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Die wichtigsten Fragen und Antworten

Was ist eine Dürre und wie entsteht sie?

Ausgetrocknetes Feld in Österreich. Dürreperioden werden in Zukunft auch in Europa häufiger auftreten.

In Norditalien muss bereits das Trinkwasser rationiert werden, die Region leidet unter extremer Trockenheit. Ein Experte des Deutschen Wetterdienstes erklärt, warum in Zukunft öfter mit Dürren zu rechnen ist und wie sich große Trockenheit vorhersagen und berechnen lässt.

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Wie kommt es zu einer Dürre?

Von einer Dürre spricht man, wenn in einer Region ein Wassermangel vorliegt und es dort trockener ist als normalerweise. Entstehen kann eine Dürre, wenn weniger Niederschlag fällt als sonst oder durch höhere Temperaturen oder Wind mehr Wasser als üblich verdunstet. Entscheidend ist dabei eine Veränderung der Feuchtigkeit. So würde man in Wüstenregionen nicht automatisch von einer Dürre sprechen, wenn diese gleichbleibend trocken sind, sondern erst dann, wenn dort größere Trockenheit vorherrscht als üblich. Entsprechend ihrer Dauer und Auswirkungen werden verschiedene Arten von Dürre unterschieden.

Was ist der Unterschied zwischen Trockenheit und Dürre?

Es gibt keine allgemeingültige Definition, die eine Trockenperiode klar von einer Dürre unterscheidet. Andreas Brömser, Agrarmeteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD), würde den Begriff Dürre aber nur bei deutlich erkennbaren negativen Folgen von Trockenheit verwenden: „Dürre impliziert, dass es gravierende Auswirkungen einer Trockenheit gibt“, sagt Brömser.

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Welche Arten von Dürre gibt es?

Je länger eine Dürre anhält, desto stärkere Auswirkungen sind zu befürchten. Fachleute unterscheiden hierbei vier verschiedene Formen der Dürre. Bei der angegebenen Dauer handelt es sich nur um Richtwerte.

  • Meteorologische Dürre: Einen vorübergehenden Feuchtigkeitsmangel, zu dem es durch weniger Niederschlag und hohe Temperaturen kommen kann, bezeichnet man als meteorologische Dürre. Zu einer meteorologischen Dürre kann es kommen, wenn es etwa ein bis zwei Monate trockener ist als üblich.
  • Landwirtschaftliche Dürre: Hält außergewöhnliche Trockenheit länger als zwei Monate an, wird auch die Bodenfeuchte beeinträchtigt. Das kann sich auf Nutzpflanzen auswirken, die in ihrem Wachstum gestört werden können, und es kann die Versorgung landwirtschaftlicher Nutztiere gefährden. Es drohen Ernteeinbußen. Man nennt dies eine landwirtschaftliche Dürre.
  • Hydrologische Dürre: Bei mehr als vier Monaten außergewöhnlicher Trockenheit kann es zu einem Mangel an Grundwasser kommen, Flüsse und Seen können austrocknen, man spricht nun von einer hydrologischen Dürre.
  • Sozioökonomische Dürre: Bei einem länger anhaltenden Dürrezustand ab etwa einem Jahr kann es zu massiven Problemen für die Bevölkerung kommen. Die Versorgung mit Energie, Trinkwasser und Nahrung kann beeinträchtigt sein, was oft zu steigenden Lebensmittelpreisen führt. Es handelt sich dann um eine sozioökonomische Dürre.

Welche Regionen sind in Deutschland von Dürre betroffen?

Deutschland ist anders als viele Staaten in Afrika und Asien kein klassisches Dürregebiet, und die Auswirkungen von Trockenheit und Dürre sind nicht mit den teilweise verheerenden Folgen in diesen Ländern zu vergleichen. Es können aber auch hier Dürreperioden auftreten. „Eine echte Dürreperiode hat es in Deutschland zuletzt 2018 gegeben“, sagt Andreas Brömser, Agrarmeteorologe beim DWD. Seitdem habe es in mehreren Gebieten relative Trockenheit gegeben, die aber weniger gravierende Folgen hatte. Gefährdet von Trockenheit seien vor allem Gebiete im Osten Deutschlands wie Brandenburg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, ausgenommen die Mittelgebirge. „Auch entlang des Rheins im Rhein-Main-Gebiet bis in die Vorderpfalz oder in Unterfranken kann es zu Trockenheit kommen“, so Brömser. Der Grund sei, dass es in diesen Regionen nicht immer ausreichend Niederschläge gebe.

