Pop-Up-Spielplätze, neue Ideen für Leerstand: So will Hameln seine Innenstadt retten

Passanten gehen durch die Innenstadt von Hameln, eine der klassische Fachwerkaltstädte in Niedersachsen. Die Stadt kämpft mit einer Anti-Leerstands-Initiative gegen die Folgen der Corona-Pandemie.

Passanten gehen durch die Innenstadt von Hameln, eine der klassische Fachwerkaltstädte in Niedersachsen. Die Stadt kämpft mit einer Anti-Leerstands-Initiative gegen die Folgen der Corona-Pandemie.

Leere Straßen, leere Geschäfte: Deutschlands Innenstädte brauchen neue Konzepte. Insbesondere, wenn nach dem Ende des Lockdowns eine Revitalisierung stattfinden soll.

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Denn coronabedingte Schließungen sowie die Social-Distancing-Maßnahmen haben die Krise der Innenstädte dramatisch verschärft, wie kürzlich eine Befragung des Marktforschungsunternehmens IFH bestätigte. Als eine der ersten Städte in Niedersachsen hat nun Hameln in der vergangenen Woche einstimmig ein Sonderprogramm für seine Innenstadt beschlossen.

Fokus auf Leerstandsmanagement

Mit 27 Maßnahmen will Hameln seine Innenstadt unter dem Motto „Hameln handelt“ attraktiver machen. Es soll „Kulturankerpunkte“ geben, die begrünt und speziell mit kulturellen Veranstaltungen und Ausstellungen bespielt werden, und Pop-Up-Spielplätze in der Fußgängerzone. Außerdem ein umfangreiches Kultur-und Veranstaltungsprogramm. Der Hauptfokus des Konzepts liegt aber auf Leerstandsmanagement.

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„Die Leerstandsoffensive ist ein ganz zentraler Baustein unseres Innenstadtplans”, sagt Thomas Wahmes, Pressesprecher und Leiter der Wirtschaftsförderung. „Einzelhändler können leerstehende Ladenflächen mieten und die Stadt Hameln zahlt die Kaltmiete für das erste Jahr.” Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine Pauschalförderung. Wer dafür infrage kommt, entscheidet die Stadt.

Weniger 1-Euro-Shops

Wichtig dabei sei, dass das Konzept der jeweiligen Einzelhändler ein Alleinstellungsmerkmal hat und ins Gesamtkonzept der Stadt Hameln passt. „Es geht nicht nur darum, leerstehende Ladenlokale zu vermieten, sondern auch die Wertigkeit der Angebote zu erhöhen”, so Wahmes. Denn der Tourismus sei für die Stadt der Weserrenaissance und Rattenfänger enorm wichtig.

„Hameln hat in Nicht-Corona-Zeiten jährlich mehrere Millionen Tagesbesucher und zahlreiche Übernachtungsgäste”, sagt Wahmes. Leerstehende Gebäude sind das eine, das andere die gewünschte Wertigkeit. Oder wie Wahmes sagt: „Wer fährt schon extra aus Ostwestfalen nach Hameln, wenn am Ende Nagelstudios und 1-Euro-Shops das Bild dominieren?” Ein Unverpacktladen oder ein Shop für regionale Produkte würden dagegen besser zu Hameln passen. Damit macht die Stadt Hameln sehr klar, welches Klientel sie ansprechen wollen – und welches eben nicht. Das Konzept fokussiert auf eine touristische, nicht auf eine soziale Stadtentwicklung.

Kosten: 1,2 Millionen Euro

Die Stadt Hameln plant 1,2 Millionen Euro für die Umsetzung des Konzepts. Ein Teil soll noch aus Fördertöpfen akquiriert werden, den Rest stellt die 60.000-Einwohner-Stadt. Erarbeitet wurde das Konzept auf Grundlage von Gesprächen mit lokalen Einzelhändlern und anderen Akteuren aus der Fußgängerzone sowie dem Stadtmarketing, dem Arbeitgeber- und Handelsverband und letztlich der Politik mit Oberbürgermeister Claudio Griese. Am Ende wurde das Strategiepapier einstimmig beschlossen.

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Nicht alles, was auf dem Strategiepapier steht, ist allerdings noch aktuell. Etwa das Freigetränk zum Hauptgericht wird voraussichtlich gestrichen. „Der Branche geht es gerade natürlich nicht gut. Die Idee werden wir wahrscheinlich nicht so umsetzen. Aber die Gastronomie arbeitet an Alternativkonzepten”, sagt Wahmes. „Das Strategiepapier war als Anstoß und Grundlage für Beschlussvorlagen gedacht.”

Geschwindigkeit ist wichtig

Mit seinem Vorschlag ist Hameln eine der ersten Städte in Niedersachsen, die ein derartiges Strategiepapier vorlegen. Das ist gut, denn Geschwindigkeit ist ein wichtiger Faktor, bestätigt auch Markus Preißner, wissenschaftlicher Leiter des Kölner Marktforschungsunternehmen IFA.

„Obwohl die teilnehmenden Städte größtenteils durchaus positiv bewertet wurden, muss der Transformationsprozess jetzt eingeläutet werden, denn die Corona-Pandemie hat den Strukturwandel weiter enorm beschleunigt”, heißt es in der Pressemitteilung der IFA-Befragung „Vitale Innenstädte”.

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