Schläge und Vergewaltigung: Wie der Traum einer heilen Familie zerplatzte

Eine Frau sitzt sich schützend in einer Ecke, ein Mann steht davor

Wenn aus einem Paar Opfer und Täter werden: Gewalt in der Partnerschaft ist keine Seltenheit, doch in manchen Fällen gerät alles außer Kontrolle - wie bei Viktoria (Symbolbild).

Als ich meinen heutigen Ex-Mann kennenlernte, dachte ich, ich hätte den Jackpot geknackt. Er war kinderlieb, mochte Tiere, war freundlich und lieb zu mir. Es fühlte sich perfekt an. Ich hatte keine schöne Kindheit, habe einige Traumata erlitten und bin seit längerer Zeit in Therapie wegen Depressionen. Doch nun schien mein Leben durch meinen Mann eine gute Wendung zu nehmen.

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Die beiden Töchter waren ein Wunder

Ich wurde schnell schwanger, bekam eine Tochter – und weil sich alles so gut anfühlte, wurde ich bald darauf wieder schwanger. Erneut ein Mädchen. Ich war so stolz und glücklich. Diese beiden Kinder waren für mich ein Wunder, denn eigentlich hatten mir die Ärzte gesagt, dass es schwer für mich werden würde, auf natürlichem Wege schwanger zu werden.

Doch mit der Geburt unserer zweiten Tochter veränderte sich mein Ex-Mann. Er war traurig und schlecht gelaunt. Ich bohrte nach, fragte nach dem Grund und er sagte, er wolle einen Sohn und sei enttäuscht über die zweite Tochter.

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Vergewaltigung: Er wollte einen Sohn und keine weiteres Mädchen

Es kam zum Sex – von meiner Seite aus nicht freiwillig.

Mich schockierte das. Er sagte, dass ich wieder schnell schwanger werden sollte, damit wir endlich einen Sohn kriegen könnten. Ich sagte ihm, dass es für mich undenkbar sei, sofort wieder schwanger zu werden. Doch mein Mann ließ nicht locker. Immer wieder sprach er von einem Sohn. Er wurde mürrischer.

Als das Baby zwei Monate alt war, wurde mein Ex ungeduldig und es kam zum Sex – von meiner Seite aus nicht freiwillig. Danach war ich komplett unter Schock. Wie hatte es so weit kommen können? Früher war er mir gegenüber nie grob gewesen, nun war er es. Es war nicht das letzte Mal, dass das passierte.

Trennungswunsch: Wir stritten immer öfter

Wir stritten uns öfter. Er wurde immer wieder grob. Irgendwann habe ich gesagt, dass ich mich trennen möchte, weil das so nicht mehr weitergehen kann. Nachdem ich meinen Trennungswunsch ausgesprochen hatte, legte sich ein Schalter bei ihm um. Er flippte komplett aus, schlug mich, unser Baby und unsere Tochter. Ich versuchte, die Kinder zu schützen, schaffte es aber nicht. Seine Kräfte gegen meine Kräfte. Ich konnte nur noch den Notarzt und die Polizei alarmieren.

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Häusliche Gewalt: Er schlug uns krankenhausreif

Für alle war ich die Mutter, die es nicht geschafft hatte, ihre Kinder vor einem gewalttätigen Mann zu schützen.

Wir kamen ins Krankenhaus, meine Töchter und ich. Wir wurden sofort stationär aufgenommen, zwei Wochen mussten wir in der Klinik bleiben. In dieser Zeit durfte ich die Kinder nur in Begleitung des Jugendamtes sehen. Für alle war ich die Mutter, die es nicht geschafft hatte, ihre Kinder vor einem gewalttätigen Mann zu schützen. Es war, als würden alle mit dem Finger auf mich zeigen. Meine Kinder wurden vom Krankenhaus in eine Pflegefamilie gebracht, wo sie nun seit anderthalb Jahren leben. Das war meine Strafe dafür, dass ich sie nicht hatte schützen können. Und das schmerzt mich bis heute mehr als die körperlichen Blessuren, die mir mein Ex angetan hat.

Ich habe mich bemüht, die Kinder wieder zu mir zu holen. Ich habe mir so sehr gewünscht, dass sie wieder bei mir leben. Gutachter und Experten sind aber der Meinung, dass ich nicht erziehungsfähig bin. Sie sagen, ich sei schwach und könnte meine Kinder nicht schützen. Dafür trage ich nun die Konsequenzen. Momentan kann ich meine Töchter alle zwei Wochen sehen. Manchmal habe ich in den Besuchsterminen das Gefühl zu ersticken, weil mein Kind eine andere Frau “Mama” nennt.

Mein Leben hat den Sinn verloren

Es schnürt mir die Kehle zu und ich kann nicht glauben, dass diese Situation nun für immer so bleiben soll. Manchmal denke ich, dass mein Leben jetzt schon allen Sinn verloren hat und dass für mich nie wieder die Sonne scheinen wird.

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Meine Kinder wurden verletzt. Ich will nur das Beste für sie. Wenn alle Gutachter und Experten zu dem Schluss kommen, dass ich meine Kinder nicht großziehen kann, dann werde ich mich diesem Entschluss fügen.

Durchhalten nur für die Kinder

Mein Ex-Mann ist zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Und ich? Ich wurde nicht von einem Richter verurteilt, aber vom Leben. Ich werde wohl nie wieder mit meinen Kindern zusammenleben. Ich habe Angst, dass ich mehr und mehr aus ihrem Leben verschwinde und irgendwann gar nicht mehr daran teilnehme.

Der einzige Grund, warum ich morgens aufstehe, ist: Wenn die Mädchen groß genug sind und wissen wollen, warum sie nicht bei mir groß werden konnten, möchte ich da sein und ihnen Antworten geben. Bis dahin werde ich versuchen, durchzuhalten. Für sie.

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Hier können sich Betroffene Hilfe holen:

  • Hilfe per Onlineberatung, am Opfer-Telefon oder in den mehr als 400 Außenstellen bietet die Operschutzorganisation Weisser Ring, alle Kontaktinfos finden Sie hier: https://weisser-ring.de/
  • Einen bundesweiten Überblick über Hilfsangebote bietet die ODABS-Onlinedatenbank für Betroffene von Straftaten, welche im Rahmen des Projektes “Atlas der Opferhilfen in Deutschland” der Kriminologischen Zentralstelle entstanden ist: http://www.odabs.org/index.html. Hier können Betroffene unter den Stichworten “sexuelle Gewalt”, “körperliche Gewalt” und “seelische Belastung” zielgerichtet Hilfe bekommen.
  • Mit dem Hilfe Telefon und einer sehr ausführliche Internetseite bietet auch das “Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben” umfangreiche Hilfe bei häuslicher Gewalt an: https://www.hilfetelefon.de/gewalt-gegen-frauen/haeusliche-gewalt.html

RND/protokolliert von Katharina Nachtsheim

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