Kolumne „Von oben gesehen“

Kaskade an Reaktionen: Warum Klimakipppunkte eine so wichtige Rolle spielen

Eisberge in der Antarktis.

Eisberge in der Antarktis.

Eine globale Erwärmung von über 1,5 Grad könnte mehrere Klimakipppunkte auslösen, so meldet es eine kürzlich erschiene Studie unter Beteiligung von Forschenden des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Nach Hitzesommer, Waldbränden und Dürre ermüdet diese Meldung vielleicht. Wieder eine Klimakatastrophe. So ist es halt. Was soll man machen?

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Aber so harmlos „Kipppunkte“ vielleicht klingt, so immens ist ihre Bedeutung für das Klimasystem: Wenn die Stimmung kippt, kann man diese oft noch retten – bei Kipppunkten ist das per Definition anders. Kleinste Änderungen zum Beispiel der globalen Durchschnittstemperatur können dazu führen, dass sich bei Überschreiten eines gewissen Punktes regionale Klimaelemente plötzlich und abrupt ändern. Es ist der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

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Im menschlichen Körper ist so ein Kipppunkt die Körpertemperatur: Bei 41 Grad kann man Fieber bei den meisten Menschen noch senken. Steigt die Temperatur aber über 42,6 Grad, beginnen im Gehirn Eiweiße zu gerinnen – und das ist nicht mehr reparabel.

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Wir kennen die genaue kritische Gradgrenze nicht

Das Schwierige beim Klima ist: Man kann ein so komplexes System zwar sehr gut beobachten und mit Modellen analysieren, aber nicht exakt vorhersagen. Wir wissen also, welche Kippelemente es gibt, aber kennen – anders als beim menschlichen Körper – die genaue kritische Gradgrenze nicht.

Klar ist aber, so die Forschenden: Je höher die globale Durchschnittstemperatur steigt, desto wahrscheinlicher ist ein Einsetzen dieser Kipppunkte. Klar ist auch: Selbst wenn wir es schaffen, die bereits eingetretene Erderwärmung von 1,1 Grad auf 1,5 Grad zu begrenzen, ist es nicht ausgeschlossen, dass es bei fünf der 16 identifizierten Elementen zum Kippen kommen kann. Dazu gehören zum Beispiel sterbende tropische Korallenriffe oder auftauende Permafrostböden.

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Im Klimasystem herrschen zwischen den Kippelementen zudem auch noch Wechselwirkungen: Wird ein Kipppunkt erreicht, kann das den nächsten auslösen. Schmilzt zum Beispiel das grönländische Eisschild, steigt nicht nur der globale Meeresspiegel, sondern der vermehrte Eintritt von Frischwasser im Atlantik kann ein weiteres Element zum Kippen bringen: die Atlantikzirkulation, die wiederum Auswirkungen auf den Amazonas und den Monsun haben könnte. Eine Kaskade an Reaktionen – wie ein Domino Day im Klimasystem, nur nicht so schön bunt.

Wem angesichts dieser Nachrichten die Stimmung zu kippen droht: Die gute Nachricht lautet: Noch können wir die Erderwärmung langfristig auf 1,5 Grad begrenzen – und jedes 100stel Grad zählt. Und damit auch jede und jeder einzelne von uns.

Insa Thiele-Eich ist Meteorologin und forscht an der Universität Bonn an den Zusammen­hängen zwischen Klimawandel und Gesundheit. Seit 2017 trainiert sie im Rahmen der Initiative „Die Astronautin“ als Wissenschaftsastronautin für eine zweiwöchige Mission auf der Internationalen Raumstation – und wäre damit die erste deutsche Frau im All. Hier schreibt sie alle zwei Wochen über Raumfahrt, den Klimawandel und die faszinierende Welt der Wissenschaft.

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