Umfrage zur Weltstillwoche: Mehr als 75 Prozent der Mütter fühlen sich beim Stillen in der Öffentlichkeit unwohl

Stillen in der Öffentlichkeit ist in Deutschland einer Umfrage zufolge alles andere als salonfähig.

Stillen in der Öffentlichkeit ist in Deutschland einer Umfrage zufolge alles andere als salonfähig.

Wenn es um das Thema “Stillen in der Öffentlichkeit” geht, dann löst diese Vorstellung noch immer bei vielen Frauen Unbehagen aus. Einer aktuellen YouGov-Umfrage zufolge ist es 77 Prozent der Mütter unangenehm, ihr Baby vor den Augen fremder Menschen zu stillen. Das verwundert wenig angesichts dieser Erkenntnis: Denn immerhin gefällt es 48 Prozent der Bundesbürger ebenso wenig, Frauen an öffentlichen Orten wie einem Café oder an einem anderen öffentlichen Platz dabei zuzuschauen, wie sie ihrem Kind die Brust geben. Auch das geht aus der Umfrage hervor, die der Frauentechnologiehersteller Elvie unter 2000 Deutschen anlässlich der Weltstillwoche (28.9. bis 4.10.) in Auftrag gegeben hat.

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Während sich immer mehr (auch prominente) Frauen für das (möglichst lange) Stillen in der Öffentlichkeit aussprechen und entsprechende Bilder auf ihren Social-Media-Kanälen posten, fällt es knapp jeder fünften Frau (18 Prozent) nach wie vor schwer, das Thema Stillen überhaupt anzuschneiden – und wenn, dann ist zumindest nicht der Partner die erste Wahl. Gerade mal nur knapp jede vierte Frau bespricht Stillprobleme mit dem Vater des Kindes (24 Prozent). Größeres Vertrauen wird dagegen medizinischen Fachkräften entgegengebracht (43 Prozent) oder der besten Freundin (35 Prozent).

Brüste sind in unserer Gesellschaft sexualisiert

Befragt wurden die Frauen auch dazu, an welchen öffentlichen Orten sie sich besonders unwohl beim Stillen fühlten. Hier wird am häufigsten die öffentliche Toilette genannt (68 Prozent), dicht gefolgt von öffentlichen Verkehrsmitteln (66 Prozent), Läden und Geschäften (59 Prozent), Restaurants oder Cafés (58 Prozent) und dem Arbeitsplatz (56 Prozent).

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Das allgemeine Unwohlsein überrascht wenig, angesichts wiederholter Berichte über Frauen, die beim Stillen in einem Café angepöbelt oder sogar des Cafés verwiesen wurden. Für Geburtsmediziner Wolf Lütje aus Hamburg hat das Unbehagen, das vor allem Männer beim Anblick einer stillenden Frau empfinden, viel “mit der Sicht auf die weibliche Brust zu tun”, wie er im RND-Interview betonte. Im Gegensatz zu Naturvölkern, in denen Barbusigkeit etwas ganz Natürliches sei, hätten in der westlichen Gesellschaft Brüste eine eher sexuelle Bedeutung, so der Mediziner weiter. Diese Nähe zur Lust führe dazu, dass stillende Mütter manchmal als “obszön” oder gar “abstoßend” wahrgenommen würden.

Ein Schal als Sichtschutz

Die Bloggerin Anna Orlinski lässt sich von derlei Vorbehalten nicht beeindrucken und empfindet diese als diskriminierend: Im Gespräch mit dem RND plädiert sie für einen entspannten Umgang mit dem Stillen. Um diese Forderung zu unterstützen, zeige sie auch immer wieder auf ihren Social Media Kanälen Stillbilder: in der Schule ihres Sohnes, im Wartezimmer des Arztes, während eines beruflichen Meetings oder im Flieger.

Müttern, die Unwohlsein beim Gedanken an das Stillen in der Öffentlichkeit verspüren, darauf aber nicht verzichten möchten, rät Orlinski zu einem Schal als Sichtschutz – und erinnert sich dabei an ihre eigene Zeit als Stillanfängerin zurück: “Weil es den Schal meiner Fantasie bis dato nicht gab, entwickelte ich ihn zusammen mit meiner Mutter selbst.”

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