Sono Motors: Ohne Börsengang droht dem Elektroautopionier die Pleite

Solarauto Sion von Sono Motors mit Unternehmensgründern Jona Christians, Navina Pernsteiner und Laurin Hahn.

Solarauto Sion von Sono Motors mit Unternehmensgründern Jona Christians, Navina Pernsteiner und Laurin Hahn.

Der Zulassungsprospekt des Münchner Elektroautopioniers Sono Motors für die US-Technologiebörse Nasdaq spricht eine klare Sprache. Ohne Erlöse aus dem noch nicht offiziell gestarteten Börsengang „würde die Gruppe diesen Dezember oder kurz danach insolvent werden“, heißt es auf Seite 88 und an anderen Stellen des gut 200-seitigen Dokuments klipp und klar.

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Risikobewusste Anleger müssen Überleben sichern

Das 2016 gegründete Jungunternehmen will das und andere Aussagen des Börsenprospekts mit Verweis auf strenge Schweigeregeln im Umfeld eines US-Börsengangs nicht weiter kommentieren. Damit läuft für Sono erneut eine Gnadenfrist wie schon vor ziemlich genau zwei Jahren, als eine Crowdfunding-Kampagne im Internet eine Pleite in letzter Minute noch verhindern konnte.

Wieder sind es risikobewusste Anleger, die ein zumindest kurzfristiges Überleben sichern müssen. Endgültig über den Berg wäre das Unternehmen, das seit fünf Jahren ein mit Solarzellen bestücktes Elektroauto entwickelt, aber immer noch nicht. Denn der Stromer, dessen gut 300 Kilometer Reichweite durch die in der Karosserie verbauten Solarzellen bei normalem Sonnenschein in unseren Breiten sich um täglich rund 34 Kilometer verlängert, steht vor einem ungewissen Produktionsanlauf und auch weiteren Finanzierungs­nöten, selbst wenn der jetzige Börsengang klappt.

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Gebaut werden soll das bislang einzige Sono-Modell namens Sion beim Auftragsfertiger Nevs in Schweden. Der ist aber Teil des vom Untergang bedrohten chinesischen Immobilienriesen Evergrande und soll verkauft werden.

Auch dazu gibt es im Sono-Börsenprospekt einige Aussagen, die bedenklich stimmen. Es sei unklar, ob oder an wen Nevs verkauft wird und ob die Produktionsvereinbarung mit Sono bestehen bleibt. Die sieht vor, dass der Sion ab der ersten Jahreshälfte 2023 vom Band läuft, nachdem sich der Produktionsstart schon einmal verzögert hatte.

Sono könnte gezwungen sein, sich einen anderen Produktionspartner zu suchen, räumt das Unternehmen im Börsenprospekt ein. Man stehe dazu bereits in Gesprächen mit zwei alternativen Auftragsfertigern aus Europa. Das könne eine neue mehrmonatige Verzögerung des Produktionsanlaufs bedeuten oder auch alles scheitern lassen.

Der Börsengang ist nicht die alleinige Lösung

Selbst wenn diese Hürde aber übersprungen wird, seien über den Börsengang hinaus erhebliche weitere finanzielle Mittel bis zum Produktionsstart nötig, räumt Sono ein. Die Münchner wollen bis zu 11,5 Millionen Aktien zu Preisen zwischen 14 und 16 Dollar pro Stück über die Börse verkaufen. Maximal errechnet sich daraus ein Emissionsvolumen von 184 Millionen Dollar. Abzüglich Gebühren kalkuliert Sono selbst mit einem Mittelzufluss von höchstens 156 Millionen Dollar, also umgerechnet maximal 135 Millionen Euro. Bis zum Produktionsstart würden aber insgesamt mindestens noch 354 Millionen Euro benötigt, heißt es im US‑Börsen­prospekt.

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Rund 220 Millionen Euro würden dem Jungunternehmen, das sich selbst mit ungefähr einer Milliarde Euro bewertet, damit also selbst im günstigsten Fall auch nach einem Börsengang weiterhin fehlen. Auf 109 Millio­nen Euro beziffert Sono die seit Gründung bisher aufgelaufenen Verluste. Allein die Hälfte davon ist im Vorjahr angefallen.

Sollte sich die Produktion weiter verzögern, läuft Sono auch langsam die Zeit davon. Etablierte Hersteller bringen immer mehr Elektroautos auch zu gemäßigteren Preisen auf den Markt. Der Kostenvorteil des für 24.000 Euro angebotenen Sion, der als Carsharing-Auto konzipiert ist und Strom auch an intelligente Stromnetze der Zukunft abgeben kann, schmilzt damit langsam.

Noch reklamieren die Sono-Gründer Laurin Hahn und Jona Christans für sich, das inklusive Betriebskosten preisgünstigste Elektroauto auf den Markt bringen zu wollen. Kunden haben bereits 16.000 Gefährte vorbestellt und im Umfang von knapp 41 Millionen Euro anbezahlt. Sie können aber jederzeit wieder stornieren, räumt Sono ein.

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