Von Gleichberechtigung in der Partnerschaft (fast) keine Spur: Und, wer schmeißt bei Ihnen den Haushalt?

Füße hoch: Frauen übernehmen laut einer aktuellen Umfrage noch immer den Löwenanteil der Arbeit im Haushalt.

Füße hoch: Frauen übernehmen laut einer aktuellen Umfrage noch immer den Löwenanteil der Arbeit im Haushalt.

Hannover. Achtung, Klischeealarm: Der Mann bringt das Geld nach Hause, und die Frau kümmert sich um den Haushalt. Jahrzehntelang galt diese Aufteilung in Partnerschaften als gesetzt. Doch was ist heute, im Jahr 2021, davon übrig geblieben? Eine neue Umfrage zeigt: Auch im 21. Jahrhundert übernehmen Frauen noch den größten Teil der Arbeit in der Küche, beim Putzen, Wäschewaschen und Co., während die Männer sich überwiegend um die Finanzen und Handwerkliches kümmern.

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Die Onlinepartnervermittlung Elitepartner wollte wissen, wie gleichberechtigt Paare sich die Alltagsarbeit teilen. Für die aktuelle Erhebung wurden im Oktober und November 2020 insgesamt 7259 Erwachsene zu den Themen Haushaltsführung, Finanzen, Handwerkliches ebenso wie Freizeitplanung und Kinderbetreuung befragt.

Die Krux mit der Wahrnehmung

Die Ergebnisse zeigen, dass etwa 56 Prozent der Frauen allein oder überwiegend für die Essensplanung, das Einkaufen und Kochen zuständig sind. 65 Prozent der Frauen übernehmen zudem das Aufräumen, Putzen und die Wäsche. Im Bereich Versorgung würden nur 38 Prozent der Frauen die Arbeitsaufteilung als gerecht bezeichnen und in Sachen Ordnung nur 31 Prozent.

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Und wie ist die Wahrnehmung der Männer? 51 Prozent (Versorgung) und 40 Prozent (Ordnung) geben an, dass sie genauso viel leisten wie ihre Partnerin. 24 Prozent gaben sogar an, allein den Haushalt zu wuppen. Dem würden allerdings nur 7 Prozent der Frauen zustimmen.

Finanzen und Handwerkliches bleiben Männersache

Im Haushalt hören die Unstimmigkeiten damit aber nicht auf, sie berühren auch die Frage, wer sich in der Partnerschaft mehr um die Finanzen kümmert. 43 Prozent der Frauen empfinden ihren Anteil in diesem Bereich als gleich groß wie den der Männer – doch nur 34 Prozent der Männer denken genauso. 57 Prozent der Männer geben sogar an, sich allein um Überweisungen, Steuererklärungen und Versicherungen zu kümmern.

Bei handwerklichen Aufgaben wird schon eher das Zepter abgegeben. 70 Prozent der Männer geben an, dass sie für Reparaturen zuständig sind, dem stimmen 55 Prozent der Frauen zu. Und obwohl jede dritte Frau ihren Anteil als gleichwertig empfindet, sehen das nur 25 Prozent der Männer auch so.

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Kinderbetreuung: Jede zweite Frau zufrieden

Einigkeit herrscht hingegen bei der Kinderbetreuung und der Freizeitplanung. In nahezu jeder zweiten Beziehung sind die Bereiche gleichberechtigt verteilt, zeigt die Umfrage. In Sachen Kinderbetreuung sind sich 56 Prozent der Frauen und 69 Prozent der Männer darüber einig, dass sie beide gleich viel leisten. Die größte Einigkeit besteht bei beiden Geschlechtern über die Koordination von Urlauben und der Abendplanung: 59 Prozent der Frauen und 67 Prozent der Männer glauben, sich die Planung ihrer freizeitlichen Verpflichtungen zu teilen.

Trotzdem: Etwa 40 Prozent der Frauen geben an, allein für diesen sozialen Bereich verantwortlich zu sein, im Gegensatz zu nur 12 Prozent der Männer, die diesen Eindruck von sich haben. Zwei Wahrnehmungen, die sich deutlich widersprechen.

Wenn Männer putzen ist das eine „Extraleistung“

Laut Elitepartner-Psychologin Lisa Fischbach zeige die Studie, dass wir „selbst im Jahr 2021 [...] von einem egalitären Geschlechterrollenverständnis und einer geschlechterunabhängigen Aufgabenteilung einiges entfernt sind“. Die Psychologin nennt Gründe für die widersprüchlichen Angaben: „Die abweichende Wahrnehmung des eigenen Engagements im Haushalt liegt in der persönlichen Bewertung begründet – für Männer sind Haushalt und Ordnung weniger rollenkonforme Aufgaben, die sie daher bewusster als Extraleistung empfinden und weniger als selbstverständlich.“

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Familiengründung führt zu „Retraditionalisierung“

Besonders auffällig ist auch, dass die Familiengründung in den meisten Beziehungen die Gleichberechtigung verändert und zu einer „Retraditionalisierung“ führt, sagt Fischbach. So zeigt sich, dass jüngere Paare im Alter von 18 bis 29 Jahren ihren Alltag oft gleichberechtigter organisieren, wenngleich auch hier Frauen stärker belastet sind. Bei Paaren im Alter von 30 bis 39 Jahren kommt dann aber eine Wendung: Im Vergleich stufen Frauen ihren Anteil im Bereich Versorgung, Ordnung und Kinderbetreuung mehrheitlich sogar als noch größer ein. Ähnliche Tendenzen zeigen sich bei Männern in den Bereichen Finanzen und Handwerk.

„Lebensereignisse wie die Familiengründung führen zu einer Retraditionalisierung und beeinflussen Partnerschaften nachhaltig. Damit sich das wirklich ändern kann, braucht es eine tiefgreifende gesellschaftliche Akzeptanz gleichberechtigter Lebensformen, eine individuelle Gestaltbarkeit von Familien- und Arbeitsleben und die Auflösung unterschiedlicher Bewertungen einzelner Aufgaben“, so Fischbach.

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