Hitze, Feuer, Dürre: Welche Folgen hat der Klimawandel für den Mittelmeerraum?

Türkei, Koycegiz: Rauch und Flammen steigen während eines Waldbrandes empor.

Türkei, Koycegiz: Rauch und Flammen steigen während eines Waldbrandes empor.

Der Kampf gegen die Brände im Mittelmeerraum ist noch nicht vorbei. Die Türkei hat die schlimmsten Brände seit mehr als zehn Jahren erlebt. Auch in den nächsten Tagen soll es sehr heiß und trocken werden. Die Brandgefahr bleibt hoch.

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In Griechenland geht das geologische Institut der Universität Athen aktuell von 90.000 Hektar verbrannter Fläche im ganzen Land aus. Die größte Fläche ist den Wissenschaftlern zufolge bisher auf der Insel Euböa verbrannt, wo die Feuer noch nicht einmal gelöscht sind: Rund 51.000 Hektar Wald liegen dort bereits in Asche.

Selbst wenn die Brände gelöscht seien, sei damit die Gefahr noch nicht gebannt, sagte Niki Evelpidou, an der Athener Uni Professorin für Geologie und Geo-Umwelt, am Dienstag der Tageszeitung „Kathimerini“. Oft folgten „Überschwemmungen, Schlammlawinen und Erdrutsche, die bei starken Regenfällen katastrophal sein können, was in den letzten Jahren sehr häufig vorkam“.

Hitze, Feuer, Schlammlawinen: Ist das zukünftig die neue Realität am Mittelmeer – eine Folge des Klimawandels?

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Zunahme von „Feuerwetterbedingungen“ erwartet.

Der Weltklimarat hat am Montag den ersten Teil seines 6. Sachstandsberichts veröffentlicht. Der Bericht der Arbeitsgruppe I hat sich mit den naturwissenschaftlichen Aspekten des Klimasystems und des Klimawandels beschäftigt. Er zeigt, dass die Erderwärmung sich wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge schon heute in allen Regionen der Welt bemerkbar macht.

Gemäß dem Bericht des Weltklimarates ist die globale Oberflächentemperatur seit 1970 stärker angestiegen als in irgendeinem Vergleichszeitraum der vergangenen 2000 Jahre. Das führe etwa in Europa immer häufiger zu Phasen extremer Hitze, zu Dürre sowie zu Starkregen. Gebiete im südlichen Afrika oder am Mittelmeer, wo es ohnehin schon trocken und warm ist, seien noch drastischer von Trockenheit und Hitze betroffen, hieß es weiter.

Die Klimamodelle werden immer präziser, auch regional. Der IPCC hat die Klimaerkenntnisse für verschiedene Regionen zusammengefasst. Im Mittelmeerraum lässt sich demzufolge schon eine Zunahme von Dürren beobachten. Bei einer globaler Erderwärmung von zwei Grad und mehr werden eine Zunahme von Trockenheit und „Feuerwetterbedingungen“ erwartet. Während quasi in allen europäischen Regionen Extremniederschläge und dadurch verursachte Überschwemmungen bei einer Erderwärmung von mehr als 1,5 Grad zunehmen werden, gilt dies nicht für das Mittelmeer.

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Bei einer Erderwärmung von zwei Grad und mehr ist davon auszugehen, dass verschiedene Faktoren kombiniert werden, wie etwa Temperaturextreme, eine Zunahme von Dürren und Trockenheit, eine Abnahme von Niederschlägen und der Schneedecke.

IPCC-Entwurf: Mittelmeerraum „Klimawandel-Hotspot“

Drastischer formuliert es ein Entwurf der Arbeitsgruppe II, aus dem die Nachrichtenagentur AFP vergangene Woche zitierte. Der Bericht soll im Februar 2022 veröffentlicht werden, die Aussagen können noch bearbeitet werden. Im zitierten Entwurf für das Kapitel, das sich mit den Klimafolgen für die Mittelmeerregion beschäftigen wird, heißt es demnach, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der Mittelmeerregion „stark vernetzten Klimarisiken“ ausgesetzt seien.

Grund zur Besorgnis seien Risiken im Zusammenhang mit einem steigendem Meeresspiegel, der Verlust der biologischen Vielfalt, Veränderungen des Wasserkreislaufs, Gefährdung der Nahrungsmittelproduktion und Gesundheitsrisiken unter anderem durch Hitze. So projizierten Klimamodelle in den kommenden Jahrzehnten für den Mittelmeerraum Temperaturen, die rund 20 Prozent über dem globalen Durchschnitt liegen würden.

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Millionen Menschen seien demnach einem erhöhten Risiko von Wasserknappheit, Küstenüberschwemmungen und tödlicher Hitze ausgesetzt. Sollte die durchschnittliche globale Oberflächentemperatur zwei Grad betragen, dann werde die verbrannte Waldfläche um 87 Prozent zunehmen, schreibt AFP.

Nur bei einer Begrenzung der Erderwärmung auf weniger als zwei Grad sei die Erhaltung von Küstensiedlungen, Kulturstätten und Land- und Wasserökosystem in einem lebensfähigen Zustand in großen Teilen der Region wahrscheinlich. Die Mittelmeerregion sei nicht die Region, die die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekomme, aber ein „Klimawandel-Hotspot“.

RND/dpa/epd/asu

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