Paartherapeut: Die Corona-Zeit ist die Zeit der Offenbarungen

Die Lockdowns führen dazu, dass man viele Ausweichhandlungen nicht mehr „nutzen“ kann.

Die Lockdowns führen dazu, dass man viele Ausweichhandlungen nicht mehr „nutzen“ kann.

Die andauernde Pandemie beziehungsweise die andauernden Einschränkungen und Lockdowns führen natürlich zu vielen Veränderungen in allen Lebensbereichen, so auch Beziehungen. Die Veränderungen von Beziehungen sind dabei komplex und teilweise sehr überraschend. Und: Viele Beziehungen haben überraschenderweise sogar sehr profitiert.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Lockdowns führen dazu, dass man viele Ausweichhandlungen nicht mehr „nutzen“ kann. Wenn man mit seiner Beziehung unzufrieden ist, dann kann man nicht mehr mal eben mit seinem Kumpels einen trinken gehen oder auf Kurzurlaub mit seinen Freundinnen. Man kann sich auch nicht mehr so sehr in seine Hobbys stürzen wie zuvor.

Das führt dazu, dass wir nicht mehr umhinkommen, uns mit unserem Partner auseinanderzusetzen und unsere Nähe- oder Distanzwünsche klar auf den Punkt zu bringen. Dies gilt insbesondere natürlich, wenn beide im Homeoffice in einer Wohnung sind.

Der Corona Newsletter "Die Pandemie und wir" vom RND.

Die Pandemie und wir

Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Auch an toxischen Beziehungen wird festgehalten

Menschen, die in toxischen Beziehungen sind, bekommen natürlich auch „mehr“ desgleichen präsentiert in diesen Zeiten. Wenn die Beziehung eine Krümelbeziehung ist, also man am langen Arm quasi verhungert, dann wird man jetzt noch weniger Brosamen bekommen. Wenn man verzweifelt an einer Beziehung mit einem Bindungsängstler, dann explodiert die Beziehung jetzt noch mehr (vorausgesetzt man sieht ihn überhaupt noch). Auf der anderen Seite ist die Angst, sich zu trennen, auch noch größer als vor Corona. (Fast) Keiner will gerade so viel allein sein, wie er jetzt muss.

Christian Hemschemeier ist Paartherapeut in Hamburg und Experte in Sachen Dating, Partnerschaft und Liebe.

Christian Hemschemeier ist Paartherapeut in Hamburg und Experte in Sachen Dating, Partnerschaft und Liebe.

Die Ängste des Partners ernst nehmen

Wenn man so will, darf jeder von uns gerade genauer hin schauen. Was ja auch eine Chance sein kann, klarer zu sehen. Das führt auch positiv dazu, dass man mehr schätzt, was man hat, und nicht überlegt, ob das Gras anderswo grüner ist.

Innerhalb von bestehenden Beziehungen kann das Thema Corona aber auch noch anderweitig für Spannung sorgen: Bei manchen Paaren geht die Sicht darauf weit auseinander. Einer der Partner findet vielleicht alles etwas übertrieben und hat Angst vor den Einschränkungen oder finanziellen Konsequenzen. Der andere hat schlicht Angst, selbst krank zu werden. Hier können wir wirklich echte Liebe üben, indem wir den anderen ernst nehmen in seiner Sicht der Realität, ohne uns aber mit unserer eigenen Sicht auf die Dinge zu verlieren.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Seltsame Spazierdates und die Sehnsucht nach Kuscheln

Im Bereich Dating zeigen sich auch spannende Entwicklungen. Viele mögen ja Onlinedating nicht besonders. Aber derzeit scheint einem fast nichts anderes übrig zu bleiben. Klar, man kann noch Menschen bei der Arbeit kennenlernen, aber Partys und Cocktailabende an der Bar fallen erstmal aus. Aber auch das Onlinedating fühlt sich gerade nicht wirklich korrekt an, wenn man eigentlich ja möglichst wenig Kontakt haben soll.

Daraus entstehen dann seltsame Spazierdates in der Kälte, bei denen man eigentlich nur zu sich nach Hause kann, sich dies aber auch irgendwie falsch anfühlt. Wenn es dann doch zu körperlicher Nähe kommt, steht derzeit „Kuscheln“ wieder hoch im Kurs. Und nicht mehr nur schneller, unverbindlicher Sex.

Auseinandersetzungen mit sich selbst

Alles in allem wirft die Pandemie beziehungsweise der Lockdown uns auf uns selbst zurück. Wie sehr mögen wir uns, wenn wir den ganzen Tag im Homeoffice sind? Wie gut können wir uns selbst beschäftigen? Was können wir uns Gutes tun? Wie bleiben wir stabil? Welche Emotionen drängen hoch und wollen ohne Ablenkung angeschaut werden? Das sind die Themen, vor denen wir nicht weglaufen können. Aber auch diese Zeit wird vorbeigehen – und echter menschlicher Kontakt wird wertvoller denn je sein. Und wir werden das genießen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der Autor und seine Kurse sind zu erreichen über www.liebeschip.de. Sein neues Buch „Vom Opfer zum Gestalter – raus aus toxischen Beziehungen“ ist gerade erschienen.

Mehr aus Wissen

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken