Süß aufs Brot

Aus dem Supermarkt oder vom Nachbarn: Worauf Sie beim Honigkauf achten sollten

Honig schmeckt süß.

Honig schmeckt süß.

Im alten Ägypten galt er als Quelle der Unsterblichkeit, die Germaninnen und Germanen brauten daraus ihren Göttertrank, den Met, und im antiken Griechenland schätzte man ihn als Medizin: Honig wird seit Tausenden Jahren von Menschen genutzt und genossen. Heute zählt er hierzulande zu den beliebtesten Brotaufstrichen.

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Der meiste Honig ist nicht regional

Mehr als 20 Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher greifen laut dem Statistikportal Statista mindestens einmal pro Woche zu dem zähflüssigen Bienenerzeugnis. Honig ist so beliebt, dass die allein in der Bundesrepublik produzierte Menge bei Weitem nicht ausreicht, um den Bedarf der Deutschen zu stillen. Rund 80 Prozent des Honigs müssen daher importiert werden. Der größte Teil stammt aus der Ukra­ine, Mexiko und Argentinien. Bei vielen Gläsern handelt es sich also nicht um ein regionales Produkt – obwohl Begriffe auf den Etiketten wie „Landhonig“ das teilweise suggerieren.

Händler müssen zwar angeben, ob ihr Produkt aus der EU oder aus Nicht-EU-Ländern stammt, aber weder das genaue Herkunftsland noch welches Mischungsverhältnis vorliegt. „Es kann also sein, dass 99,9 Prozent aus Nicht-EU-Ländern kommen und nur 0,1 Prozent aus der EU“, sagt Sabine Hülsmann, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern. Nur wenn der Honig aus nur einem Land komme, stehe dieses Land als Herkunftsland auch auf dem Etikett.

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Qualitätssiegel wesentlich für Kaufentscheidung

Ob der Honig aus Deutschland oder aus anderen Ländern stammt, ist allerdings auch nicht zwingend ein Qualitätskriterium. „Honig aus Deutschland, der als Akazienhonig verkauft wird, ist eigentlich Robinienhonig. Denn Akazien wachsen bei uns gar nicht. Wer also echten Akazienhonig essen möchte, der muss Honig aus Nicht-EU-Ländern kaufen“, erklärt Hülsmann. „Wenn Honig nicht aus der EU stammt, ist das nicht unbedingt immer schlechter.“ Allerdings schmecke besonders solcher von großen Konzernen, der häufig aus Mischungen aus EU- und Nicht-EU-Ware besteht, in der Regel immer gleich.

Für Honigexperte Werner von der Ohe sind neben dem Herkunftsnachweis auch die Qualitätssiegel wesentlich für eine Kaufentscheidung: „Jeder Honig, den man im Supermarkt kaufen kann, entspricht der Honigverordnung und ist somit guter Honig“, sagt der Biologieprofessor und langjährige Leiter des Laves-Instituts für Bienenkunde in Celle. „Wer noch besseren Honig haben möchte, kauft Gläser des Deutschen Imkerbundes. Deren Qualitätsstandards sind noch strenger als die des staatlich verordneten Mindeststandards“, sagt von der Ohe.

Unterschiedliche Enzym- oder Mineralstoffgehalte

„Die Bienen produzieren den Honig immer nach dem gleichen Schema, egal, wo sie auf der Welt leben“, führt von der Ohe aus. Allerdings müsse der Honig, wenn er importiert werde, häufig längere Transport- und Lagerzeiten überstehen, bevor er abgefüllt wird. „Ein Honig, der einen langen Weg hinter sich hat, wird nicht mehr in derselben guten Qualität abgefüllt wie beim Imker oder bei der Imkerin um die Ecke. Man ist also gut beraten, seinen Honig in der Nachbarschaft zu kaufen“, empfiehlt der Biologe. Verbraucherschützerin Hülsmann sieht das ebenfalls so und ergänzt: „Dann unterstützt man die regionalen Initiativen und im Honig sind dann zum Beispiel auch die Pollen enthalten, von denen man ohnehin umgeben ist und die der Körper kennt.“

