Überraschung, es ist Krise!
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Hamburger Hafen: Die deutsche Wirtschaft ist überraschend im ersten Quartal geschrumpft.
© Quelle: Christian Charisius/dpa
Berlin. Deutschland steckt in einer Wirtschaftskrise. Nun also doch. Das statistische Bundesamt musste seine optimistische Prognose zur Entwicklung der Konjunktur im ersten Quartal nach unten korrigieren. Statt Stillstand vermelden die Statistiker nun ein Minus. Um 0,3 Prozent ging es nach unten. Und da bereits das vierte Quartal des vergangenen Jahres mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung geendet hatte, befindet sich die deutsche Volkswirtschaft nun auch offiziell in der Rezession. Überraschung, es ist Krise!
Nun fragen sich viele Menschen, was das für sie bedeutet. Die Antwort klingt auf den ersten Blick erleichternd: nicht sonderlich viel. So richtig interessant ist die korrigierte Zahl im Grunde nur für Volkswirte und Statistiker. Die einen machen erneut die schmerzhafte Erfahrung, dass ihre Modelle und Berechnungen in ökonomisch turbulenten Zeit nur begrenzt für verlässliche Vorhersagen taugen. Die anderen dürfen den vier Wirtschaftskrisen dieses Jahrhunderts eine fünfte hinzufügen.
Damit könnte man es bewenden lassen, wenn die Lage nicht bereits gravierende Auswirkungen auf das Leben von Millionen hätte – und das völlig unabhängig davon, ob die technischen Voraussetzungen für eine Rezession nun erfüllt sind oder nicht. Denn die Menschen im Land spüren abseits der Statistik sehr genau, was diese Krise mit ihnen und ihrem Lebensstandard macht.
Viele Menschen in Deutschland sind ärmer geworden
Viele Deutsche sind in den vergangenen eineinhalb Jahren ärmer geworden. Die Inflation hat ihre Kaufkraft aufgefressen, die Löhne und Renten sind in den allermeisten Fällen weniger stark gewachsen als die Preise. Selbst wenn diese nun in einigen Bereichen wieder nachgeben, ändert das am Gesamtbefund wenig.
Dramatisch und auch politisch heikel wird diese Krise dadurch, dass Bezieher geringer Einkommen besonders unter ihren Folgen leiden. Preistreiber der vergangenen Monate waren vor allem jene Waren, die zur Grundversorgung der Menschen gehören: Energie, Getreideprodukte, Milchwaren, Speiseöle. Wer einen großen Teil seines Einkommens zur Deckung des Grundbedarfs aufwenden muss, leidet unter dieser Form der Teuerung mehr als andere. Ökonomen schätzen, dass Menschen mit geringem Einkommen eine zwei- bis dreimal so hohe Inflation erleben wie Gutverdiener.
Krisen sind meistens ungerecht in ihrer Auswirkung, diese aber ist es besonders. Das macht sie für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den sozialen Frieden so gefährlich. Wenn sich in weiten Teilen der Bevölkerung der Eindruck festsetzt, dass es ökonomisch immer schlechter geht anstatt besser, kommt es früher oder später zu einer politischen Entladung.
Die AfD reibt sich die Hände
Die Ampelregierung bekommt den wachsenden Frust bereits jetzt in den Meinungsumfragen zu spüren. Bei den anstehenden Landtagswahlen in Hessen und Bayern dürfen die Regierenden im Bund mit ersten Warnschüssen rechnen, bevor im kommenden Jahr bei den Wahlen in mehreren ostdeutschen Ländern ein Fiasko droht. Die AfD reibt sich bereits die Hände.
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Was also tun? Dass guter Rat teuer ist, mag eine abgegriffenen Weisheit sein, für die aktuelle Situation aber stimmt sie – und zwar im doppelten Wortsinn. Es kostet eine Menge Geld, wenn die Regierung das Land zusammenhalten will, was in Zeiten knapper Kassen ein Problem ist.
Und trotzdem wird es ohne Entlastungen der arbeitenden Bevölkerung nicht gehen, wobei Geringverdiener besonders berücksichtigt werden müssen. Für Wahlgeschenke und Klientelpolitik ist kein Geld mehr da. Auch wenn das längst noch nicht alle verstanden haben.