„Gigantische Geldverbrennungsöfen“

Entlassungswelle, hinkende Produktion: Tesla holt die Pandemie ein

Elon Musk, Tesla-Chef, nahm im März an der Eröffnung der Tesla-Fabrik Berlin Brandenburg teil.

Elon Musk, Tesla-Chef, nahm im März an der Eröffnung der Tesla-Fabrik Berlin Brandenburg teil.

Tesla galt bisher als der große Profiteur der Pandemie. Der E‑Autohersteller konnte liefern, während andere die Produktion wegen Teilemangels herunterfahren mussten. Die Amerikaner haben im Gegensatz zur Konkurrenz früh enge Partnerschaften mit Chip­lieferanten geschlossen. Doch jetzt berichtet auch Elon Musk von „extrem ernsten“ Problemen und einem „absoluten Alptraum“ in den vergangenen beiden Jahren. „Und wir sind noch nicht durch.“

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Grünheide und Austin „verbrennen Geld“

Die neuen Fabriken in Grünheide und Texas seien „gigantische Geld­verbrennungs­öfen“, sagte der Unternehmens­chef im Gespräch mit Mitgliedern eines Tesla-Fanclubs, das auf Youtube zu sehen ist. Tesla ist in den vergangenen Jahren extrem gewachsen. Zusätzlich zur ersten Fabrik im kalifornischen Fremont entstand zunächst eine weitere in Shanghai, zuletzt sind zwei weitere im texanischen Austin und in Grünheide bei Berlin hinzugekommen.

Im vergangenen Jahr wurden knapp eine Million Autos ausgeliefert, fast viermal so viele wie noch 2018. In diesem Jahr geht das Wachstum weiter, im ersten Quartal wurden schon mehr als 300.000 Autos verkauft.

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Die Begleitumstände sind aber offenbar chaotisch. Auf die Frage nach neuen Geschäften erklärte Musk, alle Aufmerksamkeit gehöre im Moment den Fabriken, „alles andere sind Kleinigkeiten“. Es gehe darum, die Produktion am Laufen zu halten „und nicht bankrott zu gehen“. Und mit Blick auf das Werk in Austin, wo das Gespräch stattfand: „Diese Fabrik verliert gerade verrückt viel Geld.“ Wenn man ein Dröhnen höre, sei es „das Geräusch von brennendem Geld“.

Seit Tesla in die Massenproduktion eingestiegen ist, hat Musk die Schwierigkeiten dabei immer wieder beklagt. „Autohersteller versuchen verzweifelt, pleitezugehen“, sagte er dieses Mal. Immer wieder hätten Probleme mit den Lieferketten die Produktion gebremst, in Shanghai stand zudem die Fabrik wegen mehrerer Corona-Lockdowns still.

Probleme mit neuer Batteriezelle

In den beiden jüngsten Werken stehe hohen Kosten aktuell „fast kein Output“ gegenüber, sagte Musk, und „wir sind noch nicht durch“. Es fehlten Teile aus China, außerdem gebe es Probleme mit einer neu entwickelten Batteriezelle. In Grünheide sei die Lage aber nicht ganz so prekär, weil dort eine ältere Zelle verbaut wird.

Ähnliche Probleme haben allerdings auch die anderen Hersteller. So war Volkswagens Stammwerk in Wolfsburg im vergangenen Jahr nur zur Hälfte ausgelastet und kam allein wegen der deutschen Kurz­arbeits­regelung über die Runden. Die Hersteller leben im Moment davon, dass sie die Knappheit ihrer Autos für höhere Preise nutzen.

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Chinesischer Bezirk Beidaihe verbannt Tesla-Autos von Straßen

Firmengründer Elon Musk hat stets bestritten, dass die Autos in China oder anderswo zum Spionieren verwendet werden könnten.

Musk schlägt nicht zum ersten Mal Alarm. Obwohl Tesla nach einer langen Durststrecke zuletzt hochprofitabel war, warnte er bereits vor einigen Wochen seine Führungs­mannschaft in einer Rundmail: Er habe ein „superschlechtes Gefühl“ für die wirtschaftliche Entwicklung in den USA. Anfang der Woche sagte er dann bei einer Wirtschafts­konferenz, dass in den nächsten drei Monaten gut 3 Prozent der rund 100.000 Tesla-Jobs wegfallen sollen. Es werde vor allem die Verwaltungs­bereiche treffen, die Fabrik­belegschaft werde eher wachsen.

Mit seinen Ansagen hat Musk zumindest ein Problem gelindert: Der zuletzt drastisch gefallene Aktienkurs hat sich in den vergangenen Tagen etwas erholt. Zwei Jahre lang war die Tesla-Aktie rapide gestiegen – von 80 Dollar Anfang 2020 auf gut 1000 Dollar Ende 2021. Das spiegelte den Aufstieg zum profitablen Massenhersteller wider. Danach ging es mit dem Kurs allerdings genauso steil abwärts auf rund 600 Dollar. Zuerst litt das Papier unter der allgemeinen Schwäche der Technologieaktien, dann unter Musks Kaufangebot für Twitter.

Sollte er den vorerst gestoppten Milliardendeal doch noch umsetzen, kann er ihn nur durch Verkauf oder Verpfändung von Tesla-Aktien finanzieren. Das hat deren Kurs massiv gedrückt. Musks demonstrative Aufmerksamkeit für die Probleme bei Tesla ließ ihn zuletzt aber wieder steigen: Innerhalb einer Woche ging es von 595 auf auf rund 690 Dollar nach oben.

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