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Feuermelder im All

Wie ein Münchner Start-up mit Satelliten vor Waldbränden warnt

Ein Satellit des Münchner Start-ups Ororatech.

München. Die gute Laune von Thomas Grübler ist deutlich hörbar. „Das erste Foto haben wir vor drei Monaten erhalten, und seit vier Wochen kommen sie regelmäßig in einer Qualität, die besser als erwartet ist“, bricht es aus dem Mitgründer und Chef des Münchner New-Space-Start-ups Ororatech heraus. Er spricht von einer selbst entwickelten Miniwärmebildkamera in einem Kleinsatelliten, der Anfang des Jahres von der US-Raketenfirma SpaceX in einen Orbit 525 Kilometer über der Erde platziert wurde. Von dort aus spürt das Hightechgerät unter dem Missionsnamen Forest-1 nun Wald- und Buschbrände auf, was bis dahin Theorie war. Jetzt hat sich die Technik aber im Weltraum bewiesen, was für das Jungunternehmen ein entscheidender Meilenstein ist.

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„Nun ist klar, dass unsere Technik funktioniert“, betont Grübler und wertet das als Marketingschub für Geschäfte mit Behörden, Versicherern und Waldbesitzern. Die sind bislang mit Beobachtungstürmen oder Flugzeugen auf relativ archaische und teure Methoden zur Branderkennung angewiesen. „Wir sind vielfach schneller und kostengünstiger“, versichert Grübler. Wenn ein großer Waldbesitzer in Brasilien heute eine Million Hektar überwachen wolle, koste das mit Türmen oder Flugzeugen rund 10 Millionen Dollar jährlich. „Wir können das zu einem Zehntel oder noch günstiger“, sagt der gebürtige Österreicher.

Satellitenbilder des Münchner Start-ups Ororatech – Waldbrände können so schneller und günstiger erkannt und gemeldet werden.

Satellitenbilder des Münchner Start-ups Ororatech – Waldbrände können so schneller und günstiger erkannt und gemeldet werden.

Zudem kann Ororatech-Technologie Wald- oder Buschfeuer 30 Minuten nach Ausbruch ab 100 Quadratmeter Größe entdecken. Dieser frühe Zeitpunkt ist wichtig, um zu verhindern, dass ein Feuer außer Kontrolle gerät und Menschen wie Tiere tötet. Immer mehr Waldbrände sind Folge des Klimawandels, und sie befeuern ihn zugleich. Knapp ein Fünftel allen Kohlendioxids, das jährlich ausgestoßen wird, geht auf Waldbrände zurück, weiß Grübler.

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Derzeit dauere es oft viele Stunden, bis ein Brand entdeckt wird. Zwar gibt es bestehende Satelliten, die auch nach Waldbränden Ausschau halten, aber das ist nicht ihre Hauptaufgabe. Sie kreisen in zur Branderkennung ungünstigen Orbits und sind am Nachmittag, wenn die meisten Feuer ausbrechen für deren Erkennung stundenlang so gut wie blind, erklärt der Ororatech-Chef.

Trotzdem bedient sich seine Firma bislang der Daten dieser Satelliten. Auf diese Weise überwacht sie für Behörden in Kanada oder Australien, für Nichtregierungsorganisationen in Afrika oder private Waldbesitzer in Südamerika 170 Millionen Hektar Wald und Busch. In Europa fehlen Kunden noch. „Hier sind die Waldflächen für unser heutiges System noch zu klein“, erklärt Grübler. Erstes Interesse sei aber nun auch in Deutschland in der aktuellen Brandregion bei Beelitz vorhanden. „Der Katastrophenschutz in Potsdam-Mittelmark testet jetzt unser System“, verrät der 31‑Jährige und will ab Ende 2023 mit seiner Firma durchstarten.

100 Minisatelliten im Erdorbit sind das Endziel

Dann sollen acht weitere Nanosatelliten mit Infrarotkameras in einen Erdorbit geschossen werden, sagt Grübler zu den Plänen. 2024 sollen noch mal acht Satelliten folgen. „Das ist die Vorbereitung zur Serienproduktion“, erklärt der New-Space-Gründer. Denn 2026 will er die volle Ausbaustufe mit rund 100 Minisatelliten im Erdorbit erreichen, um rund um die Uhr überall auf der Welt Feuer aus dem Weltraum aufspüren zu können.

Zur Finanzierung dieser Wachstumspläne ist für den Herbst eine neue Finanzierungsrunde geplant, die gut 20 Millionen Euro bringen soll, verrät Grübler. Das wäre das Dreifache dessen, was Investoren bislang in Ororatech gesteckt haben. Weitere 80 Millionen Euro seien bis 2026 zur Serienfertigung der kaum schuhschachtelgroßen Minisatelliten nötig. Mit Forest-1 ist der Weltraumpionier aus München zuversichtlich, die Summen zu erhalten, und denkt weiter.

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Gründer und Technologie

Ororatech steht für Orbital Oracle Technologies. Das Jungunternehmen ist Teil der New-Space-Gemeinde, also junger Weltraumfirmen, die kostengünstig und mit relativ kurzen Entwicklungszeiten, auch von Deutschland aus, seit Kurzem den Weg ins All suchen. Ororatech ist eines der deutschen Vorzeigeunternehmen in dem Bereich. Es wurde vor vier Jahren von Thomas Grübler, Rupert Amann, Florian Mauracher und Björn Stoffers als Ausgründung der Technischen Universität München aus der Taufe gehoben. Die Kostenvorteile von New Space demonstriert Ororatech. Die Minisatelliten kosten mit Flug in den Orbit pro Stück rund eine Million Euro. Heutige Großsatelliten verschlingen allein in der Produktion oft Hunderte Millionen Euro und sind nicht auf Waldbranderkennung ausgelegt. Herzstück der Ororatech-Satelliten sind die selbst entwickelten Wärmebildkameras mit integrierter Grafikkarte. Bilddaten können so im Satelliten ausgewertet und Brandwarnungen in Echtzeit zur Erde gefunkt werden.

Ein „Börsengang ist definitiv ein Thema“, sagt er und peilt die Zeit nach 2026 an. Alternativ könnte das Start-up an eine große Datenfirma verkauft werden. „Aber ein Börsengang wäre der beste Weg in die Zukunft“, findet Grübler. Denn seine Geschäftsideen enden nicht am bloßen Frühwarnsystem für Waldbrände. Mit Rosenbauer als weltgrößtem Feuerwehrausstatter arbeitet Ororatech an einer Kooperation, die Branddaten automatisch in brandnahe Feuerwehrautos meldet. Im Zusammenspiel mit Winddaten werde zudem die Ausbreitung von Feuern prognostiziert, um sie effektiver zu löschen.

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Die Wärmebildkameras sind aber auch für ganz andere Anwendungen geeignet, schwärmt Grübler. „Wir können Wärmeinseln in Städten aufspüren“, erklärt er. Im Klimawandel sei das für Stadtplaner wichtig. An einem Forschungsprojekt dazu ist Ororatech beteiligt. Auch Bodenverdunstung und das Ausmaß drohender Dürren kann man per Wärmedaten aus dem All ermitteln oder Wetterprognosen bauernhofgenau machen. Grübler hat mit Ororatech noch einiges vor.

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