Geflügelverein Hartha verliert Vereinsräume
Hartha. Nie wieder Rasssegeflügelschau in Hartha. Dort wo einst die Ausstellungshalle und die "Gockelklause" standen, wird bereits am Ende diesen Jahres Brache regieren. Der Rassegeflügelzuchtverein Hartha bleibt, verliert aber sein geliebtes Ankerzentrum. Voraussichtlich im November oder Dezember dieses Jahres soll das Grundstück schon dem Erdboden gleich sein. Der ehemalige Hühnerstall Marke Eigenbau stellte über Jahrzehnte hinweg Rassegeflügel unterschiedlichster Art aus. Die Gäste kamen zahlreich, im Verein hängengeblieben, ist aber seit Jahren niemand mehr. Von einer neuen Generation Rassegeflügelzüchter vermag gegenwärtig niemand auch nur zu träumen. Durch einen Todesfall im Verein landeten in diesem Jahr Gespräche rundum den Grund und Boden des Vereins auf dem Tisch. Das Resultat: Das Ende einer Ära.
Lutz Witt, Vereinsmitglied und Züchter, ist trotzdem erleichtert. Erleichtert darüber, dass die letzten Wochen und Monate ein Ergebnis hervorgebracht haben. Auch wenn es den Verein im Mark trifft. Der Ausstellungsraum und das Vereinsheim „Gockelklause“ stehen auf gepachtetem Grund. Der Pächter – ein langjähriges Mitglied des Vereins. Nach seinem Tod standen seine Erben in der Verantwortung zu entscheiden, wie es mit dem Grundstück an der Flemmingener Straße weitergeht. Und sie stellten mit Recht eine wichtige Frage; die über die Zukunft. Der Verein ist stark überaltert. 17 der 20 Mitglieder sind weit über die hohen Nullerjahre hinaus. Lutz Witt gehört mit seinen 46 Jahren schon zur Fraktion „Jugend“. Seit über drei Jahren kam kein einziges neues Gesicht mehr dazu.
„Es war eine Vernunftsentscheidung“
Das 200 Quadratmeter Grundstück müsste aber auch in Zukunft unterhalten werden. Jemanden haben, der sich kümmert. Doch der Verein kann das nicht leisten. Zu verunsichert sind seine Mitglieder, zu viele Problembaustellen haben sich angesammelt. „Es war eine Vernunftsentscheidung“, erklärt der 46-Jährige. Der Abriss kommt. Und er wird rund 30 000 Euro kosten. Wer das zahlen soll, war lange Knackpunkt im Austausch beider Parteien. Niemand wollte den vollen Betrag stemmen, jeder sah sich irgendwie im Recht. Jetzt hat man sich darauf verständigt, jeweils die Hälfte zu übernehmen. Die Rassezüchter schöpfen dafür aus ihrem Vereinsvermögen.
Für den Verein ist der Abriss emotional schwer zu verdauen. Es gab viele Gespräche, bis man sich, nicht ohne Protest, einigte: Das Gelände ist mit Blick in die Zukunft eine zusätzliche Last. „Die Jüngeren sind diejenigen, die übrig bleiben; alles Schultern müssen“, sagt Witt. In den letzten Jahren haben sie es nicht einmal geschafft, alles in Stand zu halten. „Wir wollten streichen, uns ums Abwasser kümmern. Auch das Dach war eigentlich überfällig“, erzählt der 46-Jährige. Nur ist der Verein kaum mehr handlungsfähig. Ein Problem, das auch andere Traditionszuchtvereine in der Umgebung kennen. Auch deshalb habe Witt schon lange darum gekämpft, dass sich die Harthaer Züchter mit anderen Vereinen der Umgebung zusammenschließen, zum Beispiel aus Ostrau oder Döbeln. „Wir sollten zusammenhalten. Sonst sterben wir ganz aus. Eine lange Tradition wird so einfach zu Grabe getragen.“ Die Mühe war bisher vergeblich. Zu starr sind die Strukturen – die Lust auf Veränderung geht gegen Null.
Online Netzwerken schlägt den regionalen Austausch
„Wir ‚jungen‘ Leute müssen zukünftig andere Wege gehen, uns über soziale Medien verbinden“, sagt Witt. Deutlich einsamer sehe die Zukunft in jedem Fall aus. Mit dem Züchter um die Ecke auf ein Wort werde die Ausnahme der Regel werden. Er selbst habe viele Verbindungen nach Belgien oder Dänemark, aber das sei eben nicht dasselbe. „Klein-Klein gehört der Vergangenheit an“.
Am Samstag werden alle Räume leergefegt. Eine Abschiedsfeier wird es nicht geben. Die Ausstellungskäfige und anderer Bedarf landen größtenteils in der Tonne. Das Angebot ist zu groß, die Abnehmer rar.
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Zur vollständigen AnsichtVon Lisa Schliep
DNN