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Wird es in Deutschland in Zukunft häufiger Dürren geben?

In den kommenden Jahren werden Trockenheit und Dürre auch in Deutschland wahrscheinlich öfter auftreten. Der Grund sind die steigenden Temperaturen, sagt Andreas Brömser vom DWD: „Die Niederschlagsmengen pro Jahr haben sich in den letzten Jahren kaum verändert. Dafür wird es wärmer und die Verdunstung steigt. Um die höheren Temperaturen auszugleichen, müsste es im Grunde mehr regnen, was aber nicht zu erwarten ist.“

Wie wird Dürre bestimmt?

Rechenmodelle, um Dürre zu messen, sind der Standardized Precipitation Index (SPI) und der Standardized Precipitation Evapotranspiration Index (SPEI). Bei der Berechnung des SPI werden die mittleren Niederschlagsmengen in einer Region über einen längeren Zeitraum hinweg berücksichtigt, beim SPEI zusätzlich Temperaturen und Verdunstung. Der SPI und der SPEI geben an, wie stark Niederschläge und Feuchtigkeit von den durchschnittlichen Mengen in einer Region abweichen. Ab einem SPI-Wert von −2 spricht man laut diesem Index von einer extremen Dürre.

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Der SPI-Wert könne zwar auf einen Blick zeigen, ob eine vorherrschende Trockenheit normal sei, sagt Andreas Brömser vom Deutschen Wetterdienst. Wenn es darum geht, die Auswirkungen von Trockenheit und Dürre zu beschreiben und vorherzusagen, sei jedoch der Wert der nutzbaren Feldkapazität (nFK) nützlicher als der SPI.

Was ist die nutzbare Feldkapazität?

Die nutzbare Feldkapazität (nFK) gibt an, wie viel für Pflanzen nutzbare Bodenfeuchte in der Erde enthalten ist. Sie wird in Prozent angegeben. „Sinkt die nFK in den oberen 60 Zentimetern auf 40 bis 50 Prozent, geraten Pflanzen bereits in leichten Trockenstress. Ab 20 bis 30 Prozent nFK drohen stärkere Auswirkungen auf die Pflanzen, bei null Prozent ist der Welkpunkt erreicht“, sagt Andreas Brömser. Ein nFK-Wert von null bedeute dabei nicht, dass gar kein Wasser mehr in der Erde enthalten ist – sondern nur, dass die Feuchtigkeit so gering ist, dass die Pflanzen es nicht mehr schaffen, diese aus der Erde herauszuziehen. Die aktuellen nFK-Werte für sämtliche Regionen Deutschlands sind über ein interaktives Tool des Deutschen Wetterdienstes abrufbar, den Bodenfeuchteviewer. Die nFK-Werte werden dabei nach einem Modell berechnet, in das Informationen wie Niederschlagsmengen, Temperatur, Bodenbeschaffenheit und Windstärke mit einfließen. Zusätzlich wird die Bodenfeuchtigkeit in ausgewählten Regionen Deutschlands durch regelmäßige Messungen überprüft.

Was kann man gegen Dürren machen?

Wenn es gelingen würde, die Klimaerwärmung zu stoppen, würde auch die Gefahr für Dürren wieder sinken. Es gibt zudem einige Möglichkeiten, um die Auswirkungen von Trockenheit und Dürren für die Landwirtschaft abzumildern, erklärt Agrarmeteorologe Andreas Brömser: „Da wäre zum einen die Züchtung und der Anbau von trocken- und wärmeresistenteren Nutzpflanzen.“ Es helfe außerdem, mehr Feuchtigkeit im Boden zu halten, wenn nach der Ernte nur die Oberfläche des Bodens bearbeitet werde. Eine weitere Möglichkeit sei, landwirtschaftliche Nutzfläche mit Pflanzen bedeckt zu halten: „Dadurch würde weniger Feuchtigkeit verdunsten und es verhindert außerdem Erosionen, wenn es zu Starkregenfällen kommt.“

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