen Häusern nur noch die gemauerten Kamine. „Du baust dir eine Welt für dich und deine Familie auf, in der du dich sicher fühlst, und dann passieren Dinge wie diese, die du nicht kontrollieren kannst“, sagt Yeager.

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Was noch steht, sind Teile der Veranda, auf der sie seit 2020 jeden Tag ihre Kinder fotografiert hatte – ein Projekt, das sie eigentlich noch bis zur High School weiterführen wollte. Das gebe ihr Hoffnung, sagt Yeager. „Die Veranda ist immer noch da, und für mich ist das ein Zeichen, alles wieder aufzubauen und nicht wegzugehen.“

RND/AP