RND-Kolumne Weltwirtschaft

Rechtsanspruch auf Vier-Tage-Woche: Was sich in Belgien für Arbeitnehmer jetzt ändert

Brüssel: Die belgische Regierung will einen Anspruch auf Viertagewoche für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Brüssel: Die belgische Regierung will einen Anspruch auf Viertagewoche für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Flexibles Belgien: In unserem kleinen Nachbarland hat die Regierung jetzt beschlossen, was sich viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland auch wünschen – einen Anspruch auf die Viertagewoche. Und das ohne Arbeitszeitverkürzung und weniger Geld.

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Das Modell sieht so aus: Wer eine 38-Stunde-Woche hat, kann künftig an vier Tagen der Woche neuneinhalb Stunden pro Tag arbeiten. Bisher waren es in der Fünftagewoche sieben Stunden und 36 Minuten.

Dafür gibt es pro Woche einen freien Tag zusätzlich. Das kann der Montag oder der Freitag sein, wenn die Chefs zustimmen. Ein verlängertes Wochenende ist also nicht garantiert. Doch ein freier Tag mitten in der Woche ist auch nicht schlecht.

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Und es wird noch flexibler. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollen ihre Arbeitsstunden auf zwei Wochen verteilen können. Wer also in der ersten Woche bis zu 45 Stunden arbeitet, kann in der zweiten Woche auf bis zu 31 Stunden heruntergehen.

Das soll, so die Regierung in Brüssel, vor allem getrennt lebenden Eltern Vorteile bringen. Sie können sich dann mehr um ihre Kinder kümmern.

„Mehr Flexibilität, mehr Freiheit für die Arbeitnehmer“, verspricht Belgiens Ministerpräsident Alexander De Croo. Es geht ihm allerdings auch darum, die Beschäftigungsquote im Land von derzeit gerade einmal 71,5 Prozent bis zum Jahr 2030 auf 80 Prozent zu erhöhen.

Man mag es kaum glauben. Doch Belgien, lange Zeit verschrien als ein notorisch zerstrittenes Land mit einer Vorliebe für unsinnige Bürokratie, geht jetzt tatsächlich einen neuen Weg in der Arbeitszeitpolitik.

Deutschland könnte sich davon mindestens eine Scheibe abschneiden. Die Viertagewoche gibt es hierzulande nur in einzelnen Unternehmen. Einen gesetzlichen Anspruch gibt es (noch) nicht. Obwohl es nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL 71 Prozent der Befragten gut fänden, wenn in Deutschland das belgische Modell übernommen würde. Am liebsten übrigens würden die Deutschen am Freitag freinehmen.

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Damir Fras ist Brüssel-Korrespondent des RND. Wie sich die ökonomische Supermacht Europa in der weltweiten Konkurrenz der Systeme schlägt, erklärt er in der Kolumne „Weltwirtschaft“ immer mittwochs – im wöchentlichen Wechsel mit seinen Kolleginnen und Kollegen in Washington, Peking, London sowie für Russland und Osteuropa.

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