Zungenbläschen und Geschmacksverlust

Was man über Corona-Symptome im Mund weiß

Coronaaaah: Bilden sich auf der Zunge farbliche Flächen in Form einer Landkarte, könnte dies auf eine Infektion hinweisen.

Wie sich eine Corona-Erkrankung anfühlen kann, weiß mittlerweile fast jeder aus eigener Erfahrung. Nach offiziellen Zahlen war rund jeder zweite Deutsche seit Beginn der Pandemie 2020 mindestens einmal erkrankt. Wahrscheinlich hat das Virus aber noch viel häufiger Menschen krank gemacht. Die Dunkelziffer ist, bei geringer Testrate, so hoch wie nie.

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So zahlreich wir uns anstecken, so variantenreich ist auch die Vielfalt der Symptome. Eine Corona-Infektion kann, je nach Verlauf und Schwere der Erkrankung, sehr unterschiedlich verlaufen. Ganz klassisch berichten viele Menschen etwa von Husten, Halsschmerzen und Schnupfen. Auch Kopf- und Gliederschmerzen treten auf, Fieber ebenso.

Wie ist die aktuelle Corona-Lage?

Das Coronavirus grassiert wieder vermehrt. Fachleute haben nun eine neue Virusvariante entdeckt: JN.1. Wird sie das Infektionsgeschehen verändern? Acht Fragen und Antworten, die zur Corona-Lage weiterhin aktuell bleiben.

Es gibt aber auch weniger bekannte, aber berichtete Symptome, die auf eine Infektion hindeuten könnten: Veränderungen an der Zunge oder der Mundschleimhaut etwa. Oder der Verlust von Geschmack. Viele aussagekräftige und nach Varianten differenzierende Studien dazu gibt es nicht, aber einzelne Untersuchungen und Befragungen von Betroffenen. Eine Übersicht dazu, welche Corona-Symptome im Mund Forschenden bei Erhebungen bislang begegnet sind:

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Xerostomia: Trockenheit in der Mundhöhle

Dass an Corona Erkrankte eine Mundtrockenheit (Xerostomia) aufweisen können, stellte bereits 2020 ein Forscherteam um Lili Chen von der Universität für Wissenschaft und Technik Zentralchina in Wuhan fest. In einer kleineren Studie mit 108 Covid-Patienten litt rund die Hälfte der Untersuchten daran.

Für sich genommen ist dieses Symptom unangenehm, aber nicht schädlich. Das Risiko für längerfristige Leiden kann sich dadurch aber erhöhen. Denn ein intakter Speichelfluss sorgt für eine Art Mundspülung, reinigt Zähne und Mundraum. Findet er gar nicht oder kaum noch statt, können Krankheitserreger eher Entzündungen begünstigen. Eine 2023 im Wissenschaftsmagazin „Frontiers“ veröffentlichte Metastudie erwähnt beispielsweise Zahnerkrankungen, Speicheldrüseninfektionen (Sialadenitis), Entzündungen der Ohrspeicheldrüsen (Parotitis) oder Lymphknoten (Lymphadenitis) als mögliche Nebenerkrankungen, die sich durch Zahn-, Kopf- oder Ohrenschmerzen bemerkbar machen.

Dysgeusia: Wenn das Lieblingsessen plötzlich komisch schmeckt

Bereits zu Beginn der Pandemie beklagten viele Patienten, vor allem Patientinnen, eine Veränderung des Geschmackssinnes (Dysgeusia). Eine Forschungsgruppe um Ameen Biadsee von der Universität Tel Aviv berichtet etwa auf Basis von Befragungen von 140 Corona-Erkrankten, dass dies nahezu gleichermaßen die Wahrnehmung von Salzigem, Süßem, Saurem und Scharfem betreffen kann.

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Oft würden diese Symptome innerhalb von fünf Tagen nach Erhalt einer Diagnose auftreten, und – je nach Schwere der Erkrankung – zwischen zwei und vier Wochen andauern. Ein häufiger Begleiter, so berichteten es dem Team die Betroffenen, sei der Verlust des Geruchssinns (Anosmie), der sich wiederum auf den Geschmack auswirkt. Die grobe Geschmacksrichtung konnte noch wahrgenommen werden, feinere Nuancen hingegen nicht.

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Läsionen: Gestörte Mundschleimhaut

In einer systematischen Analyse bisheriger Studien machten Juliana Amorim dos Santons von der Universität Brasília und ihr Team darauf aufmerksam, dass während einer Corona-Infektion krankhafte Veränderungen der Mundschleimhaut beobachtet wurden. Die Rede ist auch von sogenannten Läsionen. Meist traten die Symptome bei Betroffenen innerhalb von zehn Tagen nach einer Infektion auf.

Diabetiker und ältere Menschen sind der Untersuchung zufolge häufiger betroffen als andere Personengruppen. Die Anzeichen, die im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion beobachtet wurden, reichen von eitrigen Geschwüren über Zahnfleischbluten und Herpesbläschen bis zu ungefährlichen Verfärbungen und Belegungen der Zunge.

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Was ist die „Corona-Zunge“?

Bilden sich auf der Zunge merkwürdige Flecken, gelblich weiße, rötliche oder graue Formen, dann spricht man von einer Landkartenzunge. Auch das Coronavirus steht unter Verdacht, solch ein gutartiges Muster hervorrufen zu können. Allerdings sind noch viele Fragen ungeklärt. Auch wie genau es zu dieser Farb- und Belagveränderung kommt, sei unklar, schreiben Shikha Sharma und Amit Bhardwaj von der SGT Universität im indischen Gurugram.

Es könnte an der Bindung des Virus an einen bestimmten Rezeptor liegen, was Veränderungen auf Zell-Ebene bewirken würde, so schreiben sie 2022 im zahnmedizinischen Fachblatt „Journal of Indian Society of Periodontology“. Doch auch die Infektion mit anderen Viren, Bakterien und Pilzen in der Mundhöhle könnte ursächlich sein, bewirkt durch Stress, Medikamente oder ein geschwächtes Immunsystem.

Hilft gute Mundhygiene gegen Corona?

Angesichts einer möglichen bidirektionalen Beziehung muss betont werden, wie wichtig es ist, die parodontale Gesundheit zu erhalten oder zu erreichen, um Covid-19-Komplikationen vorzubeugen oder einzudämmen.

Giuseppe Mainas (u. a.)

Zahnmediziner am King’s College London

Eine Erkrankung mit dem Coronavirus kann also Auswirkungen auf den Mundraum haben. Doch hat die Beschaffenheit des Mundraumes andersherum auch Auswirkungen auf das Virus? Zahlreiche Studien haben sich mit den Auswirkungen einer guten Mundhygiene auf das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus beschäftigt. Besonders große Aufmerksamkeit gilt dabei der Vermeidung von Parodontitis, also der Erkrankung des Zahnfleisches sowie jenes Teils des Kieferknochens, der den Zahn stabil hält.

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Warum Zähneputzen nicht nur gut für die Mundhygiene ist

Schlechte Zähne sind nicht nur ein Schönheitsmakel. Sie steigern auch das Risiko für verschiedene Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Leiden und Diabetes. Umgekehrt kann eine gute Mundhygiene helfen, die Gesundheit zu verbessern, und sogar Herzinfarkten vorbeugen.

Im Dezember 2022 veröffentlichte das Forschungsmagazin „Metabolites“ eine Metastudie, die die bisherigen Untersuchungen zusammenträgt. Die Schlussfolgerung des fast 30-köpfigen Autorenteams um den Londoner Zahnmediziner Giuseppe Mainas: „Angesichts einer möglichen bidirektionalen Beziehung muss betont werden, wie wichtig es ist, die parodontale Gesundheit zu erhalten oder zu erreichen, um Covid-19-Komplikationen vorzubeugen oder einzudämmen.“

Endgültige Erkenntnisse habe man trotz konsistenter Zusammenhänge nicht erlangen können. Dennoch müsse berücksichtigt werden, wie wichtig eine ordnungsgemäße Mundhygiene sei, um mögliche Virusquellen aus dem Mund zu reduzieren. Denn schließlich sei Parodontitis ein Einfallstor für die verschiedensten Krankheiten, halten die Forscher fest: von Herz-Kreislauf-Erkrankungen über Krebs bis hin zu Lungenentzündungen und Störungen der Hirndurchblutung.