Kauf-nix-Tag: 24 Stunden für Klima und Umwelt

Ausufernder Konsum führt zu riesigen Müllbergen in Entwicklungsländern – wie hier auf der größten Mülldeponie von Kenias Hauptstadt Nairobi.

Ausufernder Konsum führt zu riesigen Müllbergen in Entwicklungsländern – wie hier auf der größten Mülldeponie von Kenias Hauptstadt Nairobi.

Hannover. Kaufen, kaufen, kaufen: Am Black Friday und Cyber Monday geht es für den Handel darum, möglichst viele Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen. Ein Schnäppchen jagt das andere, Weihnachten steht kurz vor der Tür und so vergisst man schon mal, was man eigentlich wirklich braucht. „Der Black Friday ist nur geschaffen worden, um neue Kaufanreize in einem völlig gesättigten Markt zu schaffen“, sagt Viola Wohlgemuth, Expertin für Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschutz bei Greenpeace.

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Kauf-nix-Tag: 24 Stunden keinen Cent ausgeben

Für den Tag nach dem Black Friday haben Konsumkritiker deshalb den Kauf-nix-Tag oder, Englisch, den Buy Nothing Day ausgerufen. Erfunden wurde der Aktionstag 1992 vom kanadischen Künstler Ted Dave, in den 2000er-Jahren wurde er auch in Deutschland bekannt. 24 Stunden lang sollen Verbraucherinnen und Verbraucher an diesem Tag nichts konsumieren, nicht online, nicht im Handel, nicht beim Bäcker, nicht an der Tankstelle. Das soll zur Reflexion anregen und jedem bewusst machen, was wirklich nötig ist und was nicht.

Denn der Überkonsum bei uns hat extreme Auswirkungen auf die Umwelt, das Klima und die Lebensbedingungen von Millionen Menschen weltweit. So gehen Schätzungen davon aus, dass allein die Modebranche 10 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verursacht und damit mehr als die internationale Luft- und Seeschifffahrt zusammen. „Fast Fashion ist der absolute Klimakiller“, sagt Wohlgemuth.

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Elektroschrott zerstört Lebensraum

Gleichzeitig landen jährlich Millionen Altgeräte im Müll. Jeder Deutsche produziert pro Kopf mehr als 10 Kilogramm Elektroschrott im Jahr, wie aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervorgeht. Die alten Handys, Spielekonsolen und Fernsehgeräte werden aber in den seltensten Fällen recycelt.

Stattdessen landen riesige Mengen Elektroschrott über illegale Schiffsrouten auf großen Mülldeponien in Entwicklungs- und Schwellenländern, wo der giftige Müll die Gesundheit der Menschen gefährden und ihren Lebensraum zerstört. Es könne deshalb nicht sein, dass Handys meist nicht reparierbar seien und Softwareupdates nicht langfristig angeboten würden, so Wohlgemuth.

Um den ausufernden Konsum einzudämmen, fordert Greenpeace, dass bis 2030 10 Prozent der Verkaufsfläche in deutschen Innenstädten Alternativen zum Neukauf vorbehalten sein müsste. „Neben dem Apple Store sollte ein Refurbished Store sein, neben Zara und H&M ein Second-Hand-Laden, dazu Möglichkeiten zum Leihen, Teilen, Tauschen und Mieten“, sagt Wohlgemuth. „Diese Angebote müssten gefördert werden, denn mit ihnen verdient man derzeit nicht so viel wie mit dem Fast-Fashion-Wahnsinn.“

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Extreme Positionen nehmen in der Krise zu

Konsumrausch auf der einen Seite – Verzicht und Minimalismus auf der anderen: Julia Pitters, Professorin für Wirtschaftspsychologie an der IU Internationalen Hochschule, beobachtet derzeit eine Polarisierung der Gesellschaft. „In Krisenzeiten verstärkt sich die Tendenz zur Extremisierung“, erklärt sie.

„Die einen haben das Gefühl, ihnen wurde ihr Kauferlebnis durch den Lockdown genommen – und shoppen im Gegenzug nun extra viel. So stellen sie vermeintlich ihre verloren gegangene Freiheit wieder her.“ Die anderen nutzten die Krise, um die materialistische Wertewelt anzuprangern und noch stärker als sonst für den Klimaschutz einzutreten. „Krisenbedingt kommt es an beiden Enden der Skala zu einem Jetzt-erst-recht-Verhalten.“

Haltung hängt vom sozioökonomischen Status ab

Diese Zuspitzung der Extremen könnte in den nächsten Jahren noch weitergehen, glaubt die Wirtschaftspsychologin. „Während die einen weiter konsumieren wollen und da ihre Freiheit sehen, werden die anderen ganz neue Wege gehen.“

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Pitters erinnert aber daran, dass die konsumkritische Haltung auch vom sozioökonomischen Status abhänge. „Nur wer genug Geld für den Konsum hat, kann sich auch bewusst dagegen entscheiden. Wer jeden Cent umdrehen muss, kann das in der Regel nicht reflektieren“, sagt sie.

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