Mercedes EQA 250 – erster vollelektrischer SUV im Test

Auch bei normalem Autobahn­tempo sollte der EQA mit einer Ladung über 300 Kilometer weit kommen.

Auch bei normalem Autobahn­tempo sollte der EQA mit einer Ladung über 300 Kilometer weit kommen.

Hannover. Seit Kurzem ist er auf dem Markt: der erste vollelektrische Stromer der Kompaktwagen­familie von Mercedes. Der EQA 250, den wir in der Edition 1 getestet haben, basiert auf dem kleinen SUV des Stuttgarter Autobauers, dem GLA. Allerdings hat der EQA aufgrund des im Bodenbereich versteckten 66,5-Kilowattstunden-Akkus knapp 100 Liter weniger Gepäckraum zu bieten, also nur 340 statt 435 Liter (bei aufgestellten Rücksitzen). Auf einer neuen Plattform aufgebaut wie etwa die IDs von VW ist der EQA also nicht, kann insofern nicht mit echtem Raumgewinn aufwarten.

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Minuspunkt: Hinten wird es unbequem

In vielen Punkten erfüllt das bullig wirkende Elektroauto aber alle Erwartungen, die ein hochpreisiger Mercedes weckt – doch stießen wir auch auf unerwartete Schwächen. Die Sitzposition vorn ist exzellent, hinten allerdings thronen hochgewachsene Menschen sehr gerade und müssen die Beine stark anwinkeln. Die Armaturentafel wird geprägt von den Lüftungsdüsen in Mercedes-typischer Turbinenoptik, zwei miteinander verzahnte 10,25-Zoll-Monitore zeigen Texte und Grafiken in bestechender Schärfe.

Die Verarbeitungs­qualität des EQA 250 ist über jeden Zweifel erhaben, die hellgrauen Ledersitze der Edition 1 wirken edel, und überhaupt kommt in diesem Auto alles sehr gediegen daher.

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Fahrfreude trifft auf leisen Innenraum

Das Fahren mit dem mehr als zwei Tonnen schweren Fronttriebler ist ein Genuss, satt liegt der Wagen auf der Straße und wirkt doch nicht schwerfällig. Der 140-kW-Elektromotor beschleunigt den EQA in 8,9 Sekunden von null auf 100 km/h, bei Tempo 160 wird der Wagen abgeregelt. Die ausgefeilte Dämmung trägt dazu bei, dass es im Innenraum besonders leise zugeht. Bei Dunkelheit wird eine optische Verschiedenheit zum GLA für jedermann sichtbar: die durchgehenden Leuchtbänder vorn wie hinten, die den EQA ein wenig futuristisch wirken lassen.

Verrenkungen bei der Preispolitik

Die Verrenkungen, die Mercedes bei der Preispolitik vollzieht, muten etwas putzig an. Um unter der 40.000-Euro-Grenze zu bleiben und mit dem Einstreichen der vollen Umweltprämie werben zu können (6000 Euro vom Staat, 3000 Euro vom Hersteller), liegt der Nettopreis bei 39.950 Euro (was einen Brutto­listenpreis von 47.540,50 Euro ergibt). Doch schon die Wahl der Farbe Weiß statt Schwarz (Aufpreis 250 Euro) hievt den EQA über diese Schwelle, sodass der Bonus auf 7500 Euro schrumpft.

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Einstell­möglichkeiten ohne Ende

Unser Testwagen war mit kupferfarbenen 20-Zoll-Leichtmetall­rädern, AMG-Styling und viel Leder veredelt, bot Extras wie Widescreen-Cockpit, Schiebedach, 360-Grad-Kamera, verstellbare Dämpfer und MBUX-Spracherkennung – was in der Summe zu einem Listenpreis von 67.000 Euro führt. Moderne Autos, die vollgestopft sind mit Assistenz­systemen, bieten spielfreudigen Automobilisten Einstell­möglichkeiten ohne Ende.

Der EQA, dessen Bedienungs­anleitung in Papierform stolze 447 (schmale) Seiten umfasst, macht da keine Ausnahme, eher im Gegenteil. So kann man im Assistenz-Untermenü „Kamera und Parken“ nicht nur die Lautstärke von Warntönen einstellen, sondern auch die Tonhöhe. Muss das wirklich sein?

Sehr wohnlich, qualitativ hochwertig und zudem sehr modern präsentiert sich der Innenraum des EQA in der Version Edition 1.

Sehr wohnlich, qualitativ hochwertig und zudem sehr modern präsentiert sich der Innenraum des EQA in der Version Edition 1.

Spracherkennung versteht größtenteils Bahnhof

Die MBUX-Sprach­erkennung gilt als eine der besten ihrer Art, doch hundertprozentig verlassen kann man sich nicht auf die Frauenstimme, die auf „Hey Mercedes“ hört. Auf die Aufforderung, mich in die hannoversche Sallstraße zu navigieren, reagiert das Sprachsystem zunächst mit der Seestraße, dann der Zeißstraße und schließlich der Seitzstraße – allesamt Straßen, die ebenfalls in Hannover zu finden sind.

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Eine Filiale der Deutschen Post, 100 Meter von meiner Parkposition entfernt, kann der Sprachautomat überhaupt nicht identifizieren. Angeboten werden mir im Rahmen eines zehnminütigen, nerven­aufreibenden Dialogs eine Post-Apotheke, das Hotel zur Post, diverse Hermes-Paketshops – und schließlich eine DHL-Filiale, die drei Kilometer entfernt ist. Auch die Suche nach der nächsten E‑Tankstelle gestaltete sich arg holprig, verstand MBUX doch oft nur Bahnhof.

Pro 100 Kilometer 17,7 bis 19 kWh Verbrauch

Verbrauchen soll der EQA 250 laut Hersteller pro 100 Kilometer 17,7 bis 19 kWh (nach neuer WLPT-Norm). Bei sparsamster Fahrweise im Eco-Modus und unter intensiver Nutzung der Lenkradwippen, mit denen man das SUV trefflich per Rekuperation abbremsen kann, lag unser Testverbrauch bei knapp 20 kWh. Fixiert man den Tempomaten auf der Autobahn auf 130, landet man bei 23 kWh, bei Tempo 150 zieht der Akku 28 kWh Strom.

Hinzu kommt, dass der Durchschnitts­verbrauch im Winter und bei sportlicher Fahrweise noch ein gutes Stück höher liegen dürfte. Heißt: Verlassen kann man sich auf die Verbrauchswerte bei diesem Elektroauto genauso wenig wie bei den weitaus meisten Verbrennern. Und wer dann unterwegs an einer Ladesäule auch noch teuren Strom tanken muss, zahlt für den Treibstoff deutlich mehr als bei einem modernen Diesel.

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