Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen: Mehr Gewalttaten in der Corona-Pandemie

Anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen hat die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes am Mittwoch in Berlin demonstriert.

Anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen hat die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes am Mittwoch in Berlin demonstriert.

In Deutschland wird noch immer jede dritte Frau Opfer häuslicher Gewalt. Doch in der Corona-Pandemie kommt es in Paarbeziehungen durch die Isolation sogar noch häufiger zu Eskalationen, wie eine aktuelle Studie belegt. „Allzu oft werden Frauen beleidigt, misshandelt, vergewaltigt, zur Prostitution gezwungen“, schrieb auch Papst Franziskus bei Twitter. „Wenn wir eine bessere Welt wollen, die ein Haus des Friedens und nicht Schauplatz für Krieg ist, müssen wir für die Würde jeder Frau viel mehr tun.“ Anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen sollen bundesweite Aktionen von Aktivistinnen, Verbänden und Politikern auf diese Missstände hinweisen.

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Häusliche Gewalt in der Corona-Pandemie

„Gewalt gegen Frauen geht uns alle an“, erklärt Jutta König vom Sozialverband Deutschland. „Sie betrifft sämtliche Altersgruppen und soziale Schichten.“ Aufgrund der Corona-Pandemie hätte sich die Situation für Frauen in gewalttätigen Beziehungen allerdings noch verschärft. Das bestätigt auch eine repräsentative Studie der Technischen Universität München.

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Die Befragung wurde im April und Mai unter 3800 Frauen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren durchgeführt. Sie ergab, dass 3,1 Prozent der Frauen in Deutschland in der Zeit der strengen Kontaktbeschränkungen zu Hause Opfer körperlicher Gewalt wurden. 3,6 Prozent wurden von ihrem Partner vergewaltigt. Waren die Frauen in Quarantäne oder hatten die Familien finanzielle Sorgen, lagen diese Zahlen sogar deutlich höher.

Für die Hauptautorin der Studie, Prof. Janina Steinert, ist dabei besonders überraschend, dass von den Opfern mit knapp 50 Prozent verhältnismäßig wenige Frauen über Hilfsangeboten wie der Telefonseelsorge Bescheid wussten und dass nur 3,9 Prozent dieses Angebot auch nutzten. Unter der kostenfreien Rufnummer des Bundesfrauenministeriums 08000 116016 können Frauen jederzeit und anonym in 18 verschiedenen Sprachen Unterstützung in einer Notlage bekommen.

Rote Schuhe erinnern in Brandenburg an getötete Frauen

Im Innenhof des brandenburgischen Landtages wurden 135 Paar rote Schuhe für 135 Frauen aufgestellt, die 2019 in Deutschland von ihrem (Ex-)Partner getötet wurden oder an den Folgen von Misshandlung starben. Allein 117 davon wurden nach Angaben von Hilfsorganisationen von ihrem früheren Partner umgebracht.

Für Claudia Sprengel, Sprecherin des Frauenpolitischen Rates, ist klar: „Um Gewalt gegen Frauen bis hin zu ihrer Tötung (Femiziden) zu bekämpfen, braucht es nachhaltige Präventionsarbeit. Wenn die Frage kommt ‚Warum ist sie nicht früher gegangen?‘, darf die Antwort niemals sein ‚Weil kein Platz frei war‘.“ Mit einem Frauenhaus-Finanzierungsgesetz könnten flächendeckend Beratungsangebote bereitgestellt werden.

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Frauenrechtlerinnen protestieren gegen Zwangs- und Frühehen

In Berlin hat die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes am Mittwoch vor dem Brandenburger Tor gegen Zwangsverheiratungen und Frühehen demonstriert. Die Organisation fordert, die Präventionsarbeit in Schulen und die Arbeit der Jugendämter auszubauen. Fälle von Früh- und Zwangsehen sollten besser erfasst und regelmäßig veröffentlicht werden. Nach Angaben von Terre des Femmes gab es in den vergangenen drei Jahren 1232 Frühehen in Deutschland. Die meisten Früh- und Zwangsverheiratungen würden im Rahmen von religiösen und traditionellen Zeremonien stattfinden.

Der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen wurde 1999 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Seitdem finden am 25. November Aktionen und Gedenkveranstaltungen zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen statt. Schon vor der Pandemie wurden im vergangenen Jahr den UN zufolge 243 Millionen Fälle von häuslicher und/oder sexueller Gewalt gegen Frauen und Mädchen im Alter von 15 bis 49 Jahren gemeldet. Die Dunkelziffer ist deutlich höher.

RND/mf/dpa/epd

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