„Es funktioniert nicht“

Doch kein Leben auf der Venus?

Seit Jahrzehnten spekulieren Astrobiologinnen und Astrobiologen über die Möglichkeit bakteriellen Lebens in der Atmosphäre der Venus. Bild: Digitale Illustration des Planeten Venus.

Seit Jahrzehnten spekulieren Astrobiologinnen und Astrobiologen über die Möglichkeit bakteriellen Lebens in der Atmosphäre der Venus. Bild: Digitale Illustration des Planeten Venus.

Seit Jahrzehnten spekulieren Astrobiologinnen und Astrobiologen über die Möglichkeit bakteriellen Lebens in der Atmosphäre der Venus. Der Planet ähnelt in Bezug auf Größe und Masse zwar der Erde – doch die größere Nähe zur Sonne hat zu einem gewaltigen Treibhauseffekt geführt: Auf seiner knochentrockenen Oberfläche herrschen höllische Temperaturen um 450 Grad und ein hundertmal höherer Druck als auf der Erdoberfläche.

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Gleichwohl: In der dichten Atmosphäre, in einer Höhe von 50 bis 60 Kilometern, herrschen bezüglich Temperatur und Druck Bedingungen, die denen an der Erdoberfläche ähneln und die damit durchaus lebensfreundlich sind. Bakterien, so die Astrobiologinnen und Astrobiologen, könnten sich dort wohlfühlen. Doch ein Forschungsteam aus Großbritannien verpasst dieser Idee jetzt einen gewaltigen Dämpfer: Der Stoffwechsel solcher Mikroben läge nicht mit der beobachteten Zusammensetzung der Venusatmosphäre in Übereinstimmung, so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Fachblatt „Nature Communications“.

„Wir haben zwei Jahre mit dem Versuch zugebracht, die seltsame, auf Schwefel basierende Chemie in den Wolken der Venus zu erklären“, erläutert Paul Rimmer von der University of Cambridge. „Leben ist ziemlich gut darin, eine seltsame chemische Zusammensetzung zu erzeugen.“ Unsere Erde selbst ist ein gutes Beispiel dafür: Ohne die Sauerstoff produzierenden Pflanzen wäre der hohe Sauerstoffgehalt der Erdatmosphäre nicht denkbar. „Deshalb“, so Rimmer weiter, „haben wir nach Wegen gesucht, mithilfe von Bakterien die Beobachtungsdaten zu erklären.“

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Schwefeldioxid könnte Bakterien als Nahrung dienen

Rätselhaft ist insbesondere die Häufigkeit von Schwefeldioxid in der Atmosphäre der Venus. Auf der Erde stammt Schwefeldioxid hauptsächlich aus Vulkanen. Auch auf der Venus gibt es aktive Vulkane, die Schwefeldioxid in die Atmosphäre blasen könnten. Doch der Anteil dieses Gases ist lediglich in der unteren Wolkenschicht hoch – darüber nimmt er rapide wieder ab. Irgendein Prozess müsse dort also das Schwefeldioxid verbrauchen, so die Forschenden.

Die Idee von Rimmer und seinen Kolleginnen und Kollegen: Das Schwefeldioxid dient Bakterien in der dortigen, angenehm temperierten Region der Atmosphäre als Nahrung und Energiequelle. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten also eine Liste möglicher Bakterienstoffwechsel auf der Basis von Schwefeldioxid auf, um zu sehen, ob sich damit die Verringerung des Gases erklären ließe. Und damit waren sie zunächst erfolgreich: Bakterien könnten tatsächlich das Absinken des Anteils an Schwefeldioxid mit zunehmender Höhe erklären.

„Es funktioniert nicht“

Doch der vermeintliche Erfolg hat einen Haken. Denn ein solcher Stoffwechsel produziert stets auch Ausscheidungen – also andere Moleküle. Und dabei handelt es sich, wie Rimmer und seine Kolleginnen und Kollegen mit Bedauern feststellen mussten, stets um Stoffe, die in der Venusatmosphäre nicht vorhanden sind. „Wir hätten gern gezeigt, dass Bakterien eine mögliche Lösung sind“, gesteht Rimmers Kollege Sean Jordan. „Aber unsere Modelle zeigen, dass es nicht funktioniert. Sie verstoßen gegen alles, was wir über die Atmosphäre der Venus wissen.“

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Damit bleibt das Rätsel des Schwefeldioxids in der Venusatmosphäre zunächst weiter ungelöst. Die Forschenden wollen nun nicht biologische Ansätze für die seltsame Chemie in den Wolken des Planeten untersuchen. Außerdem hoffen sie, ihre Methode schon bald auch auf Planeten bei anderen Sternen anwenden zu können. Mit dem neuen James-Web-Teleskop beispielsweise könnten sich Schwefelverbindungen dort nachweisen lassen. „Das, was wir bei der Venus gelernt haben, können wir dann auch bei Exoplaneten anwenden“, so Rimmer.

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