Forscher entwickeln Antibabygel für den Mann

Bislang war hormonelle Verhütung Frauen-Sache. Das Antibabygel könnte den Verhütungsmittel-Markt revolutionieren.

Bislang war hormonelle Verhütung Frauen-Sache. Das Antibabygel könnte den Verhütungsmittel-Markt revolutionieren.

Am 18. August 1960 kam die Antibabypille in den USA auf den Markt. Sie wurde gefeiert als sexuelle Revolution und Weg in eine neue Freiheit – mit Folgen allein für die Frauen. Zudem kann die Pille schwere Nebenwirkungen haben. Warum bloß gibt es nach so vielen Jahrzehnten noch immer keine Antibabypille für den Mann? Bislang müssen sich Männer nicht mit Hormonen belasten. Doch jetzt könnte sich an dieser ungerechten Aufteilung zwischen den Geschlechtern etwas ändern. Ein Antibabygel für den Mann ist auf dem Weg.

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Gel wird auf Schultern und Oberarmen verteilt

Insgesamt nahmen 420 Paare weltweit an den Versuchen teil, die unter schwedischer Federführung stattfanden. Das Gel wird auf Schultern und Oberarmen aufgetragen: Die Hormone Nestoron und Testosteron sollen die Spermienproduktion hemmen.

Bereits jetzt stellen schwedische Wissenschaftler fest: Es gab keine einzige ungewünschte Schwangerschaft. „Wir haben bereits Studien durchgeführt, in denen es um die Sicherheit und Nebenwirkungen des Gels ging. Nun sind wir in der Phase, wo wir ausdrücklich darauf schauen, ob das Gel verlässlich ist als Verhütungsmittel für Paare“, sagt Kristina Gemzell Danielsson. Sie ist Professorin für Obstetrik und Gynäkologie am renommierten Karolinska-Institut in Stockholm, das die Nobelpreise für Medizin vergibt.

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Pharmakonzerne zeigen am Projekt kaum Interesse

Ein ethisches Problem ergebe sich, wenn das Gel nicht hundertprozentig funktioniere, so die Forscherin, denn die Konsequenzen müssten die Frauen tragen, die dadurch schwanger würden. Bislang jedoch gab es ihren Worten zufolge keinen einzigen entsprechenden Fall. Grundsätzlich hielt sich seit der Entwicklung der Pille für die Frau das kommerzielle Interesse in Grenzen, ein hormonelles Verhütungsmittel für Männer zu entwickeln, so Danielsson. Die derzeitigen Lösungen würden ein Maximum an Gewinn für die Pharmaindustrie generieren.

Das Antibabygel-Projekt wird von Schweden, den USA und weiteren Ländern finanziert. Das Mittel für den Mann könnte in frühestens fünf Jahren auf den Markt kommen, sagt die schwedische Studienleiterin. Die finanzkräftigen Pharmakonzerne hätten bisher kaum Interesse daran gezeigt, das Projekt zu unterstützen. Sonst könnte es viel schneller gehen, so Danielsson.

Offenbar zweifeln die Konzerne daran, dass sich Männer Hormoneingriffen aussetzen möchten, wie sie für Frauen seit mehr als einem halben Jahrhundert gang und gäbe sind. Immerhin: Es sei kein Problem gewesen, Studienteilnehmer und -teilnehmerinnen zu finden. Schweden gilt als emanzipiertes Land. Ob das Gel überall auf so großes Interesse stößt, bleibt aber fraglich.

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