Kommentar

Russland zieht sich aus ISS zurück: kein Interesse an Friedenssymbolen

Der russische Kosmonaut Oleg Artemjew und seine italienische Kollegin Samantha Cristoforetti arbeiten bei einem Außeneinsatz an der Raumstation ISS.

Der russische Kosmonaut Oleg Artemjew und seine italienische Kollegin Samantha Cristoforetti arbeiten bei einem Außeneinsatz an der Raumstation ISS.

Nun ist es offiziell. Russland will 2024 aus der Internationalen Raumstation (ISS) aussteigen. Wirklich überraschend kommt der Schritt nicht. Während man in Europa liebevoll auf den größten „Außenposten der Menschheit“ blickt, ist die ISS-Begeisterung in Moskau schon länger spürbar abgekühlt. Schon seit geraumer Zeit hat Russland durchblicken lassen, dass man wenig Interesse daran habe, den Vertrag über die internationale Zusammenarbeit auf der ISS über 2024 hinaus zu verlängern.

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Das lag offiziell vor allem am Zustand des russischen Teils der ISS. Etwa 80 Prozent der Ausrüstung im russischen Segment sei veraltet, bemängelte etwa der damalige Roskosmos-Chef, Dmitri Rogosin, schon im April 2021. Statt Reparaturarbeit zu leisten, hat Russland lieber Pläne für eine neue, eigene Raumstation entworfen. Doch dass die Weltraumorganisation Roskosmos jetzt Ernst macht und tatsächlich aus dem Gemeinschaftsprojekt mit Nasa, Esa und Co. aussteigt, hat natürlich noch andere Gründe.

ISS ein „Vorzeigesymbol für friedliche Kooperation“

Die ISS ist ein einzigartiges Beispiel der internationalen Zusammenarbeit. Sie hat bewiesen: Raumfahrt, das muss kein erbitterter Krieg der Sterne sein, keine nationale Egoveranstaltung überambitionierter Großmächte. Die ISS sei ein „Vorzeigesymbol für friedliche Kooperation“, betonte zuletzt auch Esa-Astronaut Matthias Maurer im RND-Interview. Und während sich dem ein oder anderen der praktische Nutzen der Weltraumforschung vielleicht nicht ganz erschließt, konnte doch kaum jemand den diplomatischen Erfolg infrage stellen.

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Nasa: Russlands ISS-Ausstieg „wird weder einfach noch billig sein“

Die Nasa zeigt sich überrascht, dass Russland die ISS bis 2024 verlassen will, doch laut ehemaligen US-Astronauten hätte der Schritt schon eher kommen müssen.

Das Problem: Russland legte genau darauf ganz offensichtlich immer weniger Wert. Und dem Rest der Welt fiel es zunehmend schwerer, das zu ignorieren. So zu tun, als spiele der russische Angriffskrieg auf der ISS keine Rolle, wurde zunehmend unmöglich. Erst kürzlich etwa posierten die drei russischen Kosmonauten Sergei Korsakow, Oleg Artemjew and Denis Matveev mit Flaggen der „Volksrepubliken“ Luhansk und Donezk, die international nicht anerkannt sind. Das sei „inakzeptabel“, twitterte Esa-Generaldirektor Josef Aschbacher. Die ISS müsse ein „Symbol für Frieden und Inspiration“ bleiben. Fraglich, ob sie das nun noch sein wird.

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Raumfahrt als Prestigeprojekt

Immerhin, sobald Russland offiziell aus der ISS aussteigt, muss niemand mehr so tun, als herrsche im All Friede, Freude, Eierkuchen. Gleichzeitig stehen die Raumfahrtorganisationen aber vor einer noch größeren Herausforderung: „Wer gemeinsam Menschen in einer lebensfeindlichen Umgebung am Leben erhalten will, muss miteinander reden“, erklärte RND-Kolumnistin Insa Thiele-Eich. Auf absehbare Zeit müssen die Raumfahrtorganisationen eben doch weiter zusammenarbeiten – auch wenn es um die Zukunft der Raumstation nach 2024 geht. Wie die aussehen wird, welche Rolle etwa kommerzielle Raumfahrtunternehmen dabei spielen werden, das ist noch unklar.

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Dass Russland, Europa und die USA nun aber etwa gemeinsam beispielsweise an einer Rückkehr zum Mond arbeiten werden, erscheint völlig utopisch. Stattdessen ist die Raumfahrt auf gutem Weg dahin, wieder ein Prestigeprojekt für einzelne Staaten – oder auch Unternehmen wie SpaceX – zu werden.

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