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Neben der Herkunft und den Qualitätssiegeln ist das entscheidende Kaufargument aber der Geschmack: „Sortenhonige unterscheiden sich in Enzym- oder Mineralstoffgehalten sowie den Zuckerspektren“, sagt von der Ohe. Er würde aber immer dazu raten, den Honig zu nehmen, der einem am besten schmecke – und ab und zu mal andere zu probieren. „Das macht man ja bei Käse oder Brot auch, warum dann nicht auch bei Honig?“

Bienen bleiben einer Pflanze treu

Denn eines ist klar: Honig ist nicht gleich Honig. Je nachdem, wo und wann die Bienen den Nektar ernten, entstehen unterschiedliche Sorten, die sich in Konsistenz, Farbe und Geschmack unterscheiden. Bienen sind, wenn sie erst mal eine gute Nektarquelle gefunden haben, „blütenstet“. Sie bleiben also einer Pflanze treu und locken auch ihre Artgenossinnen dorthin. „Leben die Bienen in der Nähe eines Rapsfeldes, liegt es nahe, dass sie auch Rapshonig produzieren“, sagt Hülsmann. „Wenn Imker die Sorte auf das Etikett schreiben wollen, müssen sie sich das aber noch von einem Labor bestätigen lassen.“

Raps- oder Sonnenblumen-Blütenhonige seien zudem meist heller, Waldhonige eher dunkler. „Das liegt daran, dass in Waldhonig mehr Mineralstoffe enthalten sind. Die Bienen produzieren ihn nicht aus Nektar, sondern aus Sekreten, die Nadelbaumläuse ausscheiden und die von den Bienen aufgenommen werden“, erläutert die Ernährungsexpertin.

Höherer Aufwand für Spezialhonige

Die Konsistenz des Honigs werde von der Zusammensetzung der verschiedenen Zuckerarten bestimmt, sagt Hülsmann. „In Akazienhonig ist zum Beispiel ein großer Anteil Fruktose enthalten, der den Honig flüssig hält. Rapshonig ist in der Regel fest, weil viel Glukose, also Traubenzucker, enthalten ist.“

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Je nach Sorte, Qualitätssiegeln und botanischer Herkunft variiert auch der Preis: „Ein 500-Gramm-Glas Honig liegt derzeit bei circa 6 Euro“, sagt von der Ohe. Spezialhonige wie Tannenhonig aus Bayern oder ein Heidehonig aus der Lüneburger Heide könnten aber auch locker 11 Euro kosten, weil die Imkerinnen und Imker aufgrund der geringeren Ernte einen höheren Aufwand hätten.

Deutschland glänzt mit hohem Honigkonsum

Honig in der Nachbarschaft zu kaufen dürfte in den vergangenen Jahren immer einfacher geworden sein. Denn seit etwa 15 Jahren nehme die Anzahl der Imkerinnen und Imker von der Ohe zufolge immer weiter zu. „Auch wenn nicht alle dabeibleiben, gibt es seit 2006 eine beständige Nettozunahme an Imkerinnen und Imkern“, weiß er. Nachdem es Anfang der 2000er-Jahre dramatische Verluste von Bienenvölkern gegeben hatte, hätten sich viele dazu entschlossen, sich für den Erhalt der Honigbienen und für die Natur zu engagieren – und fingen mit dem Imkern an.

Dass Bienen als Bestäuberinnen eine große Bedeutung für unser Ökosystem haben, ist weltweit bekannt, wird aber hier besonders geschätzt: „Deutschland glänzt im Vergleich zu allen anderen Nationen mit einem sehr hohen Honigkonsum. Das liegt vielleicht daran, dass der Stellenwert der Bienenvölker in Deutschland besonders hochgehalten wird“, vermutet Biologe von der Ohe. Dabei seien, wenn von Bienensterben gesprochen werde, eigentlich gar nicht die Honig-, sondern vielmehr die Wildbienen gemeint. Diesen droht zumindest von den Honigbienenschwärmen keine Gefahr: „Für die weit überwiegenden Landschaften gibt es keine wissenschaftlich eindeutigen Belege dafür, dass die Honigbiene eine Konkurrenz für die Wildbiene ist, was die Nahrung angeht“, erläutert von der Ohe. Nur für Naturschutzgebiete bedürfe es gegebenenfalls einer Einzelfallentscheidung. „Wer sich entschließt, in der Stadt oder auf dem Dorf zu imkern, gefährdet also nicht den Lebensraum der Wildbienen.“ Und Honig aus der Nachbarschaft gibt es dann auch genug.

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