Liter bald wieder über 2 Euro

Warum die Preise an der Tankstelle erneut steigen

Der Weg zur Tankstelle ist für viele Autofahrer ein schwerer Gang. Nach einer zwischenzeitlichen Entspannung dürften die Spritpreise bald wieder steigen.

Der Weg zur Tankstelle ist für viele Autofahrer ein schwerer Gang. Nach einer zwischenzeitlichen Entspannung dürften die Spritpreise bald wieder steigen.

Frankfurt am Main. Der Preis für einen Liter Diesel lag am Mittwoch bundesweit bei rund 1,90 Euro. So billig war der Kraftstoff nach den Daten des Verbraucherportals Clever Tanken seit Anfang März nicht mehr. Aber die Autofahrer können sich schon einmal darauf einstellen, dass bald wieder die 2-Euro-Marke überschritten wird. Zu viele Indikatoren sprechen für erneute Aufschläge.

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Schon am Mittwoch ging es mit den Rohölpreisen erneut nach oben. Die für Europa maßgebliche Referenzsorte Brent kostete zeitweise fast wieder 107 Euro pro Fass (159 Liter) – nachdem die Notierungen in den vergangenen Tagen deutlich nachgegeben hatten. Händler verwiesen auf die Aussagen von Russlands Präsident Wladimir Putin, der betonte die „Friedens“-Verhandlungen mit der Ukraine seien in eine Sackgasse geraten. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Kämpfe länger dauern und dass dies auch auf das Angebot am globalen Ölmarkt durchschlägt.

Dabei war die russische Ölproduktion bereits am Montag nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters erstmals seit Juli 2020 unter die Marke von zehn Millionen Fass pro Tag gefallen. Das dürfte nach den Analysen der Internationalen Energieagentur (IEA) auf absehbare Zeit so bleiben. Die Organisation, die von westlichen Staaten dominiert wird, geht davon aus, dass im gesamten April der Output um durchschnittlich 1,5 Millionen Fass pro Tag nach unten geht.

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Im Mai würden sogar drei Millionen Fass weniger auf den Weltmarkt gepumpt. Ölhändler würden den Rohstoff aus Putins Reich verstärkt meiden, und die Sanktionen gegen die dortige Energiebranche würden noch stärker ihre Wirkung entfalten, heißt es zur Begründung im aktuellen IEA-Monatsbericht, der am Mittwoch publiziert wurde. All dies könnte noch einmal massiv gesteigert werden, wenn sich auch europäische Länder zu einem Embargo für russisches Öl entschließen würden. Während Putin am Mittwochnachmittag trotzig ankündigte, neue Abnehmer zu suchen.

Wichtiger Ölhändler steigt in Russland aus

Ins Bild passt, dass die Firma Vitol, der weltgrößte unabhängige Rohölhändler, gerade bekannt gab, Handel mit dem Rohstoff aus Sibirien schon in diesem Quartal massiv zurückzufahren. Bis Ende des Jahres soll ein Komplettausstieg vollzogen sein. Das ist eine Reaktion auf einen Brief des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der große westliche Energiefirmen aufgefordert hatte, ihre Geschäftsbeziehungen mit Moskau zu beenden.

Bei zahlreichen Marktakteuren geht es indes um noch mehr: Carsten Fritsch, Rohstoffexperte bei der Commerzbank, hatte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erklärt, dass immer mehr Banken wegen der Sanktionen nicht bereit seien, Kredite für Energiegeschäfte mit Russland bereitzustellen.

Vom Förderkartell Opec+, zu dem auch Russland gehört, war indes bereits zu hören, dass es unmöglich sei, die möglichen Einbußen beim russischen Öloutput zu ersetzen. Zudem gebe es überhaupt keine Knappheiten. Das hat die IEA bestritten und das Kartell aufgefordert, die Rohölproduktion so stark auszuweiten, dass die Notierungen an den Rohstoffbörsen zumindest auf 100 Dollar sinken.

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Zwar pumpen die Förderländer bereits seit August vorigen Jahres kontinuierlich mehr, doch aus Sicht der Energieagentur ist das längst nicht ausreichend. Im Monatsbericht wird darauf hingewiesen, dass die Produktion der 19 Länder im März mit einem Plus um lediglich rund 40.000 Fass pro Tag weit unter dem selbst gesetzten Ziel von 400.000 Fass geblieben ist. Für Mai ist nun abermals eine Aufstockung um 400.000 Fass geplant. Die IEA bezeichnet dies aber als „bescheidenen Zuwachs“. Zudem kursieren erhebliche Zweifel, ob diesmal die Vorgabe erreicht wird.

Energieagentur und Opec+ beharken sich

Den Zahlen der Energieagentur zufolge liegen die Förderkapazitäten der Opec+ – insbesondere in Saudi-Arabien – deutlich höher als die aktuelle Rohölproduktion. Wie der Zwist weitergeht, ist offen. Klar ist aber für Insider: Ein dauerhafter Dissens zwischen Produzenten und Abnehmern könnte letztlich zu einer Zementierung des hohen Preisniveaus – auch für Diesel und Super hierzulande – führen.

So hat die Opec+ denn auch laut Reuters beschlossen, die IEA-Daten künftig nicht mehr bei der Beurteilung der Versorgungssituation zu berücksichtigen. Die Agentur habe ein Problem mit ihrer Unabhängigkeit, soll ein Opec+-Vertreter gesagt haben. Kritisiert werde ein starker Einfluss der US-Regierung. Präsident Joe Biden steht derzeit in der Kritik wegen der hohen Spritpreise.

Auch aus diesem Grund haben die IEA-Mitglieder unter der Führung der USA beschlossen, strategische Ölreserven zu aktivieren. Es geht um eine Million Fass pro Tag für ein halbes Jahr. Doch Beobachter bezweifeln, ob damit der enorme Preisdruck tatsächlich reduziert werden kann. Die IEA taxiert die gesamte globale Ölnachfrage auf durchschnittlich rund 99 Millionen Fass pro Tag für dieses Jahr.

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