Siemens im Glück: Nur noch Perlen im Portfolio

Siemens Vorstandschef Roland Busch während der virtuellen Hauptversammlung.

Siemens Vorstandschef Roland Busch während der virtuellen Hauptversammlung.

München. Es ist bei Siemens derzeit schwer, ein Haar in der Suppe zu finden. Der Konzern müsse nun beweisen, dass das hervorragende Vorjahr keine Eintagsfliege war, meinte Portfoliomanagerin Vera Diehl von Union Invest beim diesjährigen Aktionärstreffen. Pandemiebedingt blieb es erneut digital.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Wenn man im Kerngeschäft nur noch Perlen im Portfolio hat, gibt es keine Ausreden“, erklärte die Aktionärsvertreterin. Kollege Ingo Speich von Deka Invest sieht es ähnlich. „Die neue kleinere Siemens AG muss zeigen, dass sie über sich hinauswachsen kann“, forderte er ambitioniert.

Klein sind die Münchener geworden, weil alte Konglomeratszeiten durch den Börsengang des abgespaltenen Teilkonzerns Siemens Energy endgültig Vergangenheit sind.

Siemens will ganz zum Plattformkonzern werden

Nur noch gut ein Drittel der Anteile daran hält die Mutter noch und kann sich auch deshalb im Erfolg sonnen. Denn während der Problemfall hart mit dem Wandel von fossiler zu erneuerbarer Energieerzeugung kämpft, ist Siemens selbst ein auf digitale Technologien fokussierter Konzern geworden, freut sich Firmenchef Roland Busch.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Globaler Technologieführer bei Industriesoftware sei die neue Siemens, betont er. Vorgänger hatten noch von Telefonen oder Kraftwerken geschwärmt.

Diese Software werde künftig verstärkt per Datenwolke im Internet vermietet, was nach SAP und damit dem lange einzigen deutschen Softwareriesen von Weltrang klingt. Anfassbares hat die neue Siemens zwar noch in Form von Zügen im Portfolio. Aber die will Siemens künftig nicht mehr als Produkt, sondern als „Transport von Menschen“ verkaufen und dabei Verfügbarkeiten garantieren oder Streckenmanagement bieten. Auch auf dieser Ebene will Siemens zum Plattformkonzern werden.

Bis 2030 will das Unternehmen klimaneutral sein

Derart veränderte und auch per neuerdings erfolgreicher Zukäufe ausgeweitete Geschäftsmodelle erweitern das von Siemens adressierbare Marktvolumen von 440 auf 560 Milliarden Euro, sagt Busch. Man investiere zudem in einem Umfang in Forschung und Entwicklung wie kein Konkurrent. Knapp 5 Milliarden Euro waren es 2020/21, was 2500 neue Patentanträge brachte. Rund 5,5 Milliarden Euro sollen es im laufenden Geschäftsjahr werden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Bei Siemens-Geschäftskunden spare die im Haus erfundene innovative Digitalisierung zudem jährlich 88 Millionen Tonnen des Klimakillers Kohlendioxid (CO₂) ein, rechnet Busch vor. Andererseits sorgen Siemens-Produkte immer noch für einen jährlichen Ausstoß von gut 453 Millionen Tonnen CO₂, kontert der Dachverband kritischer Aktionäre.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Spotify Ltd., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Das entspreche gut einem Prozent aller weltweiten Treibhausgasemissionen. Siemens verspricht indessen, im eigenen Konzern bis 2030 komplett klimaneutral zu sein und bis dahin auch Schadstoffemissionen in der Lieferkette um ein Fünftel zu verringern.

„Siemens ist sehr erfolgreich ins neue Geschäftsjahr gestartet“

„Wir sehen die neue Siemens als Vorreiter bei der nachhaltigen Transformation“, meinte Fondsmanagerin Diehl. An der Börse möchte sie wie Mitaktionäre bald ein Siemens-Kursfeuerwerk sehen. So gut es zuletzt auch gelaufen sei, die Dax-Entwicklung oder die des globalen Industriesektors habe Siemens voriges Jahr nicht schlagen können.

Auch in dem Punkt will Busch nun liefern und aufräumen, was noch zu aufräumen ist. Dazu zählt der Verkauf letzter, nicht mehr zum Kerngeschäft zählender Aktivitäten sowie der verbliebene Anteil an Siemens Energy. Bei Letzterem will Busch warten, bis der Problemfall saniert und der Aktienkurs gestiegen ist. Verkäufe des eigenen Anteils an Valeo Siemens und des Geschäfts mit Post- und Paketlogistik sind auf den Weg gebracht. 1,5 Milliarden Euro Sondergewinn winken in Summe.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Den braucht man nicht wirklich. „Siemens ist sehr erfolgreich ins neue Geschäftsjahr gestartet“, lobt Busch. Auch weil Kunden anstehenden Preiserhöhungen zuvorkommen wollen und wegen unsicherer Lieferketten auf Vorrat ordern, sind die Auftragseingänge im ersten Quartal 2021/22 (zum 30. September) um satte 42 Prozent auf gut 24 Milliarden Euro gestiegen, während die Umsätze um 9 Prozent auf 16,5 Milliarden Euro klettern konnten. Der Quartalsgewinn nach Steuern wuchs um ein Fünftel auf 1,8 Milliarden Euro. Das hält Eigner bei Laune.

Mehr aus Wirtschaft

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken