Nicht nur für Geld oder den Chef – Für wen Sie wirklich arbeiten

Auch wenn sie manchmal nervt: Die meisten Menschen arbeiten gern, meint Karrierecoach Martin Wehrle (Symbolbild).

Auch wenn sie manchmal nervt: Die meisten Menschen arbeiten gern, meint Karrierecoach Martin Wehrle (Symbolbild).

Wenn ich Sie frage, für wen Sie arbeiten, was antworten Sie dann? Nennen Sie eine Firma? Nennen Sie einen Kunden? Nennen Sie eine Branche? Das alles mag nicht ganz falsch sein, ich glaube jedoch: Sie arbeiten in erster Linie für sich selbst. Das merken Menschen vor allem in zwei Situationen: wenn sie überraschend ihre Arbeit verlieren – oder wenn sie so reich werden, dass sie nicht mehr arbeiten müssten.

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Studien haben ergeben: Wer arbeitslos wird, leidet unter dieser Situation mehr als unter dem Verlust seines Lebens­partners. Offenbar verlieren die Menschen nicht nur einen Arbeits­platz, sondern auch ganz viel Lebens­sinn. Und Studien bei Lotto­gewinnern kamen zu dem Ergebnis: Die meisten arbeiten einfach weiter, auch wenn sie den Verdienst eigentlich nicht mehr brauchen. Wie ist das bei Ihnen: Sind Sie ganz sicher, dass Sie nach einem Lotto­gewinn Ihren Job aufgeben würden?

Wer arbeitet, gibt seinem Leben einen Sinn

Viele Menschen unterschätzen, wie wichtig die Arbeit für ihre Selbst­definition ist. Die Arbeit strukturiert den Tag. Die Arbeit sorgt für soziale Kontakte, mit Kundschaft und Kolleginnen und Kollegen. Und die Arbeit verschafft uns Befriedigung, weil wir für sie ein spezielles Wissen brauchen und bestenfalls einen Nutzen stiften. Wer arbeitet, gibt seinem Leben einen Sinn. Er hilft dabei mit, dass ein Produkt entsteht oder eine Dienst­leistung angeboten werden kann. Er wird Teil einer größeren Sache.

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Haben Sie mal überlegt, warum die häufigsten Nachnamen in Deutschland Berufs­bezeichnungen sind, ob Meier oder Müller, Jäger oder Fischer, Schulze oder Schröder? Diese Namen stammen aus dem Mittel­alter – da passte zwischen den Menschen und sein Beruf kein Blatt. Der Mensch lebte für seinen Beruf. Und fragen Sie sich selbst mal, was Sie sich von entfernten Nachbarn leichter merken können: den Namen? Oder den Beruf? Oft sagen wir doch anstelle des Namens: „der Polizist“ oder „die Verkäuferin“.

Die Arbeit dient vor allem Ihnen

Ich bin sicher: Alle Menschen, auch Sie, arbeiten gern. Und ich wette, dass es Ihnen besser geht, wenn Sie etwas zu tun haben, als wenn Sie keine Arbeit hätten. Also arbeiten Sie letztlich zu Ihrem eigenen Vorteil: für Ihr Glück, für Ihre Zufriedenheit, für Ihr Selbst­bewusstsein. Das Gehalt ist wichtig, aber steht nicht an erster Stelle. Denken Sie immer an diesen Punkt, gerade wenn Sie Ihr Arbeitgeber oder Ihr Chef einmal ärgert: Die Arbeit dient vor allem Ihnen. Diese Haltung wird Ihnen helfen, mit unwirtlichen Arbeits­bedingungen souveräner umzugehen. Denn Sie sind in erster Linie für Ihr eigenes Wohl und Ihr eigenes Denken verantwortlich. Wenn Sie das erkennen, prallt viel Äußeres von Ihnen ab.

Was schenkt Ihnen Ihre Arbeit? Was würde Ihnen ohne die Arbeit fehlen? Welche Menschen kennen Sie nur durch Ihre Arbeit? Welche Fähigkeiten verdanken Sie der Arbeit? Welches sind die für Sie die schönsten Momente im Verlauf eines Arbeitstages? Vielleicht haben Sie Lust, jeden Abend zu notieren, was Sie alles Positives bei der Arbeit erlebt haben.

Sie werden staunen, dass sich sogar am schwärzesten Tag noch zwei, drei positive Aspekte finden lassen. Damit tun Sie sich selbst einen Gefallen, denn das wird Ihre Laune heben und ihre Lust auf den nächsten Arbeitstag noch dazu. Denn Sie arbeiten nicht für Ihre Firma – Sie arbeiten für sich selbst.

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Martin Wehrle ist Karriere­coach und Autor, sein aktuelles Buch: „Den Netten beißen die Hunde – Wie Sie sich Respekt verschaffen, Grenzen setzen und den verdienten Erfolg erlangen“ (Mosaik, 2021).

In der Kolumne „Auf der Couch“ schreiben wechselnde Experten zu den Themen Partnerschaft, Achtsamkeit, Karriere und Gesundheit.

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