Wissenschaftler: Europa könnte zukünftig häufiger von Hurrikans betroffen sein

Das Foto, das auf einem Blog der Nasa zur Verfügung gestellt wurde, zeigt das Auge des Sturms von Hurrikan "Lorenzo" über dem östlichen Nordatlantik.

Das Foto, das auf einem Blog der Nasa zur Verfügung gestellt wurde, zeigt das Auge des Sturms von Hurrikan "Lorenzo" über dem östlichen Nordatlantik.

Hannover. Hurrikan „Lorenzo“ ist ein beunruhigender Rekordhalter: „Noch nie wurde ein Hurrikan dieser Stärke so weit östlich im Atlantik aufgezeichnet“, sagte Wetterexperte Jürgen Schmidt von Wetterkontor dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Der Wirbelsturm wurde am Sonntag der höchsten – fünften – Kategorie zugeordnet. Am Mittwoch dann tobte er als Hurrikan der Kategorie zwei über den Azoren im Atlantik.

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Eigentlich sind Hurrikans in dieser Region des Atlantiks sehr selten. Der stärkste Hurrikan, der die Azoren direkt traf, war „Hurrikan 8“ im Jahr 1926, ein Sturm der Kategorie zwei, so der Deutsche Wetterdienst (DWD). Wie konnte „Lorenzo“ sich zu so einem „Hurrikan für die Geschichtsbücher“ entwickeln?

Lesen Sie hier: Rekordhurrikan „Lorenzo“ bewegt sich auf Europa zu

Globale Erderwärmung begünstigt Hurrikans

Damit Hurrikans enstehen, braucht es einige Voraussetzungen, wie zum Beispiel Scherwinde. Vor allem aber müsse die Meerestemperatur hoch genug sein, erklärt Klimawissenschaftler Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Denn auch, wenn ihre genauen Entstehungsorte nur schwer vorherzusagen sind, weiß man, woher Hurrikans und Taifune ihre Energie nehmen: aus der Meeresoberfläche. „Je wärmer die Meeresoberfläche ist, desto mehr Energie können die Stürme aufnehmen und desto stärker werden sie“, erklärt Levermann. „In diesem Jahr ist die Temperatur im Ostatlantik ausreichend, um nicht nur einen Hurrikan, sondern sogar einen der stärksten Kategorie zu nähren“, sagt Levermann.

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Dabei spielt die Erderwärmung eine große Rolle: „Mit dem Verbrennen von Öl, Gas und Kohle erwärmen wir unseren Planeten und stellen damit immer mehr Energie für diese Stürme zur Verfügung.“ Die Stürme könnten nun auch an Orten entstehen, an denen es früher zu kalt war.

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Folgen der Atlantik-Stürme

Mittlerweile wurde „Lorenzo“ auf einen Hurrikan der Kategorie zwei herabgestuft. Allerdings gewinne er immer mehr an Größe, schreibt der DWD. Derweil setzt er seinen Weg über den Atlantik weiter fort und nähert sich Westeuropa. Ein Hurrikan droht Europa aber nicht. In Deutschland wird „Lorenzo“ wohl für Dauerregen und Sturm sorgen.

Ex-Hurrikan-Saison in Europa möglich

Allerdings haben Wissenschaftler für Wetterphänomene wie „Lorenzo“ inzwischen einen neuen Begriff: Ex-Hurrikan. Ex, weil sich diese Art der Naturgewalten vom tropischen Hurrikan zum Sturm entwickeln und erst dann Richtung Europa wandern und dort dennoch mit ungewöhnlicher Stärke auftreten. Diese Wanderung nach Europa macht ebenfalls der warme Atlantik möglich, sagt Experte Levermann. Denn eigentlich verlieren die meisten Stürme über dem sonst eher kalten Atlantik ihre Kraft.

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Aus dem Grund hält es der Experte für möglich, dass Europa zukünftig ganze Ex-Hurrikan-Saisons bevorstehen könnten: „Weil der Atlantik wärmer wird, halten die Stürme auf dem Weg nach Europa länger durch. Darum ist es nicht mehr ausgeschlossen, dass wir in Europa in Zukunft auch eine Art ‚Ex-Hurrikan-Saison’ bekommen werden.“ Je stärker die Menschen den Planeten erwärmten, desto wahrscheinlicher werde eine europäische Saison.

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RND/Alice Mecke

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