Große Mehrheit in Aktionärsversammlung

Plattner bekommt bei SAP Verlängerung

SAP-Mitgründer Hasso Plattner in der virtuellen Hauptversammlung.

SAP-Mitgründer Hasso Plattner in der virtuellen Hauptversammlung.

In den oberen SAP-Etagen gab es in den vergangenen Jahren viele Personalwechsel, aber einer ist stets geblieben: Hasso Plattner, seit 19 Jahren Aufsichtsratsvorsitzender. Zuletzt ist die Kritik am Mitgründer von Europas größtem Softwarekonzern immer lauter geworden, vor der Hauptversammlung am Mittwoch kündigten die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und Union Investment sogar an, ihn nicht noch einmal zu wählen.

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Doch der Aktionärsverein und die Fondsgesellschaft blieben relativ einsam. Als Versammlungsleiter Plattner nach rund fünfstündiger – erneut virtueller – Versammlung das Abstimmungsergebnis verlas, hatte er zwei weitere Amtsjahre sicher: Mit 90,48 Prozent der Stimmen wurde der 78-Jährige noch einmal in den Aufsichtsrat gewählt, den er weiter leiten wird.

Angeblich gescheiterte Nachfolgersuche bei SAP

Zuvor hatte der Mitgründer und Großaktionär erklärt, warum er in die Verlängerung gehen will. Hatte es früher geheißen, dass der Konzern im aktuellen Umbruch Kontinuität brauche, verwies Plattner nun auf einen Fehlversuch bei der Nachfolgersuche: Ein Kandidat sei aus Gesundheitsgründen ausgefallen, deshalb gehe die Suche jetzt weiter.

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Also, das mit der Machtkonzentration kann ich nicht nachvollziehen.

Hasso Plattner

SAP-Aufsichtsratsvorsitzender

Nach Meinung von Kritikern ist der Patriarch im Unternehmen mehr Unruheherd als Antreiber. Zudem vermuten sie Interessenkonflikte bei der Ausgliederung eines SAP-Bereichs, an dem sich dann Plattners private gemeinnützige Stiftung beteiligte. Plattner und der Konzern weisen das zurück. Kritik der Fondsgesellschaft Deka an seiner Macht im Unternehmen ließ Plattner nicht gelten: „Also, das mit der Machtkonzentration kann ich nicht nachvollziehen.“

Die Nachfolgefrage sei eine „sehr wichtige und emotionale Aufgabe, an der ich seit einiger Zeit arbeite“, berichtete Plattner. Allerdings scheint sich die Suche jetzt auf einen sehr überschaubaren Kreis zu beschränken. „Ich hoffe, dass wir ein Mitglied des Aufsichtsrats gewinnen können und niemanden von außen holen müssen“, sagte Plattner.

SAP-Jubiläum wird zum Randthema

Plattners Rolle im Konzern ist nur eins von mehreren Themen, die das Konzernjubiläum in den Hintergrund drängen. SAP feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen, und es gäbe jahrzehntelangen Erfolg des größten europäischen Softwarekonzerns zu feiern. SAP ist eine der wenigen deutschen Erfolgsgeschichten der Digitalisierung. Doch in der Hauptversammlung hatten die Aktionärinnen und Aktionäre andere Themen: Spitzenpersonalien, Zweifel an der Compliance, Wachstumsschwäche und der niedrige Aktienkurs beherrschten die vorab zur Onlinekonferenz eingereichten Beiträge und Fragen.

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Auch zum überraschend angekündigten Abschied von Finanzvorstand Luka Mucic erhofften sich die Aktionäre Erklärungen oder gar einen neuen Namen. Letzteren gab es nicht, auch hier wird noch der passende Kopf gesucht. Plattner gab aber zumindest Hinweise auf die Trennungsgründe: Die Strategie habe sich eben geändert, sagte er abseits des Manuskripts – nach freundlichen Worten für den neben ihm sitzenden Mucic. Außerdem sei es nun einmal so, dass beim Abschied eines Konzernchefs letztlich auch alle Vorstandsmitglieder gingen, die von diesem eingesetzt wurden. Mucic war von dem 2019 ausgeschiedenen Bill McDermott in den Vorstand geholt worden.

Christian Klein steht seit 2019 an der SAP-Spitze.

Christian Klein steht seit 2019 an der SAP-Spitze.

Dessen Nachfolger Christian Klein bemüht sich weiter, die Aktionäre für die „neue“ SAP zu begeistern. Als der Vorstandssprecher im Herbst 2020 seine Cloud-Strategie vorstellte, rauschte die SAP-Aktie um rund 20 Prozent in die Tiefe. Nachhaltig erholt hat sie sich davon nicht, im Gegenteil: Im allgemeinen Verfall der Technologiewerte seit Jahresbeginn ist der Kurs wieder unter 100 Euro gerutscht.

Kritik am mühsamen Umbau

Klein verlegt die SAP-Anwendungen ins Internet. Bisher wurde die Software den Kunden verkauft und lief dann auf deren Rechnern. Künftig sollen sie möglichst für die Nutzung der Programme in der Cloud zahlen – eine Art Mietmodell. Der Weg gilt grundsätzlich als richtig, zumal Konkurrenten ihn deutlich früher und schneller gegangen sind. Viele Aktionäre fürchten allerdings eine Durststrecke: Bestandskunden scheuen vor dem Komplettumbau ihrer Systeme zurück, bei Neukunden fließt der Umsatz im Cloud-Modell langsamer als beim klassischen Verkauf. Zudem verursacht die Transformation im Konzern hohe Kosten.

Ingo Speich von Deka Investment lobte zwar die Weichenstellungen durch Klein, kritisierte die Umsetzung der Strategie aber heftig. „SAP schafft es bei seiner großen Kundenbasis nicht, die Begeisterung für die Cloud in der Breite zu entfachen“, hieß es in seinem Redebeitrag. Die Profitabilität sei schwach, das Wachstum gering, „SAP hält im europäischen Branchenvergleich die rote Laterne“.

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