Rathaus-Tresor geknackt:

Nur ein Haufen Schrott und Beton: Kein Goldschatz für Döbeln

Roland Bauer und sein Kollege Robert Schlafke von der Schlosserei Bauer in Döbeln haben den Rathaustresor aufwendig von der Rückseite geöffnet. Für die Türen und einige Teile hat eine Sicherheitsfirma für Schulungszwecke Interesse angemeldet.

Döbeln. „Egon Olsen und seine Bande hätten an dem Tresor wenig Freude gehabt.“ Davon ist Roland Bauer (33) überzeugt. Der Juniorchef der Döbelner Bauschlosserei Bauer und sein Kollege Robert Schlafke (33) haben zweieinhalb Tage mit dem fast vier Tonnen schweren zwei Meter hohen, 1,20 Meter breiten und 88 Zentimeter tiefen Tresor aus dem Döbelner Rathaus zugebracht. Im Beisein von Döbelns Bauamtsleiter Erik Brendler wurde er am Montag in einer letzten Etappe geöffnet. Im Inneren – nichts. Kein Geld. Kein Gold. Keine alten Unterlagen, wie man im Rathaus zumindest erwartet hatte. „Nein enttäuscht bin ich nicht, dass er leer ist. Ich hätte es ja eh nicht behalten können, wenn etwas drin gewesen wäre“, sagt der Juniorchef entspannt.

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Der Tresor der Leipziger Firma Carl Förster war wahrscheinlich in den Anfangsjahren des 1912 erbauten Döbelner Rathauses im Erdgeschoss eingebaut worden. Zur Währungsunion 1990 waren in ihm möglicherweise die ersten DM-Mark für die Döbelner eingelagert, denn im Rathaus hatte bis Anfang der 1990-er Jahre die Sparkasse Döbeln ihren Sitz. Seit dem Auszug der Sparkasse aus dem Rathaus war der eingemauerte Tresor ungenutzt. Auch Schlüssel gab es keine mehr. Im Zuge der laufenden Umbauarbeiten im Rathaus sollte das unnütze Teil nun weg.

Mit Trennschleifer und Abbruchhammer rückte Roland Bauer dem Tresor zuleibe. Zweieinhalb Tag hielt er auch schwerem gerät Stand.

„Was jemals in diesem Tresor lag, war bombensicher“, ist Schlosser Roland Bauer überzeugt. Zunächst hatten am Mittwoch vor zwei Wochen Mitarbeiter der Baufirma DAM den eingemauerten Tresor mit aufwendigen Stemmarbeiten freigelegt. „Den ganzen Tag darauf haben wir gebraucht, um das Monstrum umzulegen. Freitag hatten wir ihn schließlich ins Treppenhaus des Rathauses gewuchtet. Am Montag vor einer Woche half uns die Containerfirma Dähne aus Hartha, ihn aus dem Rathaus zu holen“, schildert Roland Bauer weiter. Seit vergangenen Donnerstag rückten er und sein Kollege Robert Schlafke mit riesigen Trennschleifern und Abbruchhammer dem Tresor zu Leibe. Auf eine erste zwölf Millimeter dicke Stahlschicht außen folgten acht Zentimeter bewährter Stahlbeton. „Dieser war mit einigen neun Millimeter Patronenhülsen samt Treibladung versetzt. Es knallte einige Male als wir den massiven Beton zerlegten“, schildert Roland Bauer. Als dritte Schicht folgten wieder zehn Millimeter Stahl und dann eine weitere Stahlschicht. Zwischen den beiden letzten Stahlschichten war als fünfte Schicht Schamottepulver eingepresst. Damit war der Tresor wahrscheinlich feuersicher.

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„Für die Olsenbande wäre das nichts gewesen“, ist sich der Schlosser sicher. „Erstens war er eingemauert, so dass Egon und Kollegen gar nicht von hinten rangekommen wären, so wie wir jetzt. Von vorn war die Tür mit je vier Bolzen oben und unten sowie je zehn Bolzen an jeder Seite gesichert. Zweitens hätte die Olsenbande zum Tresorknacken keine zweieinhalb Tage Zeit gehabt. Drittens hat unser Tresoröffnen einen Heidenlärm verursacht und viertens hätte das Schamottenpulver in einem geschlossenen Raum enorm gestiebt. Die hätten kaum atmen können“, so Roland Bauer.

Der Tresor wird jetzt zerlegt und getrennt nach Beton, Stahl und Schammottepulver entsorgt. „Im ganzen hätte kein Schrotthändler das schwere Teil angenommen“, sagt Roland Bauer. Tresorknacker will er jedenfalls nicht unbedingt werden. Tore, Geländer und Balkone sind dann eher das Metier der Bauschlosserei Bauer.

Von Thomas Sparrer

DNN