Folgen für Mensch, Tier und Umwelt

Wasserstände sinken: Trocknen in Deutschland die Flüsse aus?

Wolken ziehen am Rhein in Köln über den bei niedrigem Pegelstand freigelegten Uferbereich.

Die heißen Sommertage hinterlassen Spuren in Europa. Italiens längster Fluss, der Po, ist im Juni an manchen Stellen auf ein enge Rinne zusammengeschrumpft. Solche Klimawandelfolgen seien auch in Deutschland möglich, warnt der Klimaforscher Mojib Latif vom Institut für Ozeanforschung in Kiel. Anfang Juli sagte er gegenüber dem „Kölner Stadt Anzeiger“: Es könne ziemlich schnell passieren, „dass wir zu Fuß durch den Rhein gehen können“.

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Jörg Belz von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) sieht diesbezüglich jedoch derzeit noch keinen Grund zur Sorge. Zwar sinken die bereits niedrigen Wasserstände in Deutschland aktuell weiter. Aber: „Es gibt derzeit kein gebietsübergreifendes beziehungsweise großräumiges Austrocknen von Flüssen in Deutschland“, sagt er.

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Einzelne, kleine Flüsse trockneten zwar durchaus auf bestimmten Teilstrecken aus, darunter die Dreisam im Breisgau oder die Schwarze Elster in der Niederlausitz. „Aber das hat stets nicht allein mit Niederschlagsmangel zu tun, sondern auch zusätzliche individuelle Gründe“, sagt Belz. So führten im Falle der Schwarzen Elster auch eine Flussverlegung sowie der Abbau von Braunkohle vor Ort dazu.

Flüsse führen immer häufiger wenig Wasser

Trotzdem: Immer häufiger fließt weniger Wasser durch die großen Flüsse. Das BfG stellt für die vergangenen 50 bis 60 Jahren einen Trend zu „ausgeprägteren Niedrigwassersituationen“ fest – insbesondere seit 2015. Davon sind östlich gelegene Flussgebiete stärker betroffen als solche im Westen.

Diese niedrigen Wasserstände sorgen schon heute Schwierigkeiten in der Schifffahrt. Laut Belz müssen die Transportmengen auf den Schiffen bereits reduziert werden, damit die Schiffe unten nicht zu tief ins Wasser reichen. Teilweise müsse auch auf kleinere Schiffe umgelagert werden. Diese Einschränkungen können dann wiederum Auswirkungen auf die Industrie haben.

Je weniger Wasser im Fluss ist, desto wärmer ist es

Doch die sinkenden Wasserstände in den Flüssen haben noch weitere zahlreiche Konsequenzen. So sind sie zum Beispiel dafür verantwortlich, dass Grundwasserstände teilweise sinken – mit Folgen für Land- und Forstwirtschaft und Trinkwasserversorgung. Ist weniger Wasser in den Flüssen, sind die Schadstoffgehalte konzentrierter. Bei Niedrigwasser steigen außerdem die Temperaturen des Wasser. Darunter leiden Pflanzen und Tiere wie Fische, weil beispielsweise der Sauerstoffgehalt im Wasser sinkt. Sterben die Fische, betrifft das wiederum die Fischerei. Aber das warme Wasser hat auch noch andere negative Folgen: „Ökonomisch kann das zum Beispiel für die Energiewirtschaft bedeuten, dass Kühlwasser nicht in der erforderlichen Menge oder Effektivität zur Verfügung steht“, sagt Belz.

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Bis Ende August erst mal keine Erholung in Sicht

Die Niedrigwassersaison, die von Sommer bis Herbst gehe, sei mal mehr mal weniger stark ausgeprägt, sagt Belz. Doch nahezu immer werde sie spätestens dann beendet, wenn die Niederschläge im Winter einsetzen. Ob es sich dieses Jahr also um eine normale oder ungewöhnliche Saison handele, hänge von der Menge der Niederschläge in den nächsten Monaten ab. „Bis Ende August gehen wir nicht davon aus, dass sich die niedrigen Wasserstände der Bundeswasserstraßen nachhaltig erholen werden“, sagt Belz.

Und zukünftig? Die Modellrechnungen des BfG zeigen: Sollten Klimaschutzmaßnahmen künftig wenig Wirkung zeigen und die Treibhausgaskonzentration weiter steigen, müsse gegen Ende des 21. Jahrhunderts mit „intensiveren, häufigeren und längeren Niedrigwassersituationen gerechnet werden“. Das lasse sich zwar nicht für alle Flüsse Mitteleuropas verallgemeinern, „aber für viele, auch für den Rhein“.

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