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Klimakrise in den Alpen

Forschende: Künftig seltener weiße Berge in Italien, Frankreich und Co.

Die Alpen werden einer Studie zufolge wegen des Klimawandels immer seltener weiß.

Bozen. Bei weiterhin hohem Treibhausgas­ausstoß wird künftig in den Alpen deutlich seltener Schnee liegen. Die fortschreitende Klimaerwärmung könnte im schlimmsten Fall – ohne Klimaschutzmaßnahmen – zur Folge haben, dass sich die Zahl der Tage mit Schneebedeckung bis zum Ende des Jahrhunderts gemittelt über den ganzen Alpenraum fast halbiert, wie ein Forscherduo im Fachblatt „Hydrology and Earth Sciences“ schreibt. Besonders betroffen wären demnach die südlichen Alpen, also Regionen in Italien, Slowenien und Frankreich.

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Michael Matiu und Florian Hanzer vom Forschungszentrum Eurac Research im italienischen Bozen hatten sich zunächst mithilfe von Satellitendaten für die Jahre 2000 bis 2020 die Schneebedeckung in den Alpen angeschaut. So stellten sie für bestimmte Regionen und Höhenlagen fest, an wie vielen Tagen im Jahr dort Schnee lag. Die Höhe der Schneedecke wurde dabei nicht untersucht.

Pariser Klimaziele könnten den Schaden begrenzen

Mithilfe von Klimamodellen erstellten die Forscher dann verschiedene Szenarien zur künftigen Schneesituation im Alpenraum – abhängig vom weiteren Verlauf der Klimakrise. Tiefere Lagen würden der Studie zufolge besonders viele Schneetage einbüßen, höhere Lagen weniger. Zudem gibt es Unterschiede nach Regionen. Matiu betont, dass die Einhaltung der Pariser Klimaziele – also einer Begrenzung der Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad und möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter – den Schaden stark begrenzen würde. „Das macht Hoffnung“, wird er in einer Pressemitteilung zitiert.

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Ein Beispiel: Auf 2500 Metern lag gemittelt über den ganzen Alpenraum zuletzt an 239 Tagen im Jahre Schnee. Im schlimmsten angenommenen Fall – bei einer globalen Erwärmung von vier bis fünf Grad – wären es am Ende des Jahrhunderts nur noch 163 Tage. Bei Einhaltung der Pariser Klimaziele würden den neuen Prognosen zufolge in jener Höhe immerhin noch 213 Tage mit Schneebedeckung bleiben.

Auf 500 Metern Höhe würde die Anzahl der Schneetage im Alpenschnitt bei einer starken Erwärmung von 19 auf fünf Tage zurückgehen. Bei deutlich reduzierten Emissionen wären es immerhin noch 15 Tage. Dass künftig an weniger Tagen Schnee liegt, sei erwartbar gewesen, sagt Matiu. „Aber die Änderungen bei einer starken Erderwärmung von vier bis fünf Grad sind sehr hoch.“

Weniger Schnee kann sich auch auf die Energie- und Wasserversorgung auswirken

Wenn in den Bergen an weniger Tagen im Jahr Schnee liegt, kann das drastische Auswirkungen haben, beispielsweise auf den Wasserkreislauf. Im Winter kommt dann mehr Wasser von den Bergen, das sonst als Schnee dort liegen bleiben würde. Im Frühjahr und Sommer gibt es dafür weniger Schmelzwasser, dass in die Täler fließt. Betroffene Regionen müssten Wege finden, um trotz dieser Veränderungen künftig zur richtigen Zeit genug Wasser für die Landwirtschaft, die Energieversorgung, den Hausgebrauch und den Tourismus zu haben, sagte Matiu. Auch Skigebiete dürften es dann deutlich schwerer haben.

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Zu befürchten ist außerdem, dass der klimawandelbedingte Schneemangel die Erderwärmung weiter antreibt. Denn weiße Schneeflächen reflektieren mehr Sonnenlicht als Felsen oder Grasflächen. Dadurch erhitzen sich diese schneller. Zudem bedrohen steigende Temperaturen viele berühmte Pflanzen- und Tierarten der Alpen, von bestimmten Bergblumen bis zu Steinböcken und Murmeltieren.

RND/dpa

 

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