UN-Klimakonferenz: Wie blicken Wissenschaftler auf COP26?

Bei der UN-Weltklima­konferenz beraten Staats- und Regierungs­chefs, wie sich das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaschutz­abkommens einhalten lässt.

Bei der UN-Weltklima­konferenz beraten Staats- und Regierungs­chefs, wie sich das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaschutz­abkommens einhalten lässt.

Glasgow. Die bisherigen Bemühungen der Weltgemeinschaft reichen nicht aus, um das Ziel des Pariser Klimaabkommens, den globalen Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, zu erreichen. Das zeigt ein aktueller Bericht der Vereinten Nationen, der kurz vor Beginn der Weltklima­konferenz veröffentlicht wurde. Mit den aktuellen Klimaschutz­plänen steuere die Welt auf eine Erwärmung von 2,7 Grad bis zum Jahr 2100 zu, heißt es in dem Report. Um das 1,5-Grad-Ziel zu realisieren und die Treibhausgas­emissionen bis 2030 zu halbieren, müssten die Staaten ihre Klimaschutz­bemühungen versiebenfachen.

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„Es geht einfach alles viel zu langsam voran“, bemängelte auch Prof. Niklas Höhne, Gründer des New Climate Institutes, im Gespräch mit dem Science Media Center (SMC). „Diese COP (Conference of the Parties, also Konferenz der Vertragsparteien, Anm. d. Red.) ist die letzte Chance, tatsächlich das 1,5-Grad-Ziel noch in Reichweite zu halten.“ Bei der Weltklima­konferenz, kurz COP26, kommen vom 31. Oktober bis zum 12. November im schottischen Glasgow 196 Staaten sowie die EU zusammen, um darüber zu beraten, wie sich das Vorhaben des Pariser Klimaschutz­abkommens in die Tat umsetzen lässt.

Klimaforscherinnen und Klimaforscher blicken aufmerksam auf die Beratungen und Ergebnisse der Klimakonferenz. Die langfristigen Klimaschutz­bekundungen der Staaten bis 2050 seien gut, sagte Höhne, „aber kein einziges Land hat kurzfristige Maßnahmen umgesetzt, um sich tatsächlich auf den Pfad hin Richtung Netto null zu bewegen“. Mit Netto null ist ein Gleichgewicht zwischen der Menge der produzierten und der der Atmosphäre entzogenen Treibhausgas­emissionen gemeint. „Mit allen Beiträgen, die die Länder bisher vorgeschlagen haben, stabilisieren sich die globalen Treibhausgas­emissionen ungefähr bis zum Jahr 2030″, so der Klimaexperte. „Für 1,5 Grad müssten sie aber halbiert werden.“

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Klimaschutz­finanzierung wird wichtiges Thema auf der COP26

Die USA und Europa wollen bis 2050 klimaneutral werden, China bis 2060. Das Vorhaben dieser großen Nationen habe eine „Sogwirkung entfaltet“, merkte Höhne an. Auch kleinere Länder wie Russland, Saudi-Arabien und die Türkei streben nun in Richtung null Emissionen. Allerdings haben sich bislang nur wenige von ihnen so ehrgeizige Ziele bei der Emissions­minderung gesetzt, wie es eigentlich fünf Jahre nach der Klimakonferenz in Paris angedacht war. Auch Staaten wie Australien, Indonesien und die Schweiz haben bis jetzt keine neuen Pläne vorgelegt. Vor allem von Indien, einem der größten Treibhausgas­emittenten, erwartet Klimaforscher Höhne neue Ziele.

Er spricht von einer „Notfallsituation“, in der sich die internationale Gemeinschaft derzeit befinde. „Es müssen alle so schnell wie möglich Emissionen reduzieren“, sagte Höhne. „Und das geht nur, wenn sich die Länder untereinander helfen.“ Vor allem Entwicklungs­ländern müsse unter die Arme gegriffen werden, indem ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden. 2009 hatten sich die Industrieländer darauf geeinigt, 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr für die Klimahilfe bereitzustellen.

USA und EU schließen Methan­abkommen

„Ich glaube, die 100 Milliarden in diesem Jahr werden auf dem Tisch liegen, wenn das die zentrale Frage ist“, sagte Prof. Reimund Schwarze vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Er wies gegenüber dem SMC aber darauf hin, dass die Entwicklungsländer wiederkehrende Zahlungen erwarten würden. „Eine Langfrist­finanzierung ist deshalb extrem wichtig“, so der Umweltökonom. Man müsse bereits 2025 in Sicht nehmen.

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Die COP26 sei dann ein Erfolg, „wenn die Mittel langfristig erkennbar werden, also nicht nur einmal eine Leistung erbracht wird, sondern erkennbar den Bedürfnissen der Entwicklungsländer gefolgt und die Struktur und Aufbringung der Mittel über eine längere Frist erreicht wird“, sagte Schwarze. Eine erfolgreiche Klimakonferenz zeichnet sich seiner Ansicht nach auch dadurch aus, dass ein globales Methan­abkommen angestrebt wird.

Eine derartige Vereinbarung haben die USA und die EU bereits getroffen. Sie haben sich dazu verpflichtet, die Methan­emissionen bis zum Jahr 2030 um mindestens 30 Prozent gegenüber dem Stand von 2020 zu reduzieren. „Dieses Abkommen ist wichtig“, sagte der Umweltökonom, „es ist ein Vorstoß der USA.“

COP26 läutet Klimaschutz­dekade ein

Carl-Friedrich Schleussner, Forschungs­gruppenleiter am Geographischen Institut der Humboldt-Universität in Berlin, sieht ein Methan­abkommen hingegen nicht als wesentliches Ziel der Weltklima­konferenz an. „Ich würde es sicherlich begrüßen, aber ich glaube, anderen Stellen und insbesondere auch der CO₂-Emission und der Transformation des Energiesektors würde ich eine deutlich höhere Bedeutung zuweisen“, sagte er dem SMC.

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Er sieht in COP26 vor allem den Startschuss für eine Klimaschutz­ära. „Es wird nicht so sein, dass wir am Ende der COP sagen können, das 1,5-Grad-Ziel wird erreicht oder nicht, sondern im Wesentlichen startet diese COP eine Dekade, in der die Emissionen sehr stark fallen müssen, in der der Klimaschutz sehr viel stärker umgesetzt werden muss“, machte Schleussner deutlich. „Wenn die COP es nicht schafft, eine Perspektive aufzuzeigen, wie in der nächsten Dekade Ambitionen erhöht werden, sowohl bei der Klimaschutz­vermeidung als auch zum Beispiel bei der Bereitstellung von Finanzen und Finanzierungs­mitteln, dann wird es eine vertane Chance sein, denn wir werden auch über diese Klimakonferenz hinaus mehr Klimaschutz brauchen.“

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