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„Process Mining“: Wie Deutschlands wertvollstes Start-up der Industrie beim Sparen hilft

Symbolbild

Die neue Technologie des „Process Mining“ spürt in der Unternehmens-IT Mängel im System auf.

München. Patrick Lechner ist als IT-Datenschürfer ein Spezialist, den es in Firmen noch selten gibt. Der Fachmann ist beim Autobauer BMW verantwortlich für „Process Mining“. Das ist eine innovative Technologie, die in der Konzern-IT per Spezialsoftware Schwachstellen sucht, um vor demnächst reißenden Lieferketten zu warnen oder unnötige Kostentreiber aufzuspüren.

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„Wir haben 2016 bei BMW zu zweit angefangen, binnen zehn Tagen erste Ergebnisse gehabt und sind inzwischen in fast allen Unternehmensbereichen von Produktion über Qualitätsmanagement bis Kundenbetreuung tätig“, sagt Lechner. Der monetäre Nutzen, den BMW aus dem Datenschürfen zieht, bleibt geheim. Für den praktischen Nutzen nennt er Beispiele.

AppleCarplay

Apple, Google, Amazon – der Kampf ums Auto hat begonnen

Apples Ankündigung, im kommenden Jahr eine komplett neue Version von seiner Fahrzeugsoftware CarPlay zu präsentieren, hat in der Branche für Furore gesorgt. Denn künftig will das Unternehmen aktiv in die Fahrzeugsoftware eingreifen. Auch Google und Amazon sind nicht untätig.

„In der Produktion haben wir die Nacharbeit bei neu gefertigten Autos reduziert oder die Energiekosten je produziertem Auto gesenkt“, erzählt der Experte. Kundenseitig wisse BMW jetzt auch, ob und inwieweit Fahrer in Neuwagen verbaute Assistenzsysteme nutzen.

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Soweit sich solche Erkenntnisse in geldwerten Vorteil übersetzen lassen, gibt Lars Reinkemeyer Auskunft. Der frühere Siemens-Manager hat vor Jahresfrist bei Celonis angeheuert, dem mit rund 10 Milliarden Euro Firmenwert teuersten deutschen Start-up-Unternehmen und Weltmarktführer im „Process Mining“. „Viele unserer Kunden realisieren pro Jahr eine zweistellige Millionensumme an Mehrwert“, verrät der Celonis-Manager.

Das Problem ist, dass sich solche Erfolge in Grenzen halten, wenn die Software zum „Process Mining“ in Unternehmen nicht in professionellen Händen liegt. Das hat der Bayreuther Wirtschaftsinformatikprofessor und Vizechef des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik, Maximilian Röglinger, gerade in einer Studie ermittelt. „Ohne firmeninternes Kompetenzzentrum für ‚Process Mining‘ arbeitet man auf Sparflamme“, sagt der Professor der Universität Bayreuth. Gibt es ein solches Spezialteam dagegen, steige das Erfolgspotenzial dagegen fast um den Faktor zehn und Verbesserungen im Organisationssystem von Firmen würden sich auch deutlich schneller einstellen.

Der Mensch bleibt limitierender Erfolgsfaktor

Auch den Grund dafür kennt Röglinger. „Der Faktor Mensch ist der limitierende Erfolgsfaktor“, betont er. Lindner kann das aus Erfahrung bestätigen. „Die Aufgeschlossenheit gegenüber der neuen Technologie war von BMW-Werk zu BMW-Werk verschieden“, erinnert er sich. „Wenn es nicht mindestens drei Personen ärgert, ist es kein Veränderungsprozess“, stellt Röglinger klar. Mit vorweisbaren Erfolgen gehört „Process Mining“ bei BMW mittlerweile zum Alltag. Aber das Expertenteam, das bei den Münchnern dafür zuständig ist, umfasst heute auch 17 Datenexperten. So etwas dürfte kaum einer der global 1300 Celonis-Kunden vorweisen können.

Weil gerade in dem Bereich der Kampf um Fachkräfte besonders groß ist, haben es vor allem Mittelständler auch schwer, nötige Spezialisten zu finden. „Große Unternehmen tun sich leichter und sind Vorreiter“, räumt Reinkemeyer ein. Andererseits sei die Technologie über alle Branchen hinweg einsetzbar, was auch Röglinger unterstreicht.

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Seine Studie habe keine Unterschiede messen können, was Branchen oder auch Regionen anbelangt. Die These, dass Deutsche neuen Technologien gegenüber zögerlich sind, bestätige sich beim „Process Mining“ nicht. Das mag auch daran liegen, dass dieser neue Softwarebereich in Europa erfunden wurde und mit Celonis in München ein Unternehmen beherbergt, das nach jüngsten Analysen rund 60 Prozent des zugehörigen Weltmarkts beherrscht. Der Fakt, dass dieser Multimilliardenmarkt von allen Anbietern zusammen erst zu einem niedrigen einstelligen Prozentsatz ausgeschöpft wird, mag auch damit zu tun haben, dass Fachpersonal fehlt.

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