Tafelsprecher: Corona macht arme Menschen ärmer und einsamer

Die über 950 Tafeln retten überschüssige, qualitativ einwandfreie Lebensmittel und verteilen diese an Menschen, die in Not sind.

Die über 950 Tafeln retten überschüssige, qualitativ einwandfreie Lebensmittel und verteilen diese an Menschen, die in Not sind.

In Deutschland gibt es rund 950 Tafeln, die regelmäßig von 1,6 Millionen Menschen genutzt werden. Doch das Coronavirus macht auch um die Hilfsangebote keinen Bogen.

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Angst vor Ansteckung

„Die Folgen der Pandemie sind regional sehr unterschiedlich, sagt Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel. „Zum einen kommen mehr neue Kunden zu uns, die zum Beispiel ihren Job verloren haben oder auf Kurzarbeit sind.“ Auch wer sonst in einem Beruf arbeitet, in dem man Trinkgeld bekommt, habe nun viel weniger Geld zum Leben.

„Andererseits bleiben viele – vor allem Ältere – aus Angst vor einer Ansteckung zu Hause“, sagt Brühl. „Und seit viele Tafeln ihre Lebensmittelausgabe ins Freie verlegt haben, kommen auch einige aus Scham nicht. Sie haben Angst, von anderen gesehen zu werden.“

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Tafeln nicht im Normalbetrieb

Im ersten Lockdown hatten zwischenzeitlich rund 400 Tafeln geschlossen, mittlerweile sind fast alle wieder geöffnet. „Allerdings nicht im Normalbetrieb“, sagt Tafelchef Brühl und erklärt: „Der Aufwand ist enorm gestiegen – allein schon wegen der Hygienemaßnahmen.“ So würden zum Teil Lebensmitteltüten schon vor Öffnung der Tafeln gepackt und später nur noch ausgegeben.“

Brühl bedauert vor allem, dass die Tafeln zurzeit kein Ort für Begegnungen sein könnten. „Normalerweise gibt es bei uns zahlreiche Kontaktmöglichkeiten – Projekte für Kinder und Jugendliche, Kochkurse, Theatergruppen, Nachhilfe … das entfällt zurzeit leider alles.“ Einsamkeit sei bei armen Leuten ein Riesenthema. „Da besorgt uns wirklich die psychische Gesundheit der Menschen.“

Immer mehr Rentner kommen

Für die nächsten Jahre stellen sich die Tafeln in Deutschland auf einen deutlichen Kundenzulauf ein. Nicht nur wegen der wirtschaftlichen Nachwirkungen von Corona. „Es setze sich auch ein anderer Trend fort“, weiß Brühl. „Es kommen immer mehr Rentnerinnen und Rentner, die sich bei den Tafeln Lebensmittel holen, weil ihre Rente nicht reicht.“

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Generell hat Brühl festgestellt, „wie arme Menschen in unserer Gesellschaft übersehen werden“. Der staatliche Einmalzuschlag in Höhe von 150 Euro für arme Menschen sei ein Tropfen auf den heißen Stein. „Corona trifft die Armen besonders hart, weil einerseits viel Unterstützung – wie zum Beispiel kostenloses Schulessen – wegfällt, andererseits die Lebenshaltungskosten steigen.“ Hier müsse politisch unbedingt reagiert werden.

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