Zwischen Kryptowinter und Zukunftshoffnungen: Sollte man jetzt auf den Bitcoin setzen?

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Dash, Iota, Ethereum und Bitcoin: Mittlerweile existieren mehr als 1400 unterschiedliche Kryptowährungen.

Hannover. Im Herbst vergangenen Jahres ging es für den Bitcoin steil nach oben: Innerhalb eines Jahres war der Wert um sagenhafte 400 Prozent gestiegen. Knapp 65.000 Dollar kostete eine digitale Münze der beliebtesten Kryptowährung bei ihrem Allzeithoch – um binnen zwei Monaten auf gut 35.000 Dollar abzustürzen. Nun hat sich der Kurs etwas erholt – sollte man zuschlagen in der Hoffnung auf ein weiteres üppiges Kursplus? Oder sollte man lieber die Finger von der Kryptowährung lassen?

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Über die Hintergründe des jüngsten Absturzes und der seit Mitte Januar anhaltenden Kursflaute gehen die Meinungen auseinander. Philipp Sandner, Kryptoexperte an der Frankfurt School of Finance & Management etwa macht die schärfere Regulierung in Russland und China verantwortlich, ebenso wie die Zentralbanken: „Die generelle Stimmung an Kapitalmärkten hat sich aufgrund bevorstehender Zinserhöhungen eingetrübt“, meint der Professor.

Bitcoin ist eine sehr spekulative Anlage

Doch Ursachen für die Kursflaute könnte es auch andere geben. So hatten viele Anlegerinnen und Anleger im Herbst vor allem in sozialen Medien einen Kurssprung auf 100.000 Dollar beschworen. Erfüllt hat sich das bekanntlich nicht. Und Daten der Analyseseite Coinglass zeigen, dass seitdem zahlreiche Wetten auf steigende Kurse geplatzt sind, was den Preis des Bitcoins tendenziell nach unten drückt.

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„Der Bitcoin ist eine sehr spekulative Anlage“, betont denn auch Thomas Mai, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Dass sich der Kurs des Bitcoins seit dem Start 2009 verzigfacht hat, bedeutet aus seiner Sicht nicht, dass es zwangsweise so weitergeht. Noch sei es eine junge Form der Geldanlage, verlässliche Zukunftsprognosen ließen sich aus der Kursentwicklung in der Vergangenheit nicht ableiten.

Bei der klassischen Wertpapierbörse hingegen, bei der man auf weitaus längere Zeiträume zurückschauen könne, sei der Fall klar, sagt Mai: Es gehe nach jedem Rücksetzer wieder bergauf. „Das kann mal fünf Jahre dauern oder mal acht, aber die Tendenz nach oben ist immer da.“

Wie es beim Bitcoin weitergeht, ist unklar

Ob es beim Bitcoin bald wieder bergauf geht, darüber scheiden sich die Geister. Analysten der Schweizer UBS warnten zuletzt vor einem „Kryptowinter“, einer längeren Phase niedriger Kurse. Ihnen zufolge wird der fortwährende Kampf der Zentralbanken gegen steigende Inflationsraten den Kurs von Kryptowährungen dauerhaft drücken, während Anleger zunehmend von der hohen Volatilität der Kurse abgeschreckt werden.

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Sandner hingegen gehört zu den Optimisten, die dauerhaft niedrige Kurse für eher unwahrscheinlich halten. Schließlich würden immer mehr Unternehmen weltweit Bitcoin und Co. für ihre Kunden erschließen, zurzeit liebäugelten in Deutschland damit auch die Sparkassen und Volksbanken. Auch strömen ihm zufolge immer mehr kryptoaffine Hochschulabsolventen auf den Arbeitsmarkt. „Diese fundamentalen Beobachtungen lassen eher den Schluss zu, dass kein Kryptowinter bevorstehen dürfte“, so Sandner.

Sparkassen streiten über Bitcoin

Jene Pläne der Sparkassen sorgen nach jüngsten Berichten des Fachmagazins „Finance Forward“ (FFWD) allerdings für erheblichen Knatsch: Die S-Finanzgruppe will demnach zwar Sparkassenkunden ermöglichen, Kryptowährungen zu kaufen. Aber der mächtige Präsident des Sparkassen- und Giroverbands, Helmut Schleweis, zeigte sich laut „FFWD“ skeptisch, verglich „sogenannte“ Kryptowährungen mit einem „Schneeballsystem“, bei dem unerfahrenen Anlegerinnen und Anlegern hohe Verluste drohten.

Und so ist letztlich unklar, ob sich der Bitcoin weiter verbreitet und ihm eine höhere Nachfrage demnächst wieder ein sattes Kursplus beschert – zumal die Kritik auch von anderer Seite lauter wird: Anders als konkurrierende Kryptowährungen setzt der bisherige Publikumsliebling auf eine Technologie, die viel Strom verbraucht. Sandner geht zwar davon aus, dass dafür zunehmend regenerative Energien genutzt werden. Mehrere Umweltpolitiker im EU‑Parlament forderten am Freitag aber erstmals, die Nutzung des Bitcoins in der EU ganz zu verbieten.

Verbraucherschützer raten zur Vorsicht

Dass das in die geplanten Kryptorichtlinien der EU einfließt, ist auf kurze Sicht unwahrscheinlich. Aber auch Mai warnt, Anlegerinnen und Anleger dürften beim Bitcoin nicht zu viel erwarten. Von Kryptowährungen rät er dennoch nicht pauschal ab, empfiehlt aber Vorsicht: „Es ist gut, sich ein Renditeziel zu setzen und wieder zu verkaufen, wenn das erreicht ist.“

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Totalverluste drohen aus seiner Sicht vor allem Anlegern, die auf dubiose Angebote reinfallen. Wer unbedingt Bitcoins besitzen wolle, dem rät Mai, sie über seriöse Handelsplätze wie etwa die Börse Stuttgart zu erwerben – und die derzeit kursierenden Geschäftsanbahnungsversuche über Whatsapp und Co. zu ignorieren.

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