Kolumne „Von oben gesehen“

Warum sich Astronauten und Astronautinnen zukünftig vegan ernähren müssen

Verschiedene Bohnen liegen auf Holzlöffeln.

Verschiedene Bohnen liegen auf Holzlöffeln.

Als ich mich als Teenagerin das erste Mal bewusst damit auseinandergesetzt habe, wie ich Astronautin werden kann, gab es zwischen den ohnehin anspruchsvollen Anforderungen drei offensichtliche Hürden: meine Körpergröße, meine Nationalität und dass ich damals Vegetarierin war.

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Lange Zeit gab es keine Möglichkeit, bei der Ernährung im All auf Fleisch zu verzichten: Es galt als fester und wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung, und die aufwendig produzierten Rezepte enthielten in den Hauptgerichten nahezu alle Fleisch. Da meine persön­liche Entscheidung, kein Fleisch zu essen, damals moralisch-ethisch motiviert war, hat mir diese Hürde einige Gewissensbisse verursacht: Muss ich etwa für den Traum, ins All zu fliegen, die eigenen Überzeugungen über Bord werfen?

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Erste Vegetarierin im All

Zu meinem Glück flog wenig später im Jahr 1997 Kalpana Chawla ins All, die erste Frau indischer Herkunft – und strikte Vegetarierin. Auch die Kollegin meines Vaters, Janice Voss, ernährte sich vegetarisch, und so wurde es zumindest offiziell geduldet, auch im All auf Fleisch zu verzichten.

Ausnahme bleibt es dennoch. Sowohl beim Standardessen als auch beim sogenannten Bonusessen, das für besondere Anlässe und zu PR‑Zwecken auf die Raumstation mitgenommen werden darf, überwiegt das Fleisch: Für „Astro-Alex“ gibt’s Saitenwürstle und Indian Butter Chicken, bei Matthias Maurer darf in der saarländischen Spezialität „Geheirade“ der Schinken nicht fehlen. Und was würde auf unserem Speiseplan stehen?

Spaziergang im Weltraum: Kosmonauten im Außeneinsatz an der ISS

Die beiden russischen Ingenieure verließen jüngst das russische Modul der Internationalen Raumstation, um den Einsatz eines Roboterarms vorzubereiten.

Zum Mars mit veganem Essen?

Meinen persönlichen Fleischkonsum habe ich zwischenzeitlich auch aus Klimaschutzgründen stark eingeschränkt. Für die von uns geplante Wissenschaftsmission haben wir uns daher zum Ziel gesetzt, auf rein pflanzliche Produkte zu setzen. Ein allzu großes Opfer wird das heutzu­tage nicht mehr sein: Während ich mit sechzehn nur ein sehr kleines Angebot an Fleisch­ersatzprodukten im Reformhaus erstehen konnte, freuen sich meine Kinder über pflanzlichen Nuggets im Kindermenü.

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Mich wundert es, dass dieser Trend bisher nicht auf der Raumstation eingezogen ist. Denn bei der pflanzenbasierten Ernährung geht es nicht nur um Klimaschutz, sondern sie ist ist für eine Mission zum Mars sogar essenziell. Denn dorthin wird die Besatzung mehr als zwei Jahre unterwegs sein, Versorgungsschiffe wie zur Raumstation gibt es keine: Es macht also auf Grund von Haltbarkeit und Lagermöglichkeiten schlicht keinen Sinn, auf tierische Produkte zu setzen.

Die Nasa hat schon begonnen, vegane Rezepte zu entwickeln, eine israelische Firma hat auf der ISS sogar schon ein synthetisches Rindersteak per 3-D-Drucker erzeugt. Höchste Zeit also, die pflanzenbasierte Ernährung in die Praxis zu überführen – auf der Erde wie im All!

Insa Thiele-Eich ist Meteorologin und forscht an der Universität Bonn an den Zusammen­hängen zwischen Klimawandel und Gesundheit. Seit 2017 trainiert sie im Rahmen der Initiative „Die Astronautin“ als Wissenschaftsastronautin für eine zweiwöchige Mission auf der Internationalen Raumstation – und wäre damit die erste deutsche Frau im All. Hier schreibt sie alle zwei Wochen über Raumfahrt, den Klimawandel und die faszinierende Welt der Wissenschaft.

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