Studie: Kleinkinder im Kinderwagen atmen mehr schädliche Abgase ein

Unabhängig vom Typ des Kinderwagens stellten die Wissenschaftler fest, dass Babys und Kleinkinder bis zu 44 Prozent mehr schädliche Abgase einatmen könnten als die schiebenden Erwachsenen.

Unabhängig vom Typ des Kinderwagens stellten die Wissenschaftler fest, dass Babys und Kleinkinder bis zu 44 Prozent mehr schädliche Abgase einatmen könnten als die schiebenden Erwachsenen.

Surrey. Wer mit seinem Baby oder Kleinkind frische Luft schnappen will, sollte verkehrsreiche Strecken meiden – zumindest wenn man mit einem niedrigen Kinderwagen oder Buggy unterwegs ist. Denn deren geringe Liege- oder Sitzfläche könnte dazu führen, dass die Kinder deutlich mehr schädliche Abgase einatmen als Erwachsene. Das ist das Ergebnis einer Studie des britischen Global Centre for Clean Air Research (GCARE) an der Universität von Surrey. Die Wissenschaftler schreiben im Fachblatt “Environment International” aber auch, dass schon eine einfache Kinderwagenabdeckung die Schadstoffbelastung für den Nachwuchs deutlich senken kann.

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Wie schädlich gerade Autoabgase für Säuglinge und Kleinkinder sein können, haben frühere Untersuchungen bereits belegt: Da ihre Organe – vor allem die Lunge – noch reifen, können derartige Schadstoffe unter anderem Folgen für die neuronale Entwicklung ebenso wie für die Entwicklung des Atemsystems haben. Gleichzeitig atmen Kinder sehr schnell – im Verhältnis zum Körpergewicht ist ihre Atmungsrate fast doppelt so hoch wie die von Erwachsenen.

Mit dem Messgerät im Buggy: So wurde untersucht

Um herauszufinden, wie groß die Abgasbelastung wirklich ist, maß das Forscherteam um den Umweltingenieur Prashant Kumar die Schadstoffbelastung in drei verschiedenen Versuchen: mit einem Buggy mit Blick auf die Straße, mit einem Wagen mit Blick auf den schiebenden Erwachsenen und mit einem doppelstöckigen Buggy, in dem zwei Kinder versetzt Platz finden.

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Mit diesen drei Wägen liefen die Forscher Dutzende Male eine zwei Kilometer lange Strecke zu einer Schule und wieder zurück – einmal zwischen 8 und 10 Uhr morgens sowie zwischen 15 und 17 Uhr am Nachmittag. Statt eines Kindes saß allerdings ein Messgerät im Buggy. Ebenso wurde die Schadstoffbelastung auf Kopfhöhe des Erwachsenen erfasst.

Babys atmen 44 Prozent mehr Abgase ein

Unabhängig vom Typ des Kinderwagens stellten die Wissenschaftler fest, dass Babys und Kleinkinder bis zu 44 Prozent mehr schädliche Abgase einatmen könnten als die schiebenden Erwachsenen. In der Analyse der Feinstaubpartikel fanden sie vor allem Emissionen aus Brems- und Reifenteilchen. Bei den doppelstöckigen Buggys wäre das Kind auf der unteren Etage 72 Prozent mehr Schadstoffen ausgesetzt als jenes, das weiter oben sitzen würde. Diese Beobachtung der Umweltingenieure spricht dafür, dass die Sitz- oder Liegehöhe eines Kinderwagens eine große Rolle spielt. Grundsätzlich war die Belastung an Verkehrshotspots wie Bushaltestellen und Kreuzungen am größten.

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Lungen sind im ersten Lebensjahr besonders empfindlich

Schon in einer früheren Untersuchung hatte das Forscherteam gezeigt, dass Kleinkinder und Babys in Kinderwagen und Buggys deutlich mehr Luftverschmutzung ausgesetzt sind als Erwachsene, die den Wagen schieben. Problematisch ist dabei nicht nur, dass sich die Kinder aufgrund der geringen Sitz- oder Liegehöhe näher an den Auspuffrohren von Fahrzeugen befinden. Gleichzeitig, so das Ergebnis einer schwedischen Langzeitstudie von 2012, sind Autoabgase für Säuglinge und Kleinkinder besonders schädlich.

Speziell in den ersten zwölf Lebensmonaten reagieren ihre Lungen demnach empfindlich auf Luftschadstoffe: Kinder, die in jener Zeit in einer verkehrsreichen Umgebung aufwuchsen, zeigten acht Jahre später eine deutlich eingeschränkte Lungenfunktion, so das Fazit der Forscher vom schwedischen Institut für Umweltmedizin.

Studie belegt: Abdeckungen schützen Kinder

Doch die aktuelle britische Studie gibt auch einen Hinweis darauf, wie Kinder geschützt werden könnten. So untersuchten die Wissenschaftler, ob Abdeckungen, wie man sie etwa als Regenschutz kennt, eine Wirkung haben. Tatsächlich reduzierten diese die Konzentration feiner schädlicher Schadstoffpartikel um bis zu 39 Prozent, bei gröberen Partikeln waren es sogar 43 Prozent.

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“Unsere Untersuchungen zeigen, dass Entscheidungen wie die Art des verwendeten Kinderwagens beeinflussen können, wie groß die Schadstoffbelastung für ein Kind ist”, fasst Kumar zusammen. “Unsere Studie bestätigt, dass Kinderwagenabdeckungen und das Erhöhen der Buggyfläche Kinder unter bestimmten Bedingungen vor einer signifikanten Menge an Abgasbelastung zu schützen scheinen.”

RND/dpa

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