Havarierte Atomruine

Russland erobert Tschernobyl: Welche Gefahr geht von der ehemaligen AKW-Anlage aus?

Die Abdeckung des beschädigten Reaktors im Kernkraftwerk Tschernobyl (Archivbild). Russland hat nach ukrainischen Angaben das ehemalige Atomkraftwerk Tschernobyl erobert.

Die Abdeckung des beschädigten Reaktors im Kernkraftwerk Tschernobyl (Archivbild). Russland hat nach ukrainischen Angaben das ehemalige Atomkraftwerk Tschernobyl erobert.

Das Kernkraftwerk von Tschernobyl wurde von russischen Soldaten eingenommen. Zuvor hatte es Kampfhandlungen in der umliegenden Sperrzone gegeben. Derzeit ist unklar, ob dabei Gebäude beschädigt wurden. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beobachtet die Situation, hält es derzeit aber für unwahrscheinlich, dass kontaminierte Luft auch nach Deutschland gelangen könnte.

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In Tschernobyl war es am 26. April 1986 zum bisher schlimmsten Unfall in einem Atomkraftwerk gekommen. Einer der Reaktoren explodierte, und große Mengen Radioaktivität wurden freigesetzt. Durch die Explosion und den Brand der Anlage gelangten radioaktive Stoffe in die Atmosphäre und wurden durch Luftströmungen in weiten Teilen Europas verbreitet. Der Umweltschutzorganisation Greenpeace zufolge sind etwa 93.000 Menschen infolge des Reaktorunfalls an Krebs verstorben oder werden noch daran sterben.

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Erst zehn Tage nach dem Unglück konnte der Austritt von Radioaktivität damals weitestgehend gestoppt werden. Um die Ruine wurde eine Schutzhülle aus Stahl und Beton errichtet, die 2016 erneuert wurde. Wegen der starken nuklearen Verseuchung mussten zudem die umliegenden Dörfer und Städte evakuiert werden: In einem Radius von 30 Kilometern um die Ruine gibt es bis heute eine abgeschirmte Sperrzone. Sie darf nicht bewohnt werden, ist aber für Tagestouristen und -touristinnen zugänglich. Wie gefährlich sind Kampfhandlungen rund um die Reaktorruine? Besteht die Gefahr, dass dabei erneut größere Mengen an Radioaktivität freigesetzt werden?

Lager für Atommüll beschädigt?

Auf dem Gelände befindet sich neben der umhüllten Reaktorruine auch ein sogenanntes Nasslager sowjetischer Bauart für 21.000 radioaktive Brennelemente. Weil dieses keine lange Haltbarkeit hat, soll der radioaktive Müll in den nächsten Jahren von dort in ein neu errichtetes Trockenlager überführt und einbetoniert werden. Die Nachrichtenagentur Associated Press AP meldete am Donnerstag, durch russischen Beschuss sei eines der Lager mit radioaktivem Müll beschädigt worden, dabei berief sie sich auf eine anonyme Quelle.

Nach Angaben des ukrainischen Umweltamts hat sich die radioaktive Strahlung in der Nähe der Ruine seit Donnerstagabend von 3.200 Nanosievert/h auf 65.500 Nanosievert/h stark erhöht. Ein Beweis dafür, dass tatsächlich ein Lager beschädigt wurde, ist das aber noch nicht: Womöglich war auch bei den Kampfhandlungen aufgewirbelter Staub die Ursache, der rund um die Ruine weiterhin radioaktiv verseucht ist. Wegen der Lage und der Kämpfe sei es aber unmöglich, eine Begründung für diesen Anstieg zu erkennen, teilte die zuständige ukrainische Behörde mit. Am Freitagmittag hieß es, russische Fallschirmjäger würden das Gelände sichern. Auch Spezialisten eines ukrainischen Wachbataillons seien nach Absprache weiter im Einsatz, sagte ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums. Es gebe keine Auffälligkeiten, die radioaktiven Werte seien normal, sagte er und widersprach damit den ukrainischen Behörden.

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BfS beobachtet Situation

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gab bekannt, es beobachte die Situation in der Sperrzone von Tschernobyl aufmerksam. Insbesondere Berichte über erhöhte Radioaktivitätswerte in der Umgebung des stillgelegten Kernkraftwerks würden von den Experten und Expertinnen des BfS „intensiv verfolgt“. Die Angaben seien derzeit allerdings noch nicht unabhängig überprüfbar, der mögliche Ursprung der erhöhten Werte sei unklar, so das BfS. Das BfS sei in engem Austausch mit internationalen Partnern, darunter auch der Internationalen Atomenergie-Organisation (International Atomic Energy Agency, IAEA). Sämtliche Messeinrichtungen würden regelmäßig überwacht, darunter auch eine Messstelle auf dem Schauinsland bei Freiburg. „Aufgrund der aktuellen Wetterlage ist allerdings kurzfristig nicht zu erwarten, dass möglicherweise radioaktiv kontaminierte Luft Deutschland erreichen könnte“, heißt es in der Stellungnahme der BfS.

Wegen der Kämpfe um Tschernobyl berief die Atombehörde im nahe gelegenen Tschechien vorsichtshalber einen Krisenstab ein. Bisher seien alle Radioaktivitätsmesswerte im normalen Bereich, teilte ein Sprecher der Behörde SJUB am Freitag in Prag mit. Die Experten rechnen derzeit nicht mit einer Gefährdung weiter entfernter Gebiete. Eine Aufwirbelung radioaktiver Stoffe sei zwar denkbar, eine ernsthafte Kontamination mit Radionukliden außerhalb der 30-Kilometer-Sperrzone aber unwahrscheinlich.

mit Material von dpa

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