Ist Kaffee ungesund? Acht Fragen und Antworten zum beliebten Heißgetränk

Erwachsene können pro Tag bedenkenlos vier Tassen Kaffee trinken.

Der Wecker klingelt, die Augen öffnen sich nur schwer. Mit Mühe und Not wird sich aus dem Bett gequält und bevor die Gehirnzellen überhaupt richtig arbeiten können, führt der Weg in die Küche: Kaffee! Für die meisten Menschen ist das Heißgetränk kaum aus der Morgenroutine wegzudenken.

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Kaffee ist das meistgetrunkene Getränk der Deutschen – noch vor Mineralwasser. Laut einer Umfrage des Deutschen Kaffeeverbandes tranken 2020 die Menschen hierzulande 168 Liter Kaffee pro Kopf – im Jahr 2019 lag der Pro-Kopf-Konsum bei 166 Litern. Lockdowns und Homeoffice scheinen die Menschen mehr zum Kaffeeautomaten zu locken. Aber wie viel Kaffee sollte man überhaupt trinken? Kann er süchtig machen? Und ist er eventuell sogar gesundheitsschädlich? Acht Fragen, acht Antworten.

1. Ist Kaffee ungesund?

Kaffee enthält Substanzen, die eine krebserregende Wirkung haben können, wie Furan oder Acrylamid, sagt Alfonso Lampen, Leiter der Abteilung für Lebensmittelsicherheit des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Ist das Trinken von Kaffee damit also generell krebserregend? Das nahm zumindest die Weltgesundheitsorganisation (WHO) lange Zeit an – bis 2016. Nachdem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der International Agency for Research on Cancer (IARC) der WHO mehr als 1000 Studien durchforstetet haben, wurde die Bewertung korrigiert: Dass ein genereller Kaffeekonsum krebserregend ist, konnte nicht ausreichend belegt werden. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sagte zu den Ergebnisse der IARC: „Lebensmittel wie Kaffee oder Fleisch sind in der Regel viel zu komplexe Gemische, um allgemeine Aussagen über ihr krebserregendes Potential ableiten zu können, die für Verbraucher von praktischem Nutzen wären.“

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Studien deuten jedoch darauf hin, „dass das Trinken sehr heißer Getränke eine wahrscheinliche Ursache von Speiseröhrenkrebs ist und dass die Temperatur und nicht die Getränke selbst dafür verantwortlich zu sein scheinen“, wird der Direktor des IARC, Christopher Wild, zitiert. Das Risiko steige mit der Temperatur des Getränks. Das gelte für Heißgetränke ab etwa 70 Grad Celsius – darunter auch Tee. Die Belege seien jedoch begrenzt, hieß es.

2. Ist Kaffee also gesund?

„Kaffee enthält verschiedene Substanzen, die die Gesundheit fördern und antioxidativ wirken“, sagt Alfonso Lampen. Eine britische Studie zeigte 2017: Kaffee habe mehr gesundheitliche Vorteile als Nachteile. Demnach reduziere er das Sterberisiko, das Risiko von Herz- und Lebererkrankungen, Krebs sowie Schlaganfällen. Außerdem fanden die Forschenden einen positiven Zusammenhang zwischen dem Kaffeekonsum und Stoffwechselerkrankungen (wie Typ-2-Diabetes), Parkinson, Alzheimer und Depressionen. Eine weitere Studie unterstützt die Ergebnisse zur Sterblichkeit: Demnach leben Kaffeetrinkerinnen und Kaffeetrinker länger.

Doch die Forschenden beider Studien schränken die Aussagekraft dieser Ergebnisse ein. Das Problem bei der Deutung ist der Unterschied zwischen der Korrelation (Wechselbeziehung) und Kausalität (Ursächlichkeit) der untersuchten Faktoren. Bedeutet: Es gibt viele weitere Umstände, die die Probandinnen und Probanden und demnach auch die Ergebnisse beeinflussen können. Kaffeetrinkende könnten sich beispielsweise generell meist gesünder ernähren und mehr Sport treiben. Oder Menschen, die länger leben oder weniger Herzprobleme haben, könnten dazu tendieren, mehr Kaffee zu trinken.

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3. Welche Auswirkungen hat Koffein?

Koffein ist eine der vielen Inhaltsstoffe der Kaffeebohne. Trinken wir Kaffee, sorgt er im Gehirn dafür, dass wir uns danach wacher fühlen. Doch das BfR weist darauf hin, dass die Substanz auch negative Wirkungen haben kann: Sie sorge teils für Nervosität, Schlaflosigkeit, Herzrhythmusstörungen, erhöhten Blutdruck und gastrointestinalen Störungen, also Störungen des Verdauungssystems. Das hänge jedoch auch von der Dosis ab.

4. Wie viel Kaffee ist unbedenklich?

Bis zu 200 mg Koffein sind laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in einer Einzeldosis Koffein unbedenklich. Pro Tag können Erwachsene 3 mg Koffein pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen. Umgerechnet auf Filterkaffee, mit etwa 90 mg Koffein pro Tasse, entspricht das etwa zwei Tassen Kaffee auf einmal oder vier Tassen über den Tag verteilt. Wann sich allerdings negative Auswirkungen wie Nervosität zeigen können, kann nach Angaben des BfR sehr verschieden sein. „So führt bei manchen Personen schon eine Tasse Kaffee zu Schlafstörungen“, schreibt das Institut. „Empfindliche Personen sollten auf den Konsum von Koffein, insbesondere in höheren Dosen, verzichten.“

5. Können Kinder bedenkenlos Kaffee trinken?

„Kinder sollten Kaffee meiden“, empfiehlt Alfonso Lampen vom BfR. Dennoch gelten laut der EFSA für Kinder und Jugendliche dieselben Empfehlungen wie für Erwachsene, sprich: 3 mg Koffein pro Kilogramm Körpergewicht und pro Tag. Ein 40 Kilogramm schweres Kind könnte demnach etwa eine Tasse Filterkaffee pro Tag trinken.

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6. Können Schwangere und Stillende Kaffee trinken?

Grundsätzlich können Schwangere und Stillende Kaffee trinken. Schwangere scheinen jedoch nach Angaben der WHO Koffein langsamer abzubauen als gewöhnlich. „Ergebnisse einiger Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass eine übermäßige Koffeinzufuhr mit Wachstumseinschränkung, verringertem Geburtsgewicht, Frühgeburt oder Totgeburt verbunden sein kann“, schreibt die WHO dazu. Daher empfehlt die EFSA schwangeren und stillenden Frauen nicht mehr als 200 mg Koffein über den Tag verteil zu konsumieren. Das entspricht etwa zwei Tassen Kaffee.

7. Macht Kaffee süchtig?

Ob Kaffee tatsächlich süchtig macht, ist unter Forschenden umstritten. Was aber nicht strittig ist: Wer häufig Kaffee trinkt, gewöhnt sich an den Effekt und somit auch an das Koffein. Dann wirkt es dadurch teilweise auch weniger stark als bei Menschen, die das Koffein nicht gewöhnt sind. Verzichten Kaffeetrinkende auf ihre tägliche Dosis, können tatsächlich Entzugserscheinungen auftreten, erklärt Mediziner Johannes Wimmer dem NDR. Darunter seien Kopfschmerzen, Gereiztheit oder auch Konzentrationsschwierigkeiten. „Man kann weder von einer Droge sprechen, noch ist es offiziell süchtig machend“, sagt Wimmer.

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8. Wann ist die passende Zeit zum Kaffeetrinken?

Der Gewöhnungseffekt kann vor allem morgens ein Problem sein. Statt direkt nach dem Aufstehen zum Kaffeeautomaten zu sprinten empfiehlt Wissenschaftlerin und Journalistin Mai Thi Nguyen-Kim erst eine Stunde nach dem Aufstehen zur Kaffeetasse zu greifen. Warum? Je mehr Energie ein Mensch verbraucht, umso mehr Adenosin produziert er. Das dockt an die sogenannten Adenosinrezeptoren im Hirn an – die Folge: Wir werden müde. Koffein ist sehr ähnlich wie Adenosin und kann sich daher ebenfalls an die Rezeptoren anheften und sie blockieren. Die Müdigkeit wird verhindert. Durch die Ausschüttung der Hormone Cortisol und Adrenalin lässt uns Koffein noch wacher fühlen. Aber: Cortisol produziert der Körper bis etwa eine Stunde nach dem Aufwachen bereits selbst. Wer dann noch zusätzlich Koffein trinkt, gewöhnt seinen Körper an die ungewöhnlich hohe Menge. Die Folge: Er braucht immer mehr.

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